[object Object]

Foto: Giselle Guerrero

Kaum eine Straße kann man als Großstädter mittlerweile entlang flanieren, ohne vom fettigen Geruch kreativ benannter Burgerläden abgelenkt zu werden. Burgerläden sind,  am „Einfallsreichtum“ der Namensgebung gemessen, die neuen Friseure. Vom „Burgeramt“ über „Frittiersalon“ bis hin zur „Burgerwehr“, alles hat man schon gesehen. Bei dem Hype wäre es ja nur konsequent, wenn wir auch alle des problemlosen Verzehrs eines Burgers mächtig wären. Das meist hinterlassene Chaos aus Saucen und Salat spricht aber eine andere Sprache.

Warum also, trotz aller Liebe, endet Burger essen immer in einem Fiasko? Sind wir einfach unfähig oder ist die Schuld beim Gericht zu suchen? Selbsternannte Experten glauben, eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben: Beides so ein bisschen. Wir essen die Burger einfach falsch. Weil sie falsch serviert werden. Die Türme aus Fleisch, Seitan, Avocado, Tomate, Salat, Gürkchen etc. pp. werden zwar sehr ansehnlich vor uns drapiert, von praktikabel kann aber keine Rede sein. Insider raten: den Burger einfach umgedreht verspeisen.

Ein typisches Burger-Intermezzo spielt sich etwa so ab: Bestellen, setzen, freuen, dann den Burger serviert bekommen und nach zwei Bissen von der unteren Hälfte Abschied nehmen, weil sie von Soße und Salat unheilbar durchnässt wurde und in mindestens zwei Teile zerbricht. Der Rest ist dann eine Mischung aus Messer, Gabel, schaufeln und auf dem Teller rumgrabbeln.

Schuld an der Misere ist allein die untere Hälfte. Die ist für gewöhnlich deutlich dünner als die „Krone“ (Oberseite des Brötchens) und zum Zeitpunkt des Servierens schon länger mit Saucen und Belag in Berührung. Folglich auch deutlich fragiler als ihr solider Gegenpart. Dass die Burger also trotzdem mit der „Krone“ nach oben serviert werden, ist ein ästhetischer Betrug am Kunden und nur für das Instagram-Klientel von Vorteil.

Einer der es wissen muss ist Simon Dukes, Burger-Connaisseur und Gründer von „Burger Lad“ , einer Website für Burger-Reviews. In einem Interview fachsimpelt er: „ Die Krone ist normalerweise viel dicker als alles andere. Für ein perfektes Erlebnis solltest du den Burger also umdrehen. Die Krone hält den ganzen Belag und der Burger zerfällt nicht in deiner Hand. Ein wahrer Liebhaber sollte seine Burger immer umgedreht essen”.

Wer sich noch ein wenig weiter in die Wissenschaften rund ums Burger-Essen einlesen möchte, kann auch dies tun. Und wird schnell fündig. Dass man den Burger umdrehen sollte, daran besteht für viele kein Zweifel. Aber auch hier gibt es zwei Glaubensrichtungen: Den Burger direkt umdrehen, sobald er zum Platz geliefert wird, oder: richtig herum auf dem Teller lassen, aber beim “in die Hand nehmen“-Vorgang die Daumen auf der Oberseite platzieren und das Objekt der Begierde erst auf dem Weg zum Mund wenden. Wer das mal vor seinem Laptop mit einem fiktiven Burger ausprobieren mag, der merkt schnell, dass Variante zwei durchaus seine Vorteile in Sachen Komfort hat.

Auch auf Reddit gibt es, wo sonst, eine intensiv geführte Diskussion zu dem Thema. Einige Nutzer sind sogar davon überzeugt, dass der Burger nicht nur einfacher zu essen ist, wenn man ihn umdreht, sondern auch besser schmeckt. Ausschlaggebend dafür sei die Position des „Pattys“ im Burger-Konstrukt. Der Belag wird traditionell auf dem Patty platziert und befindet sich somit näher an der oberen Brötchenhälfte. Umgedreht berührt die Zunge also beim reinbeißen erst die Beläge und dann das Fleisch (oder was ihr auch immer als Patty auf dem Burger habt). Das sei „der ideale Zustand“, wie ein Verfechter der Methode proklamiert.

Ob das wirklich so stimmt, darüber lässt sich freilich wundervoll streiten. Aber dass der Upside-Down-Burger deutlich stabiler ist, dagegen wird wohl niemand etwas einzuwenden haben.

schja

Stimme ab: 

Mehr zu Fast Food, Food Porn & Co: