Diese Fotos spielen mit deinen Vorurteilen

Die dunkelhäutigen Menschen auf den Fotografien von Miia Autio sind gar nicht dunkelhäutig.
Foto: Miia Autio
Foto: Miia Autio
Foto: Miia Autio
Foto: Miia Autio
Foto: Miia Autio

Scheint ein klarer Fall zu sein auf den ersten Blick: Da hat ein Fotograf schwarze Menschen portraitiert. Sie tragen Kleider in grellen Farben, sind vor farbigen Hintergründen positioniert, … nur was ist das für ein knallroter Punkt? Ist das ein Ohrring? Näher hinsehen. Achso, es sind Collagen. Die Gesichter haben so etwas Pop-Art-haftes, überhaupt haben die Farben der Bilder ebenfalls so etwas grelles Warholhaftes... Aber hä? Das sind ja Negative. Collagen aus Negativen. Moment: Müssten dann die Gesichter nicht weiß sein? Wie geht das denn? Haben die nicht irgendwie... die Anatomie von Dunkelhäutigen? 

Und schon steckt man in den vermeintlichen Gewissheiten des eigenen Hirns fest. 

Die Auflösung lautet: Miia Autios Fotoserie namens "Variation of White" zeigt Negative von Albinos. Diese Albinos sind Kinder schwarzer Eltern, die aufgrund eines genetischen Defekts mit weißer Haut auf die Welt gekommen sind. Dieser Defekt ist selten und führt bis heute oft zu Ausgrenzung und Stigmatisierung. Vor allem in Tansania unterstellte man Albinos jahrhundertelang unheilvolle magische Kräfte und ließ sie umbringen oder verbannen.

Die finnische Fotografin Miia Autio ist eine der Siegerinnen von "gute aussichten, dem diesjährigen Fotowettbewerbs des NRW-Forums Düsseldorf. Wer ihre Bilder betrachtet, kommt nicht umhin, die eigenen Sehgewohnheiten zu hinterfragen. Die gesamte Serie "Variation of White" umfasst 15 Fotografien und wird vom 19. November bis zum 5. Januar gemeinsam mit denen der anderen sechs Gewinnern des Awards in einer Ausstellung im NRW-Forum präsentiert.

Vor kurzem wurde schon ein anderes Fotoprojekt über den Umgang mit Albinismus in Afrika mit einem wichtigen Foto-Preis ausgezeichnet: Die Fotografin Sarah Waiswa schrieb Geschichte, indem sie als erste Künstlerin aus Sub-Sahara-Afrika den Discovery Award bekam (hier geht's zum Interview).

Ach ja, und wer sich jetzt noch fragt, was es mit dem roten Punkt wirklich auf sich hat: einfach mal 30 Sekunden lang konzentriert drauf starren, und dann auf eine weiße Fläche schauen.

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