Das sind die besten Filme und Serien mit weiblichen Weirdos

„Fleabag“, „Kajillionaire“ oder „Shiva Baby“ brechen mit stereotypen Frauenrollen, denn die Protagonistinnen sind allesamt: Weirdos.
Foto: MUBI, Matt Kennedy / AP, Frederick M. Brown / AFP

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Bei ihren Mitmenschen ecken sie oft an, weil ihr Verhalten oder ihr Äußeres sozialen Konventionen widerspricht: Obwohl Weirdos nicht selten ein Dasein als Außenseiter fristen, sind sie im Film wertvolle Vorbilder. Figuren wie John Dorian aus „Scrubs“, Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“ oder Juno aus „Juno“ machen einfach Mut, zur eigenen Individualität zu stehen, gesellschaftlichen Normen nicht zu ernst zu nehmen – und einfach das eigene Ding durchzuziehen.

Früher waren „Weirdos“ oft eher männlich besetzt, egal ob als geheimnisvolle Outlaws oder liebenswerte Dummköpfe. Inzwischen aber sind abgedrehte und seltsame Frauenfiguren mehr im Kommen. Hier sind fünf aktuelle Filme und Serien, die diese weiblichen Weirdos zelebrieren. Weil: Von langweiligen, stereotypen Frauenfiguren haben wir definitiv genug gesehen.

„Fleabag“ (Staffel 1 - 2): Ein Weirdo auf Sinnsuche

Der Alltag der Anfang 30-jährigen Britin „Fleabag“ (Phoebe Waller-Bridge) ist überaus chaotisch: Das ursprünglich zusammen mit ihrer gerade verstorbenen besten Freundin Boo gegründete Café zieht nur wenige Kund:innen an und zu allem Überfluss muss sie sich außerdem mit ihrer dysfunktionalen Familie herumschlagen: Während ihr der Mann ihrer egozentrischen Schwester Claire (Sian Clifford) aufdringlich nahekommt, befindet Fleabag sich im Dauerstreit mit der neuen Frau (Olivia Colman) ihres Vaters. Mit ihren ungewöhnlichen Versuchen, die Trauer über Boos skurrilen Tod zu überwinden, eckt sie bei ihren Mitmenschen regelmäßig an: Sie trinkt zu viel Alkohol, versucht den Schmerz mit zahlreichen, schnellen Affären zu betäuben und sagt einfach immer ihre Meinung. Fleabag ist obszön und schamlos, ein Weirdo auf Sinnsuche, dessen Geschichte beweist, dass das Leben auch dann weitergeht, wenn man es scheinbar ganz und gar nicht mehr im Griff zu haben scheint.

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EMA“: Der unabhängige Weirdo

Eine Frau, wie sie der chilenische Regisseur Pablo Larraín („Jackie: Die First Lady“) in seinem Drama zeichnet, gab es so im Film wohl noch nie. Ema hat sich gerade von Langzeitpartner Gastón getrennt, nachdem sie das gemeinsame Adoptivkind wieder dem Jugendamt übergeben hat. Der Sechsjährige hatte zuvor das Haus in Brand gesteckt und das Gesicht von Emas Schwester versengt. Dennoch wünscht sie sich nichts sehnlicher, als ihren Adoptivsohn zurückzubekommen. Ihr Schmerz und ihre teils kruden Bewältigungsmethoden werden in wilden Collagen aus Tanzchoreografien auf hell erleuchtenden Fußballfeldern, in hektischen Affären mit zahlreichen Sexpartner:innen und nächtlichen Streifzügen durch Valparaíso inklusive Flammenwerfer erzählt. Trotzdem ist Ema am Ende keine Verrückte – sondern eben ein besonders unabhängiger Weirdo mit Plan, der dazu inspiriert, dass auch der unkonventionelle Weg manchmal ans Ziel führen kann.

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Shiva Baby“: Der Weirdo mit den komischen Interessen

Auch das Handeln der Mittzwanzigerin Dannielle wirkt für Außenstehende mindestens befremdlich. In Emma Seligmans „Shiva Baby“ besucht sie eine jüdische Trauerfeier, direkt nachdem sie mit ihrem „Sugar Daddy“ Max geschlafen hat. Ihre Mutter trichtert ihr zuvor noch schnell ein, wie sie auf neugierige Fragen über ihr Leben, etwa ihrer Berufsvorstellungen, zu antworten hat. Das gilt in den Augen der meisten Anwesenden der Trauerfeier als „komisch“ – hauptsächlich, weil Danielle die vermeintlich „wahnwitzige“ Entscheidung getroffen hat, „Gender Studies“ zu studieren. Komisch entwickelt sich das Zusammentreffen dann tatsächlich, denn auch besagter Max ist vor Ort – inklusive Ehefrau und gerade geborenem Nachwuchs. Bis auf ihre beste Freundin Maya mit der sie auch eine romantische On-Off-Beziehung verbindet, ist man sich auf der Familienfeier einig, dass mit ihr etwas ganz und gar nicht stimmen kann. Dabei ist alles, was Danielle versucht, ihren eigenen Sinn in diesem eigentlich doch ziemlich „weirden“ Leben zu finden.

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Kajillionaire“: Der Weirdo mit dem ungewöhnlichen Auftreten

Zugegeben, selbst gewählt hat sich Old Dolio Dyne (Evan Rachel Wood) ihr Dasein als Außenseiterin nicht: Sie ist Teil einer Familie von Trickbetrüger:innen, die es auf ihren Beutezügen auf andere Mittellose abgesehen hat. Old Dolios Eltern haben ihre Tochter lieblos großgezogen, und einzig auf das Ziel hin trainiert, eine Meisterdiebin zu werden. Gemeinsam mit ihnen lebt sie ziemlich verwahrlost in einem ehemaligen Bürogebäude, das regelmäßig vom Schaum der angrenzenden Fabrik vollgespült wird. Ohne Sinn für gesellschaftliche Gepflogenheiten begegnet sie ihren Mitmenschen verschüchtert bis unhöflich, trägt ihr wohl seit Jahren nicht mehr geschnittenes Haar über einem immergleichen, übergroßen Trainingsanzug. Erst mit Melanie (Gina Rodriguez), die rein zufällig zur Familie stößt, lernt sie ein anderes Leben kennen – und auch, dass man von außen aufgezwungene „Weirdness“ zu seiner eigenen machen und lernen kann, sich in seiner Haut wohlzufühlen.

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We are who we are” (Miniserie): Weirdos, die für Veränderung stehen

Als der 14-jährige Fraser mit seinen beiden Müttern auf eine Militärbasis ins italienische Veneto zieht, freundet er sich umgehend mit der gleichaltrigen Caitlin an. Beide stechen aus der von Disziplin und Gehorsam geprägten Umgebung hervor: Anders als der Nachwuchs anderer Soldat:innen interessieren sie sich für Gedichte, sentimentale Musik und hadern mit ihrer Identität: Beide experimentieren mit Geschlechtergrenzen und ihrer sexuellen Orientierung, auch wenn das bei vielen Bewohner:innen des Stützpunktes nicht gerade gut ankommt. Angesiedelt im Jahr 2016, zelebriert Luca Guadagnino („Call Me by Your Name”) über acht Folgen hinweg ihr Außenseitertum als einen zwar nicht freiwilligen, letztlich aber sinnstiftenden Teil ihres Daseins. Was „We are who we are“ auch beweist: Fraser und Caitlin mögen vielleicht als komisch gelten, gleichzeitig stehen sie mit ihrem Denken jenseits von festgefahrenen Rollenvorstellungen für zentrale gesellschaftliche Veränderungen – und somit vielleicht sogar irgendwann für die neue Norm.

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