Was uns „How to Sell Drugs Online (Fast)“ über unser Online-Leben sagt

Und wie wir dadurch die Generation Z besser verstehen können.
Von Niko Kappel

Foto: Netflix

Wenn nicht gerade ständig Whatsapp-Verläufe und Instagram-Storys durchs Bild flackern würden, könnte „How to Sell Drugs Online (Fast)“ auch in jeder anderen Zeit spielen. Da gibt es den traurigen Verliebten, die schöne Nicht-Zurück-Liebende, den Schönling, der diese Beziehung stört und den treuen Freund des unglücklich verliebten Helden. Doch die Autoren der bildundtonfabrik haben diese klassische Coming-of-Age-Geschichte auf die heutige Zeit gedreht. Instagram-Posts sind hier nicht nur Beiwerk, das die Geschichte „jung“ wirken lassen soll, sondern Teil der Erzählung. „How to Sell Drugs Online (Fast)“ ist eigentlich eine einfach strukturierte Geschichte: Ein 17-Jähriger will seine Exfreundin beeindrucken und wird für sie zum Online-Drogendealer. Diese Geschichte wird aber so schnell erzählt, dass man selbst keine Sekunde Zeit hat, zwischendurch Instagram oder Whatsapp zu checken. Die Serie ist wie das Internet – die totale Reizüberflutung.

Mit dieser Reizüberflutung geht die Generation Z, die hier die Hauptrolle spielt, so leichtfertig um wie keine vor ihr. Es ist die erste Generation, für die es normal ist, der Realität so einfach entfliehen zu können. Die Charaktere aus „How to Sell Drugs Online (Fast)“ suchen ihr Glück im Internet, werden aber immer wieder von der Realität eingeholt. Die kleine Schwester des Protagonisten Moritz ist mit elf Jahren schon Influencerin. Tausende folgen ihr im Internet, ihre Mutter interessiert sich aber nicht für sie. Moritz lernt große Drogenhersteller im Internet kennen, kauft im Ausland Unmengen an Ecstasy und sitzt danach in der Kleinstadt in seinem Kinderzimmer und ist nur ein Nerd, der will, dass seine Freundin ihn wieder liebt. Was hier mitschwingt und was die Serie wirklich gut macht, ist, dass das reale Ich jederzeit das Internet-Ich einholen kann.

Die Grenzen zwischen Realität und Netz verschwimmen immer mehr

Die Serie zeigt auch, wie schwer es ist, sich dieser Welt zu entziehen. „Likes sind wie Zucker“, sagt Moritz einmal, als die neurobiologische Wirkung von Klicks mit der euphorisierenden Wirkung von MDMA verglichen wird. Moritz, der Teenager, der im echten Leben von seinen Mitschülern nicht beachtet wird, sucht sich seine seelische Befriedigung im Internet. Als er und sein Freund Lenny mit ihrem Ecstasy-Handel immer erfolgreicher werden, vernachlässigt Moritz Lenny immer mehr und beschäftigt sich nur noch mit seinen Kunden im Netz, anstatt mit echten Menschen.

„How to Sell Drugs Online (Fast)“ zeigt, dass im Internet jeder sein kann, wer er will: jeder Nerd ein Drogenboss und jedes Dorfkind ein Influencer. Die Grenzen zwischen Realität und Netz verschwimmen. Natürlich wird im Netz nicht jeder Teenie gleich zum Drogendealer oder Influencer. Aber erliegen wir der Versuchung, im Netz ein zumindest etwas spannenderer Mensch zu sein, nicht alle zumindest ein bisschen? Durch die Serie versteht man die Generation Z und was das Internet für sie bedeutet. Und das gilt nicht nur für Eltern und Großeltern, sondern auch für Mittzwanziger, die theoretisch gar nicht so weit von der Generation Z entfernt sein sollten. Aber weil heute alles so schnell geht, sind sie das irgendwie ja doch.

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