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Mit #prayfordemi drücken Menschen ihr Mitgefühl für Demi Lovato aus

Foto: Steve Marcus / Reuters

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Demi Lovato geht es gut. So gut es einem nach einer mutmaßlichen Überdosis, mit der die 25-Jährige Sängerin und Schauspielerin am Dienstagmorgen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, nun einmal gehen kann. Einer ihrer Sprecher schrieb in einem Tweet, die Schauspielerin sei bei Bewusstsein und im Kreise ihrer Familie.

Demi Lovato war in der Vergangenheit wegen Heroin- und Oxycontinabhängigkeit in Behandlung, blieb aber in den vergangenen Jahren clean. In der Dokumentation „Simply Complicated“ aus dem Jahr 2017 hat die Sängerin erstmals ausführlicher über ihren Drogenkonsum gesprochen. Die Reaktionen auf ihre mutmaßliche Überdosis auf Twitter und Instagram in den vergangenen beiden Tagen waren vor allem: mitfühlend. Unter den Hashtags #prayfordemi und #staystrongemi drückten Freunde und Fans ihre Anteilnahme aus und hofften auf eine starke Demi Lovato.

Dieses breite Mitgefühl und der sensible Umgang mit dem Thema in den Reaktionen zeigen aber nicht nur, dass Demi Lovato viele Fans hat – sondern auch, dass sich in den USA ein immer stärkeres Bewusstsein für die Drogenkrise als gesellschaftliches Problem entwickelt. 

Sucht wird immer mehr als Krankheit verstanden, nicht als selbstverschuldeter Fehler oder als Schwäche. Bis jetzt ist zwar noch nicht klar, ob Lovato wegen einer Heroin- oder Oxycontinüberdosis oder wegen einer anderen Droge ins Krankenhaus eingeliefert wurde – aber in jedem Fall geht es hier um eine Suchtproblematik. Und Verständnis für die Suchtprobleme eines Stars kann eher aufbringen, wer diese Krankheit auch aus der eigenen Familie und dem Freundes- und Bekanntenkreis kennt. Was bei sehr vielen Amerikanern der Fall sein dürfte: In den USA sterben jeden Tag mehr als 115 Menschen an den Folgen einer Opioid-Überdosis.

Das US-amerikanische Institut für Medikamentenmissbrauch und die Regierung haben längst eine Krise ausgerufen. Jeder dritte Amerikaner nimmt opioidhaltige Medikamente, die in den letzten Jahrzehnten leichtfertig als Schmerzmittel verschrieben wurden. Der verständnisvolle Umgang mit Lovatos Überdosis könnte also ein Symptom einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in den USA sein – auch wenn Prominenten natürlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als anderen Abhängigen.

In Deutschland gibt es übrigens keinen vergleichbaren Trend, ein Grund dafür ist das deutsche Betäubungsmittelgesetz: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erklärt, spezielle Betäubungsmittel dürfen nur auf Rezepten verschrieben werden, die zuvor bei der Bundesopiumstelle angefordert werden müssen. Das soll den Missbrauch von Opiaten verhindern. In den USA gibt es trotz dem 2017 ausgerufenen Gesundheitsnotstand bisher kein entsprechendes Gesetz.

tmh

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