Wie ihr euch zu Hause die Haare schneidet ...

... und wie besser nicht. Friseurin Cinja klärt auf.
Interview von Magdalena Pulz

Cinja in ihrem eigenen Friseursalon.

Foto: Marie Buschhausen

Eine der vielen Einschränkungen, die die Bewohner*innen Deutschlands gerade hinnehmen müssen, ist, dass seit spätestens Montag alle Friseursalons geschlossen bleiben. Oh Schreck – und was wird jetzt aus unseren schicken Friesen? Müssen wir jetzt alle wie Robinson Crusoe zwischen Kühlschrank und Bett verwildern? Die 28-jährige Friseurin Cinja Csulits schneidet und färbt seit neun Jahren Haare und betreibt seit einem Jahr ihren eigenen Friseursalon in Düsseldorf: „A good Hair Day“. Mit jetzt spricht sie darüber, wie man sich eine gute Glatze rasiert, seine Haare in der Isolation richtig pflegt und gerade jetzt seiner*m Friseur*in einen großen Gefallen erweisen kann. 

Jetzt: Mal ehrlich, sich selber die Haare schneiden – das kann doch so schwer nicht sein?

Cinja Csulits: Oh doch! Sogar ich als Profi würde das nie bei mir selbst machen. Das kann nur schiefgehen, man sieht den eigenen Kopf einfach nicht gut genug. Und es ist auch gar nicht nötig. Sagen wir, es gibt eine vierwöchige Ausgangssperre: In der Zeit wachsen Haare im Schnitt einen Zentimeter.

Wenn es nun aber sein muss! Nimmt man besser eine Nagelschere oder eine Papierschere her?

Oh, das ist beides so schlecht… Friseur*innen haben ja extra Scheren, die sehr scharf sind, damit die Haare unten nicht ausfransen und nicht so schnell Spliss bekommen. Aber wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, dann würde ich zur Papierschere tendieren. 

Wenn jemand zu Hause seinem oder ihrem Isolationsbuddy mit dem neuen Haarschnitt helfen will: Was sind deine Tipps für Anfänger*innen?

Wenn man sich an einem Herrenschnitt ausprobiert, rate ich dazu, erst einmal nur rund um die Ohren und am Nacken vorsichtig nachzuschneiden. Am Nacken muss man darauf achten, die Haare erst mit einem Kamm sorgfältig nach unten zu kämmen. Das lässt alles schon viel ordentlicher aussehen. Mehr würde ich nicht machen, weil Herrenhaarschnitte so schwierig sind – da fällt einfach jeder Zentimeter auf. Bei Frauen: Hauptsache es ist nicht kürzer, als die Frau es gerne hätte. In diesem Fall können auch wir Friseur*innen danach nicht mehr viel retten.

Aber wenn nichts mehr hilft, man sich schon krumm und schief verschnitten hat: einfach direkt Glatze, oder? Quarantäne ist ja auch nicht der schlechteste Moment, um eine mutige Frisur auszuprobieren!

Das muss wirklich jeder für sich selber entscheiden! Aber wenn man sich eine Glatze schneidet, sollte man sorgfältig arbeiten: Öfter drüber rasieren und dann im Licht noch einmal nachsehen, dass man nichts übersehen hat. 

Was für Frisur-Katastrophen erwartest du denn nach dem Ende des Kontaktverbots in deinem Laden?

Mein Laden ist vor allem fürs Färben bekannt: Deswegen habe ich den Verdacht, dass viele gelbe Köpfe bei uns sitzen werden.

Gelbe Köpfe?

Naja, Menschen eben, die versucht haben, sich selbst zu blondieren. Das ist einfach super gefährlich, nicht nur wegen der giftigen Chemie, die für die Kopfhaut sehr schlecht sein kann. Die Leute haben kein Gefühl dafür, wie hell oder dunkel ihr natürliches Haar ist und wie das die Ziehzeit der Bleichung beeinflusst. Da kommen oft super unnatürliche Farben raus. 

Bei Männern machen wenige Zentimeter mehr schon ganz andere Looks möglich

Eigentlich heißt es doch immer, dass die blödeste Idee, die man diesbezüglich haben kann, ist, sich selbst den Pony zu schneiden …

Das ist natürlich ein Klassiker. Wenn man meint, das absolut unbedingt ausprobieren zu müssen – wozu ich wirklich nicht rate – dann sollte man es auf keinen Fall mit nassen Haaren machen. Der Pony tendiert dann dazu ein Eigenleben zu bekommen, und in die Luft zu stehen. Aber wie gesagt: Hände weg von den Experimenten. Eigentlich könnte man die Zeit viel besser für Pflege nutzen.

Ah, Isolations-Haarpflege! Zu was rätst du denn da?

Haarmasken, Pflegen und so weiter. Und die, die es wirklich ernst meinen, könnten auch aufhören, sich in der Zeit die Haare zu waschen. Es gibt Experimente, die zum Ergebnis kommen: Wenn man seine Haare sechs Wochen nicht wäscht, bekommt man mehr Haarwuchs. Also nicht in der Länge, sondern es wachsen einem tatsächlich mehr Haare. Und wenn man etwas Neues ausprobieren will, kann man ja auch ein neues Styling probieren: Ob Wuschel-Look oder nach hinten gegelt, gerade bei Männern machen wenige Zentimeter mehr schon ganz andere Looks möglich.

Ihr Friseur*innen seid jetzt auch im „Home-Office“ – welche Art von Kund*innen werden dir am meisten fehlen?

Jeder hat ja so seine Lieblingskund*innen! Aber noch viel mehr wird mir die Arbeit an sich fehlen, wir reden ja teilweise neun Stunden am Stück, es ist ein sehr sozialer Beruf. Und die Bewegung – das ist den meisten Menschen nicht bewusst, dass wir den ganzen Tag auf den Beinen sind und herumlaufen.

 

Wie schätzt du denn die finanzielle Situation der Friseursalons ein, machst du dir Sorgen? 

Mein Salon kann die vier Wochen vermutlich überstehen. Aber klar mache ich mir Gedanken: Was, wenn es länger dauert? Ich will ja auch meine beiden Angestellten bezahlen können. Dabei ist es beruhigend, wenn man weiß, dass es allen so geht. Auch andere Friseur*innen, zu denen ich Kontakt habe, sind jetzt noch vorsichtig optimistisch. Gleichzeitig verunsichert es mich natürlich, dass wir nicht wissen, wie es weitergeht. 

Und wie kann man euch unterstützen?

Ruft eure Lieblingsfriseur*innen an, und macht jetzt schon einmal Termine aus – und kauft Gutscheine. Das hilft uns nicht nur für die finanzielle Planung –  sondern gibt uns ein generelles Gefühl von Sicherheit.

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