Eigentlich sind Oktopusse eher unsozial. Auf MDMA werden sie richtig anhänglich.

Eigentlich sind Oktopusse eher unsozial. Auf MDMA werden sie richtig anhänglich.

Foto: Masaaki Komori/Unsplash

Oktopusse sind eigentlich nicht besonders sozial. Sie verhalten sich ihren Artgenossen gegenüber oft feindselig, manchmal fressen sie einander sogar gegenseitig auf. Nach der Paarung muss das Männchen schnell fliehen, um nicht vom Weibchen angegriffen zu werden. Schwierige Vorstellung für uns Menschen – denn es ist doch gerade schön, nach dem Sex Arm in Arm einzuschlafen oder zumindest noch ein bisschen zu kuscheln.

Stünden Oktopusse permanent unter Drogen, würden sie das vielleicht auch tun. Eine Studie der Johns Hopkins University in Baltimore hat gezeigt, dass sich die Tiere unter dem Einfluss von MDMA radikal anders verhalten – nämlich so ähnlich wie wir.

Menschen auf MDMA werden oft euphorisch. Sie wollen anderen nahe sein, und zwar nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Das Gehirn schüttet Botenstoffe aus, die ihre Wahrnehmung und Stimmung verändern. Der Wirkstoff in Ecstasy-Pillen kann prosoziales Verhalten fördern – und das offenbar nicht nur bei Menschen. Auch Oktopusse besitzen das Gen, das für die Umwandlung von Serotonin in Glücksgefühle zuständig ist. Für die Studie beobachteten die Forschenden zuerst das Sozialverhalten der komplett nüchternen Oktopusse. Dann steckten sie die Tiere in ein zehnminütiges MDMA-Bad. Und tatsächlich: Unter Drogeneinfluss suchten sie körperliche Nähe zu ihren Artgenossen, waren zutraulich und verbrachten mehr Zeit miteinander, als sie es für gewöhnlich tun würden.  Manche ließen sich sogar zu einer Art „Wasserballett“ hinreißen, wie es in der Studie heißt. Andere streichelten lieber den Sprudelstein, der (schöne?) Blasen im Wasser produziert. Oktopusse ähneln in gewisser Weise also Menschen auf MDMA.

Das ist erstaunlich. Denn das Gehirn eines Oktopusses unterscheidet sich deutlich von einem menschlichen Gehirn. Die Studie, über die unter anderem der Guardian berichtet hat, ist also nicht nur irgendwie süß und witzig, so wie es die Vorstellung von tanzenden und kuschelnden Oktopussen eben ist. Sie legt auch nahe, dass nicht nur Menschen Gefühle empfinden können, sondern alle Wesen mit einem Gehirn. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die Hirn-Schaltkreise für prosoziales Verhalten zwischen Mensch und Oktopus durchaus ähneln, obwohl sich die Abstammungslinien von Menschen und Oktopussen vor mehr als 500 Millionen Jahren teilten. Diese Erkenntnis ebnet den Weg für weitere Studien – auch dazu, inwieweit MDMA für die Therapie zum Beispiel von posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt werden kann, wie in den USA schon getestet wird.

soas

Noch mehr Forschung: