Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer - Prof. Michels | Uniklinik Freiburg

Kokosöl, so erzählen sich Hobby-Ernährungsexperten oft in ihren WG-Küchen, ist das gesündeste Öl überhaupt, ein echtes „Superfood“. Wer das isst, so glaubt man inzwischen, dem kann nur noch wenig passieren. Denn der ist gesund, schlank und fit, der hat sein Leben im Griff. Das Öl, so schreibt beispielsweise die Seite kokosoel.info könne nämlich Krankheiten vorbeugen und helfe außerdem in nahezu jeder kosmetischen Frage. Tatsächlich scheint Kokosöl aber nur eine Superkraft zu haben: einen 50-minütigen Vortrag an der Albert-Ludwigs-Universität zum Youtube-Hit zu machen.

Letzteres dürfte aber nicht zum Vorteil des beliebten Lebensmittels gereichen. Denn im Vortrag räumt die Medizinerin Karin Michels, die in leitender Funktion an der Uni Freiburg, aber auch als Professorin in Harvard tätig ist, mit Ernährungsirrtümern auf. Unter anderem mit dem vermeintlichen Irrtum – und jetzt müssen viele Kokosöl-Fans vermutlich sehr stark sein –, dass Kokosöl gesund sei.

Michels zählt dafür erst lange angebliche Vorteile des Superfood „Kokosöl“ auf (im Video um Minute 5), holt dann Luft und sagt: „Es ist alles völliger Quatsch.“ Das Kokosöl sei eines der schlimmsten Nahrungsmittel, das man überhaupt zu sich nehmen könne.

„Kokosöl ist noch viel gefährlicher als Schweineschmalz“

Ein Raunen geht durch den Hörsaal angesichts dieser für viele anscheinend absolut schockierenden Nachricht. Doch Michels schont die Studierenden auch in den folgenden Sätzen nicht vor ihrer brutalen Wahrheit: Sie bezeichnet das Öl weiter als „reines Gift“ und „noch viel gefährlicher als Schweineschmalz“.

Tatsächlich besteht das Öl zu 92% aus gesättigten Fettsäuren. Während viele meinen, dass das Kokosöl aufgrund der besonderen, mittelkettigen Zusammensetzung seiner Fettsäuren trotzdem gesund sei, besteht Michels darauf, dass die Fettsäuren das Risiko für Herzinfarkte stark erhöhen würden. Es gebe zwar Märchen, die etwas anderes behaupten, aber keine einzige verlässliche Studie am Menschen, die auch nur einen einzigen Vorteil von Kokosöl zeigt. Auch die Amerikanische Herzgesellschaft empfiehlt, wegen gesundheitlicher Risiken kein Kokosöl mehr zu sich zu nehmen. Die deutschen Einrichtungen haben bisher noch nicht vor dem Verzehr von Kokosöl gewarnt.

Das Video selbst macht erst bewusst, wie weit diese „Superfood-Märchen“ inzwischen verbreitet sind und wie tief sie sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben. Schließlich sagt Michels schon am Anfang des Vortrages, dass sie zwar sehr überrascht wegen des Andrangs zu einem Ernährungs-Vortrag sei, aber vermute, dass das am Thema „Kokosöl“ liege. Das Raunen, das dann immer wieder aus den Reihen kommt, während Michels spricht, beweist außerdem, wie neu die These der Professorin für viele ist – ebenso der große Erfolg des Videos zum Vortrag: Auf Youtube wurde er in den vergangenen sieben Tagen über eine halbe Million mal angesehen.

Das große Interesse am Thema Kokosöl liegt Michels Einschätzung zufolge auch daran, dass Kokosöl in fast allen (Bio-)Läden als supergesund angepriesen wird. Ob die damit nun wirklich im Unrecht sind oder Michels mit ihrer Hiobsbotschaft für Superfood-Fans doch falsch liegt, lässt sich vermutlich erst durch weitere umfassende Studien herausfinden.

Und selbst wenn unbestreitbar bewiesen werden sollte, dass Kokosöl schädlich ist, sei mal dahingestellt, ob es deshalb gleich aus allen Küchen verschwinden würde. Schließlich haben sich viele Menschen, vor allem Veganer, schon längst daran gewöhnt, damit zu kochen, vertrauen den „Experten“ im Bio-Laden oder auf schicken Instagram-Accounts. Für alle, die ab jetzt trotzdem kein Risiko mehr eingehen wollen, gibt es ja aber auch andere Öle, die tatsächlich gesund sind. Mit Oliven- und Rapsöl kann man beispielsweise nicht viel falsch machen. Sagt auch Professorin Michels.

lath

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