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Männer werden oft mehr fürs Vatersein gelobt als Mütter fürs Muttersein. Ist das fair?

Foto: Unsplash / Danielle MacInnes

Man stelle sich Folgendes vor: Ein Mann fliegt ins All, seine Frau bleibt mit den Kindern auf der Erde zurück. Wer von beiden wird wohl mit einer Auszeichnung geehrt werden? Vermutlich der Mann, er ist ja ein Astronaut. Aber was wenn das Szenario andersrum aussieht? Die Frau ins All fliegt, der Mann die Kinder hütet? Dann ist der Job des Mannes offenbar immer noch preiswürdig.

Letzteres sieht zumindest die Großbäckerei Mestemacher so. Die verleiht nämlich seit 2006 unter Projektleitung ihrer Mitinhaberin Ulrike Detmers, die sich für Gendergerechtigkeit einsetzt, den Preis für den „Spitzenvater des Jahres“. Dieses Jahr wurde Daniel Eich dazu gekürt.

Er ist der Ehemann der Astronautin Insa Thiele-Eich und wurde für seinen Einsatz als Vater mit 5000 Euro Preisgeld belohnt. In der Pressemeldung von Mestemacher wird das damit begründet, dass seine Frau sich schließlich gerade deshalb beruflich verwirklichen könne, weil er sich immer wieder Elternzeit nahm und für die drei gemeinsamen Kinder sorgte. 2020 wird Thiele-Eich als erste Frau die Wissenschaftsmission auf der Internationalen Raumstation ISS leiten.

Während Daniel Eich sich damit in den Augen der meisten Menschen anständig verhält, gibt es für die Preisverleihung nun trotzdem jede Menge Kritik. Viele finden nämlich unfair, dass ein Vater fürs Vatersein geehrt wird, während doch Zigtausende Mütter sich wie selbstverständlich um die Kinder kümmerten und kaum Anerkennung bekämen.

Ist so viel Häme und Entrüstung über den Preis angebracht? Insa Thiele-Eich, die Frau des Prämierten, sieht das nicht so und macht ihren Standpunkt dazu auf Twitter klar: „Wir haben uns mit den Inhalten des Preises auseinandergesetzt und uns das beide SEHR GUT überlegt. Weil wir die Werte die dieser Preis verkörpert (sic!) nämlich beide vertreten & VERBREITEN (sic!) wollen.“

Tatsächlich klingt ein Preis für einen „Spitzenvater“ vielleicht zunächst absurd, solange eine „Spitzenmutter“ nicht ausgezeichnet wird. Aber der Preisverleiher verfolgt damit nach eigenen Angaben aber eigentlich das Ziel, auch Männern die Gleichberechtigung der Geschlechter bei der Kindererziehung schmackhaft zu machen. Tatsächlich gehen Männer nur selten lange in Elternzeit, wenige verzichten ihrer Familie wegen auf die eigene Karriere.

Das Ziel von Mestemacher ist also eigentlich eines, auf das sich auch die allermeisten einigen dürften, die den Preis auf Twitter kritisieren. Zusätzlich unterstützt das Unternehmen zwar nicht die „Spitzenmutter des Jahres“, aber doch immerhin die „Managerin des Jahres“. Schließlich gibt es in Sachen weibliche Führungskräfte ähnlich viel Nachholbedarf wie in Sachen Vollzeit-Väter.

lath