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Kokain wird schneller geliefert als Pizza

Foto: David Ebener / dpa

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Die Pizza-Lieferdienste dieser Welt sollten Nachhilfeunterricht nehmen. Bei Koksdealern. Denn nicht selten sind die mit ihrer Ware schneller zur Stelle als die Pizzaboten.

In der „Global Drug Survey“, einer weltweiten Umfrage unter Drogenkonsumenten mit insgesamt 130.000 Teilnehmern in 44 Ländern, fragten die Forscher auch 15.000 Kokainkonsumenten, in welcher Zeit sie normalerweise Pizza und Kokain nach Hause geliefert bekommen. 30 Prozent der Befragten antworteten, dass ihr Koks innerhalb von einer halben Stunde bei ihnen ankomme. Bei Pizzen klappte das ziemlich genau halb so oft, nämlich in nur 17 Prozent der Fälle. Die „Global Drug Survey“ wird von einer gleichnamigen, unabhängigen Organisation in London durchgeführt. Ihr Ziel ist es unter anderem, Drogenkonsum durch Aufklärung über Konsumverhalten und Gefahren sicherer zu machen und Empfehlungen an die Politik auszusprechen. 

Die Studie liefert auch ein Geschwindigkeits-Ranking nach Ländern und Regionen mit: Besonders viele schnelle Kokslieferanten arbeiten in Brasilien, gefolgt von den Niederlanden und Dänemark. Deutschland landete auf Rang 13, hier sagten 22 Prozent der Befragten, eine Drogenlieferung in unter 30 Minuten sei normal. Heruntergebrochen auf Regionen dominieren drei dänische Regionen. In Deutschland findet man die Kokain-Schnelllieferanten in Berlin (25,6 Prozent), Hamburg (22,2 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (14 Prozent).

Selbst da, wo die 30-Minuten-Marke gerissen wird, ist Kokain immer noch ziemlich schnell zu haben: Nur viereinhalb der Befragten mussten länger als vier Stunden auf ihre Lieferung warten.

Dieser überraschend einfache Zugang liegt unter anderem an der wachsenden Zahl von Drogenumschlagplätzen im Darknet. Dass man an eine Substanz mit einem so hohen Suchtpotenzial wie Kokain so leicht herankommt, ist natürlich eine Gefahr. Je niedriger die Hürden beim Kauf von Drogen, desto schwieriger wird es, dem Suchtdruck zu widerstehen. „Die schnellen Lieferungen“, so schreiben die Forscher, „können die Leute zum häufigeren Konsum von Kokain veranlassen und daher auch dazu, leichter die Kontrolle über ihren Konsum zu verlieren.“ Immerhin sind die Preise bei Kokain im Vergleich zu anderen Drogen noch relativ hoch: In Deutschland kostet ein Gramm der Umfrage zufolge durchschnittlich 75 Euro – ein Platz im Mittelfeld. Am wenigsten zahlt man in Südamerika (5 Euro in Kolumbien), am meisten in Neuseeland (212 Euro). Vielleicht konsumierten die meisten Befragten Kokain auch deshalb nicht so häufig wie zum Beispiel Marihuana: Die Hälfte gab an, in den vergangenen zwölf Monaten zwischen zwei und zehn Mal gekokst zu haben, 20 Prozent sogar nur einmal. 23 Prozent hatten zwischen zehn und 50 Kokain-Tage im Jahr zu verbuchen, vier Prozent koksten zwischen 50 und 100 Mal, drei Prozent mehr als 100 Mal.

Teile der Gesellschaft sehen Drogen als normales Konsumgut

Dass Kokain so schnell beim Kunden ist, zeigt laut den Machern der Studie, wie sehr sich Drogenkonsum inzwischen verändert hat. Zum einen haben Überwachungskameras das Dealen auf der Straße riskanter gemacht. Zum anderen scheinen weite Teile der Gesellschaft Drogen mittlerweile als ein Konsumgut wie jedes andere zu sehen, das man sich problemlos im Netz per Klick bestellt und liefern lässt. Die Dealer wiederum haben sich darauf eingestellt und erkannt, dass sie nicht nur mit der Qualität der Ware bei ihren Kunden punkten können, sondern auch mit gutem Service.

Und nicht zuletzt gibt es mit der stetig steigenden Zahl von Darknet-Marktplätzen mehr und mehr relativ einfachen Zugang zu diesen Online-Drogendealern. Die Global Drug Survey zufolge stiegen Drogenkäufe im Darknet in quasi allen Ländern in den vergangenen fünf Jahren klar an. In Finnland, Spitzenreiter in diesem Bereich, gaben 46 Prozent der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten Drogen im Darknet gekauft zu haben, gefolgt von Norwegen (30 Prozent) England und Schweden (je 25 Prozent) und den USA (18 Prozent). Deutschland landete mit sieben Prozent im hinteren Drittel.

Die Umfrage befasst sich noch mit vielen weiteren Fragen rund um den Drogenkonsum, von Aufklärung über die Gefahren von Alkohol bishin zur Frage, wie Erstkonsumenten sich über die Drogen informieren, die sie nehmen, und welche Einflussfaktoren sie dazu bringen. Hier kannst du die wichtigsten Ergebnisse der Studie nachlesen.

che

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