Ist Netflix die beste Verhütung?

Eine Umfrage hat ergeben: „Netflix and Chill“ ist auch nicht mehr, was es einmal war.

Foto: AP / Sarah Shatz

„Netflix and Chill“ ist kein Synonym für die Freuden der körperlichen Lust mehr. Bisher dachte man, die kuschelige Streaming-Atmosphäre würde einem Paar die Chance geben, die Nähe zum Partner zu suchen. Laut einer Umfrage des Wall Street Journal, in der über 1000 Teilnehmer befragt wurden, ist der Streaming-Anbieter Netflix eher kontraproduktiv für eine heiße Nummer.

Einer von vier Teilnehmern hatte angegeben, sich in den vergangenen sechs Monaten mindestens einmal für Video-Streaming statt für Sex entschieden zu haben. Besonders deutlich war das Ergebnis bei Teilnehmern der jüngeren Generation: 36 Prozent der Befragten zwischen 18 und 38 Jahren zogen das Binge-Watching mindestens einmal dem Sex vor. Unter dem Hashtag #NetflixandZzzzz wundert sich aber eigentlich niemand über die neuen Erkenntnisse:

In den USA ist der Rückgang der sexuellen Aktivität gerade ein großes Thema. Verschiedene Studien zeigen, dass die sexuelle Aktivität der Bevölkerung zurückgegangen ist – gerade bei jungen Menschen. Ein Trend, der auch in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder festgestellt wird. In den USA hatte das negative Auswirkungen auf die Geburtenrate: 2018 wurden dort die wenigsten Kinder seit mehr als 30 Jahren geboren – in Deutschland wurden  2016 dagegen die meisten Kinder seit 1973 geboren.

Die ganze Verantwortung für die Erotik-Flaute wollte Netflix dann aber doch nicht auf sich nehmen: „Wir sind stolz darauf, ein Teil des kulturellen Zeitgeistes zu sein, aber ein jahrzehntelanger Rückgang von Sex geht sogar über unsere Programmier-Fähigkeiten hinaus“, sagte ein Sprecher des Konzerns gegenüber dem WSJ als Reaktion auf die Umfrage.

Klar, man kann nicht einen einzelnen Streaming-Anbieter verantwortlich machen. Aber auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die mit dem Zusammenhang zwischen Screen-Time und Sex untersucht hatten, betonen, dass es da durchaus Korrelationen gebe. 2017 hatte beispielsweise Jean Twenge, eine Psychologie-Professorin an der Universität von San Diego ein Paper dazu veröffentlicht. Bei Streaming-Anbietern verweist sie etwa auf das Fehlen von Werbepausen als Hemmfaktor: „Wenn du jetzt etwas streamst, beginnt die nächste Episode automatisch und da ist keine Werbepause, in der du rüberschauen könntest und sagen: „Honey, du siehst heute aber süß aus.“

Der Begriff „Netflix and Chill“ hatte Google Analytics zufolge 2015 seinen Höhepunkt. Rein spekulativ könnte man natürlich argumentieren, dass sich seitdem die Serien verbessert haben – und es für die Menschen immer schwerer geworden ist, sich vom Bildschirm loszureißen. Aber über Serien-Geschmäcker lässt sich ja bekanntlich streiten.

mpu

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