Twitter-Nutzer nehmen Filmklischees auseinander

Indem sie sich vorstellen – als schwarze Frau, die nur „Giiirl“ sagt, oder PC-Nerd, der beliebig Tresore öffnet.

Foto: etorres69 / photocase.com

Filme sollen möglichst viele Identifikationsmöglichkeiten bieten. Denn das gefällt den Zuschauern, damit erreicht man die Leute. Dafür arbeiten die Macher meist mit Stereotypen und Klischees. Die, so wissen die Macher, kennt schließlich fast jeder Zuschauer. Ob das nun Hollywood- oder schnulzige ARD-Produktionen sind – Handlungen, Verhaltensweisen der Charaktere und Setting sind oft ziemlich vorhersehbar.

Das sieht man gerade ganz gut auf Twitter. Denn dort machen sich die Nutzer einen Spaß daraus, genau solche Muster zu enttarnen. Auf die Idee kam zunächst wohl ein Assistenzprofessor für Linguistik, Rory Turnbull, der schrieb: „Hallo, ich bin ein Professor in einem Film. Ich unterrichte die wichtigste Stelle meiner Vorlesung am Ende der Stunde. Dann rufe ich den Studenten ihre Hausaufgaben hinterher, während sie gehen.“

Das Bild vom immergleichen Uni-Professor und dessen Unterrichtsstil in Filmen kennen offenbar viele Leute. Genauer: Mindestens 185.000. So viele haben den Tweet bisher gelikt.

Und weil Zehntausenden von ihnen offenbar selbst einige Dinge einfallen, die man immer wieder sehr ähnlich in Filmen sieht, machen sie mit bei dem Spiel, indem sie sich ebenfalls vorstellen. Als diese oder jene Person, die man so schon aus zig Filmen kennt. Die schwangere Frau, der im ungünstigen Moment die Fruchtblase platzt zum Beispiel. Oder als der Lehrer, der plötzlich Problemschüler zu Einserkandidaten macht.

Sie schreiben beispielsweise von Menschen, die im Film irgendwie immer in besseren Umständen leben, als es im echten Leben der Fall sein dürfte: Da müssen Leute, die sehr viel Geld verdienen, sehr wenig arbeiten. Dafür bekommen sie dann noch eine eigene Minibar ins riesige Eckbüro gestellt, heim bringt sie natürlich der eigene Chauffeur. Und romantische Liebe ist am Ende dann auch immer ganz einfach, egal wie viele Vernunftsfaktoren dagegen sprechen.

Man könne sich außerdem auch darauf verlassen, dass gewisse Charaktere immer gleich dargestellt würden. So schreibt eine Nutzerin beispielsweise: „Hallo, ich bin eine mollige schwarze Frau in einem Film. Ich bin nur da, um deine freche, witzige Freundin zu sein. Hauptsächlich sage ich nur: 'Girrrrrrllllllluh' und 'mm hm', während ich dazu mit dem Kopf schüttle.“

Ähnlich stellt sich ein anderer Nutzer als klassischer Film-Computer-Nerd vor: „Ich kann in jedes System einbrechen, indem ich sehr schnell irgendwelche beliebige Zeichen tippen und dann schreie: 'Ich bin drin!'“

Das Ganze funktioniert auch bei vielen anderen Charakteren in unterschiedlichsten Funktionen. Sogar bei Außerirdischen – die aber komischerweise die Erde immer wieder mit den USA gleichsetzen.

Sogar wie Dinge in Filmen dargestellt werden oder funktionieren, ist offenbar vorhersehbar geworden. So schreibt ein Nutzer: „Hallo, ich bin ein Geschenk“, ein anderer: „Hallo, ich bin eine Waffe.“

Eines allerdings scheint es in diesen Filmen nicht zu geben: Menschen, die auf der Leinwand wohl keiner sehen soll. Also, echte Menschen eben. Schauspieler, die tatsächlich so alt sind, wie die Personen die sie spielen sollen. Oder Schauspieler, die tatsächlich die Herkunft haben, die der nichtamerikanische Charakter im Film hat.

Und auch Deutsche mischen sich schnell ein. Zunächst noch als „ze German in ze Movie“, der immer kaltherzig sei und den Plan habe, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Später aber auch (anders als ze German) auf echtem Deutsch, teils mit Verweis auf echtes deutsches Fernsehen.

Fragt sich am Ende nur: Wieso, wenn doch all diese Stereotype schon längst als solche erkannt wurden, sind Filme, die sie nutzen, oft immer noch so erfolgreich? Und: Wird es vielleicht Zeit, daran etwas zu ändern?

lath

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