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Dominique de Marné leidet selbst an Borderline. Sie will Deutschlands erstes Mental-Health-Café eröffnen.

Foto: Arvid Uhlig

Über seelische Gesundheit sprechen wir immer noch viel zu wenig, findet Dominique de Marné. Die 32-Jährige ist Borderlinerin, litt lange an Depressionen und Alkoholsucht. Heute kontrolliert sie die Krankheiten und nicht umgekehrt, sagt sie. Dominique geht mit ihrer Geschichte offen um, bloggt und hat im April ein Buch veröffentlicht. Offen zu sprechen habe ihr sehr geholfen, erzählt sie, und das wünsche sie sich auch für andere. In München möchte sie – nach einem Vorbild in Chicago – gemeinsam mit ihrem Partner und weiteren Mitstreiter*innen das erste Mental-Health-Café Deutschlands eröffnen. Dafür sammelt sie gerade Spenden. Wir haben mit Dominique gesprochen.

jetzt: Dominique, wieso brauchen wir ein Café für Mental Health? Dominique: Es ist wichtig, dass das Thema noch mehr in der Mitte unserer Gesellschaft ankommt. Mit dem Café wollen wir die Hemmschwelle senken, die es gibt, wenn es darum geht, über seelische Gesundheit zu reden. Wir möchten es schaffen, dass Profis, Angehörige, Betroffene und Außenstehende in einem gemütlichen Rahmen zusammenkommen und miteinander sprechen. Dabei denken wir vor allem auch präventiv – es ist für jeden und jede sinnvoll, sich mit psychischen Erkrankungen zu beschäftigen.

Was stellt ihr euch konkret vor?

Wir wollen einen Ort schaffen, an dem niemand perfekt sein muss. An dem es okay ist, wenn es einem schlecht geht. Wo man in angenehmer Atmosphäre mit anderen über seine Probleme sprechen kann, aber auch nicht muss. Es wird vor Ort geschultes Personal geben, an das sich die Menschen wenden können. Außerdem planen wir Workshops und Seminare zum Thema seelische Gesundheit. Momentan suchen wir einen geeigneten Ort in München und haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Hoffentlich geht es schon im Oktober los.

Inwieweit spielt deine eigene Geschichte bei der Idee eine Rolle?

Ich habe selbst eine Borderline-Störung, war depressiv und alkoholabhängig. Und rückblickend weiß ich, dass es bei mir auch so schlimm war und wurde, weil eben niemand mit mir geredet hat. Psychische Erkrankungen sind noch immer ein Tabuthema. Als ich die Diagnose bekommen habe, hat sich für mich so viel geändert.

Inwiefern?

Mir ging es relativ schnell besser, als ich dann in einer Therapie war. Heute kontrolliere ich die Krankheit, nicht umgekehrt. Hätte ich schon früher gewusst, was mit mir los ist, hätte ich mir vieles sparen können. Ich will Klischees über diese Krankheiten aufbrechen. Alkoholsucht ist nicht das Problem einer Randgruppe, genauso wenig wie Depressionen. Das trifft auch die Bankerin, den Professor, die Supermarktkassiererin.

Also hätte dir so ein Café in deiner Nähe vielleicht helfen können?

Ich denke schon. Seit ich so offen mit meiner Geschichte umgehe, merke ich, wie sehr das Thema Mental Health viele Menschen beschäftigt. Aber in Familien und Freundeskreisen wird oft darüber geschwiegen. Reden hilft. Zuhören auch. Es wäre schön, wenn man dieses Tabuthema ein Stück weiter in den Alltag der Menschen rücken könnte.