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Stockholm verbietet sexistische Werbung

Der Stadtrat ist sich größtenteils einig, dass Plakatwände keine Vorurteile füttern sollen.
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    Foto:Tanja Heffner, Unsplash; Illustration: Katharina Bitzl

Jeder von uns kennt die Bilder, um die es hier gleich gehen wird: leicht bekleidete Frauen, die sich auf Werbeplakaten an Bushaltestellen oder in U-Bahnhöfen räkeln. Werbebanner oder -screens, die Frauen mehr zum Objekt machen, als sie ernst zu nehmen. Klingt, als wäre das alles mehr als 50 Jahre alt, ist aber bis heute Realität. Dass solche Bilder Einfluss auf das Geschlechterbild haben, mit dem junge Menschen aufwachsen, ist ebenso unbestritten.

Der Stadtrat der schwedischen Hauptstadt Stockholm hat diese Woche nun beschlossen, sexistische Werbung im öffentlichen Raum zu verbieten. Bis auf die rechtspopulistischen Schwedendemokraten haben alle Parteien nahezu einstimmig für diese Maßnahme gestimmt. Man geht davon aus, dass sie innerhalb eines Monats umgesetzt wird.

Daniel Helldén von den Grünen hat sich seit Dezember vergangenen Jahres für diesen Schritt stark gemacht. Er appellierte an seine Stadtratskolleginnen und -kollegen, dass die Stadt Verantwortung dafür trage, dass die Bürger keinen verletzenden oder verstörenden Werbungen ausgesetzt sind. Am Montag sagte er nun, dass es ein notwendiger Schritt sei, um Vorurteile in der Stadt zu reduzieren.

Bislang konnten die Behörden in Schweden sexistische oder anderweitig erniedrigende Werbung zwar verbieten, aber keine Sanktionen dafür verhängen. Nun dürfen verletzende Werbungen innerhalb von 24 Stunden von den rund 700 Plakatwänden in der Stadt entfernt werden. Die neue Regelung trifft dabei nicht nur auf sexistische, sondern auch auf rassistische Darstellungen zu.

London und Leipzig haben sexistische Werbung bereits verboten, Berlin und Genf denken darüber nach

Stockholm ist nicht die einzige Stadt, die sexistische Werbung verbietet. London hat dies bereits getan, Leipzig auch, Berlin und Genf denken über ähnliche Schritte nach.

Sexismus in der Werbung ist seit Jahren ein heftig diskutiertes Thema. Auch aktuell wieder. Dr. Oetker etwa hat zur WM in Russland eine Werbekampagne in der Schweiz gestartet, bei der eine Frau eine Fußballtorte in der Hand hält, dazu der Slogan: „Back deinen Mann glücklich – auch wenn er eine zweite Liebe hat.“ Twitter-User äußerten sich mal kritisch, mal sehr erbost darüber – Dr. Oetker hat die Werbung dennoch verteidigt.

In Großbritannien wiederum prüft der Werberat derzeit die Einführung einer neuen Bestimmung, die Gendermarketing, sexistische Darstellungen und Body Shaming verbietet. Zumindest in vereinzelten Ländern also scheinen die Menschen langsam ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Werbung bestimmte Vorurteile weiter und weiter füttert.

jwh

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