Diese Begrüßungsgesten musst du in Corona-Zeiten kennen

Sechs Alternativen zu Handschlag und Co. – vom „Ellenbogen-Bump“ bis zur „verlegenen Salzsäule“.
Von Nadja Schlüter

Gar nicht mal so leicht, in diesen Zeiten die richtige Begrüßungsgeste zu finden...

Illustration: FDE

Die Corona-Pandemie zwingt uns zum Abstandhalten und zu strenger Hygiene. Sie verändert darum auch einen Alltagsmoment, bei dem sich sonst sogar Fremde nahe kommen: die Begrüßung. Gesundheitsämter raten derzeit vom Handschlag ab, dass Bussi-Bussi nicht mehr geht, erklärt sich von selbst, und obwohl ein belgischer Virologe unlängst verkündet hat, Umarmungen seien sicherer als sich die Hand zu geben, ist das Gedrücke und Gebussel den meisten aktuell nicht geheuer. Höchste Zeit also, sich die verfügbaren Alternativen mal etwas genauer anzuschauen.

1. Der Ellenbogen-Bump

Illustration: FDE

Korrekte Ausführung:

Halbe Drehung nach links, dabei den rechten Ellenbogen abspreizen und an den anderen Ellenbogen anstoßen. Die Gesichter dabei bestenfalls voneinander abwenden, um Tröpfchenaustausch zu vermeiden.

Vorteil:

Näher kommt man dem Handschlag heutzutage nicht mehr! Und das seitliche Zueinandrehen erinnert auch ein bisschen an die frühere Bussi-Bussi-Geste. Hach, schöne Nostalgie!

Nachteil:

Je nach Länge der Arme, Stoßkraft und Größenunterschied der Beteiligten kann man sich bei dieser Begrüßung doch recht nahe kommen. Und dann wäre da noch die Verletzungsgefahr: Von schmerzenden Musikantenknochen wegen zu freudig und schwungvoll ausgeführten Begrüßungen ist zwar bisher noch nichts bekannt – aber uns steht ja auch noch ein langer Sommer mit kurzen Ärmeln und mehr Kontakten als in den vergangenen Wochen bevor. 

Eleganz-Faktor:

4 von 5. Der Ellenbogen-Bump erinnert nämlich zum einen an den lässigen Fist-Bump, und Lässigkeit ist immer elegant. Zum anderen sieht er ein bisschen so aus, als wäre er Teil einer Tanzchoreographie: Sich anschließend an der Hand zu nehmen und eine Drehung zu vollführen, würde sich nahtlos anfügen. Ist aber leider derzeit verboten. 

2. Der Fußschlag

Illustration: FDE

Korrekte Ausführung:

Sich leicht versetzt zueinander positionieren, den rechten Fuß ausstrecken und den des Gegenübers an den Zehenspitzen berühren. Profi-Version: auch noch mit den Fersen aneinander stoßen (birgt aber die Gefahr, sich dabei zu nahe zu kommen). 

Vorteil:

Solange man den Fersen-Kick auslässt, kann man keine Berührung mit mehr Abstand zueinander ausführen – und auch keine mit mehr Abstand zu sich selbst. Denn nichts ist an unserem Körper weiter entfernt von den Vireneinfallstoren Nase, Mund und Augen als unsere Füße.

Nachteil:

Erfordert Balance und kann darum zu Umfall-Unfällen führen. Oder auch zu Verwirrung, weil die Beteiligten oft nicht wissen: Zehenspitzen aneinander oder doch die Fußaußen oder -innenseiten? Ist ja alles noch so neu. Fußballer neigen zur letzten Variante – sind aber vermutlich auch diejenigen, die manchmal etwas zu unsensibel kicken. Die haben ja schon früher im Sportunterricht immer übertrieben! Wenn so jemand auf eine eher zarte und zurückhaltende Person trifft, kann das unangenehm werden: Beton- gegen Schlackerfuß fühlt sich dann so an wie früher mal zu fester Handschlag an zu weicher Hand. 

Eleganz-Faktor:

2 von 5. Sieht leider immer aus wie Slapstick. Und keine*r schafft’s, ohne dabei albern zu kichern.

3. Das Winken

Illustration: FDE

Korrekte Ausführung:

Arm anwinkeln, Hand hin und her bewegen. Wer sich enthusiastisch geben will, kann auch den ganzen Unterarm in Schwingung versetzen.

Vorteil:

Ist längst ein etablierter Gruß, von der Queen bis zum Kleinkind. 

Nachteil:

Fühlt sich, wenn man sich direkt gegenübersteht, trotzdem ein bisschen seltsam an. So, als hätte man immer noch einen Bildschirm zwischen sich, über den man sich die vergangenen Monate ab und zu gesehen und dann eben freundlich in die Kamera gewunken hat. Das Winken zur persönlichen Begrüßung macht darum die neue Praxis der physischen Distanz besonders deutlich. 

Eleganz-Faktor:

3 von 5. In der Queen-Variante hat es vielleicht noch eine gewisse Grazie, ansonsten wirkt es eher infantil bis hektisch. 

4. Die Verneigung

Illustration: FDE

Korrekte Ausführung:

Einander gegenüberstehen und sich mit möglichst geradem Rücken nach vorne neigen. 

Vorteil:

Ist andernorts eine traditionelle Begrüßungsgeste und dadurch eine sehr seriöse Variante. Zudem kann man sich bei Japaner*innen abschauen, wie es richtig geht: Wie tief verneige ich mich, was mache ich mit meinen Händen und in welchen Situationen muss ich mich tiefer verneigen als mein Gegenüber?

Nachteil:

Ein bisschen Übung erfordert es wohl doch: Wer den Abstand falsch einschätzt und/oder sich zu tief verneigt, riskiert Berührungen. Oder gar eine Beule.

Eleganz-Faktor:

5 von 5. Die Kombination aus würdevoller Geste und respektvoller Distanz ist unschlagbar.

5. Die verlegene Salzsäule

Illustration: FDE

Korrekte Ausführung:

Gibt es eigentlich nicht, weil es eben bloß eine Verlegenheitsgeste ist: Erst hat man sich noch gefreut, sich zu sehen, und dann steht man da und weiß nicht, was jetzt gilt. Was haben wir vor der Pandemie nochmal zur Begrüßung gemacht? Sind wir jetzt eher Ellenbogen-Bump-Freund*innen oder Wink-Bekannte? Kennt der*die andere den Fußschlag überhaupt? Fühlt er*sie sich vielleicht überrumpelt oder beleidigt, wenn ich ihm*ihr jetzt mein Bein entgegen strecke? Und dann verzieht man halt hiflos das Gesicht zu einem schiefen Grinsen, klemmt die Arme am Körper fest, greift die eigenen Hände, weil man keine andere Hand greifen kann, und sagt: „Tja, ähm, haha, hallo, man darf ja jetzt nicht mehr…“

Vorteil:

Eine Begrüßungsgeste ist das zwar nicht, aber falsch ist es irgendwie auch nicht. Knigge wird es uns verzeihen, wir lernen ja alle noch.

Nachteil:

Unangenehme Begrüßungssituationen belasten immer die nachfolgenden Minuten. Schade.

Eleganz-Faktor:

1 von 5. Elegant ist’s nie, aber manchmal ein bisschen süß, dafür gibt es einen Trost-Punkt.

6. Die erzwungene Umarmung

Illustration: FDE

Korrekte Ausführung:

Gibt es auch hier nicht, denn eine erzwungene Umarmung ist niemals korrekt (war sie übrigens auch schon vor Corona nicht)! Trotzdem kommt sie derzeit gar nicht mal so selten vor: Zwei Menschen stehen sich gegenüber, breiten automatisch die Arme aus, der eine zieht dann aber zurück, stimmt ja, da war doch was … Aber der andere schert sich nicht drum, sagt „Ach komm, ich hab doch kein Corona!“ und drückt den anderen beherzt an sich.

Vorteil:

Körperliche Nähe.

Nachteil:

Körperliche Nähe.

Eleganz-Faktor:

0 von 5.

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