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Warum vergeht die Zeit so schnell?

Der Zeitforscher Marc Wittmann erklärt, warum ein Jahr oft so schnell vorbei ist – und wie man verhindern kann, dass 2018 auch wieder vorbeirast.
Interview von Charlotte Bastam
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    Foto: degimages/photocase.de; Illustration: Katharina Bitzl

Schon wieder ein Jahr vorbei. So schnell ging das doch wirklich noch nie? Denken wir zumindest, auch wenn 2017 alle seine 365 Tage hatte. Wieso wir dennoch das Gefühl haben, dass die Zeit immer schneller vergeht, erklärte uns der Zeitforscher und Psychologe Marc Wittmann – und gibt Tipps, was dagegen hilft.

 

jetzt: Sie erforschen das subjektive Zeitempfinden. Ich zum Beispiel habe das Gefühl, 2017 ging wieder besonders schnell rum. Woran liegt das?

Dr. Marc Wittmann: Es ist die Art und Weise, wie wir an Sachen herangehen: Während wir gerade telefonieren, denken Sie vielleicht schon daran, welchen Termin Sie als nächstes haben und ich, dass ich später noch einkaufen muss. Wir sind also in Gedanken schon in der Zukunft. Ständig befinden wir uns im Autopilot und so bleibt durch die Menge an Aktivitäten nicht viel im Gedächtnis hängen. Im Nachhinein stiehlt genau das unser Zeitempfinden und die Zeit vergeht subjektiv schneller.

  • marc wittmann
    Foto: privat

Als Kind war das nicht so. Warum habe ich das Gefühl, dass die Zeit immer schneller verfliegt, je älter ich werde?

Als Kind und Jugendlicher kommt uns die Zeit ewig vor und wir nehmen alles viel bewusster und intensiver wahr. Das hängt vor allem damit zusammen, dass wir vieles zum ersten Mal erleben: das erste Bier, der erste Kuss oder der erste Urlaub ohne die Eltern.  Wenn wir all diese Dinge schon tausend Mal gemacht haben, verfällt man auch schneller in Routinen. Nicht die Aktivitäten an sich sind die Zeitkiller, sondern ihre Wiederholung, die Unachtsamkeit bewirkt. 

Haben Sie ein paar Tipps für mich, wie 2018 gefühlt langsamer vergehen könnte?

Im Großen und Ganzen gilt: Offen sein für neue Erfahrungen. Immer mal wieder die eigenen Gewohnheiten wechseln und aus der eigenen Routine ausbrechen. Das können kleine Dinge sein wie die Zeitung am Sonntagmorgen mal durch die Laufschuhe einzutauschen. Das gibt mir einen Aufmerksamkeitsschub, sodass ich Momente wieder intensiver erlebe. Am Ende kommt mir die vergangene Zeit dann erheblich länger vor. Das ist der Urlaubseffekt: Man kommt an einen neuen Ort, erkundet eine neue Umgebung, isst andere Dinge, spricht vielleicht auch eine andere Sprache – und an den ersten Tagen dehnt sich dadurch die Zeit.

 

„Die negativen Zeitkiller stammen aus dem stressigen Berufsalltag“

Für viele Menschen besteht das Leben aber hauptsächlich aus Routine und nicht jeder kann dauernd ausbrechen.

Routine ist nicht nur schlecht. Es gibt auch sehr angenehme Routinen, die einen hohen Erholungswert haben und die man deshalb beibehalten sollte. Wenn ich sonntags zum Beispiel gerne mit einer Tasse Kaffee auf der Couch liege: Auch hier vergeht die Zeit zwar schnell, weil ich das immer so mache, aber sie vergeht angenehm. Die negativen Zeitkiller stammen eher aus dem stressigen Berufsalltag.

 

Kann ich dagegen etwas tun?

Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder erinnern, worin der Sinn unseres derzeitigen Tuns liegt. Gerade, wenn es sich um eher langweilige und wenig abwechslungsreiche Tätigkeiten handelt, sollte man sich öfters fragen: Wofür tue ich das? Mache ich das gerade, um mich oder meine Familie zu ernähren? Will ich meine Ausbildung fertig machen? Wenn uns kein guter Grund mehr einfällt, wäre es vielleicht Zeit, etwas daran zu ändern.

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