Viele Frauen haben nachts allein ein mulmiges Gefühl.

Viele Frauen haben nachts allein ein mulmiges Gefühl.

Foto: Ryoji Iwata/Unsplash

Das Pfefferspray in der Handtasche. Den Schlüssel auf dem Heimweg in der Faust. Im Nachtbus bloß keinen Blickkontakt mit dem Betrunkenen drei Reihen weiter aufnehmen. In der Früh lieber nicht allein im einsamen Park joggen gehen. All das ist für viele Frauen Alltag. Auch, wenn sie vielleicht noch nie Opfer von Gewalt geworden sind – sie treffen zahlreiche Maßnahmen, damit das auch weiter so bleibt.

Wie präsent die Angst vor Gewalt, ob sexueller oder nicht-sexueller, für Frauen im alltäglichen Leben ist, und wie wenig Gedanken sich Männer im Gegenzug dazu machen, zeigt ein Facebook-Post der Userin Drew McKenna, der seit dem vergangenen Wochenende viral geht. Er wurde bereits mehr als 500.000 Mal geteilt und von fast 250 Menschen kommentiert.

Der Beitrag zeigt eine Tabelle zu der Frage, was Männer und Frauen im Alltag tun, um sich vor Gewalt schützen. Die linke Spalte stellt die Gedanken der Männer dar, die rechte Spalte die der Frauen. Links steht genau ein Satz: „Nichts, ich mach mir da keine Gedanken drüber.“ Rechts dagegen finden sich zahlreiche Beispiele: „Immer mein Handy dabeihaben“, steht da, „Nicht zu viel trinken und vorsichtig sein“, „Nie in Tiefgaragen parken“, „Darauf achten, was ich anziehe“, oder „Dabei zusehen, wie mein Drink gemixt wird“.

Der Post basiert auf der Idee des Autors und Filmemachers Jackson Katz. In seinem 2006 erschienenen Buch „The Macho Paradox: Why Some Men Hurt Women And How All Men Can Help“ beschreibt Katz, wie er in einem Vortrag Männer und Frauen fragte, wie sie sich vor sexuellen Übergriffen im Alltag schützen. Die Männer sagen: gar nicht. Die Frauen dagegen haben eine lange Liste an Strategien und Vorsichtsmaßnahmen parat. Das Buch ist zwar zwölf Jahre alt. Die Lebensrealität vieler Frauen hat sich seitdem dennoch nicht geändert. Das beweisen auch die vielen Reaktionen auf den Post.

Der Beitrag zeigt: Wir sind auch ein Jahr nach dem Beginn der #MeToo-Debatte noch lange, sehr lange, nicht da, wo wir sein sollten. Es ist falsch, dass Frauen sich in ihrem Alltag einschränken müssen, weil sie Angst vor Gewalt haben, ob sexueller oder nicht-sexueller. Es ist falsch, wenn Männer das nicht verstehen oder schlicht nicht wissen. Denn die meiste Gewalt gegenüber Frauen geht nun einmal von Männern aus. Das muss auch Männern klar sein, die nie gewalttätig werden würden oder die Feministen sind.

Deswegen ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen. Damit wir alle achtsamer werden. Und sich irgendwann hoffentlich wirklich alle Frauen ohne ein mulmiges Gefühl in dunklen Straßen, einsamen Parkwegen oder Tiefgaragen aufhalten können. Ohne Pfefferspray und ohne Schlüssel in der Hand.

soas

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