Philip will mit „Saatgutkonfetti“ die Welt verbessern

Das ist nicht nur bunt, sondern auch grün.
Interview von Magdalena Pulz

Portrait: Nicolas Wefers Hintergrund: Hannah Hartmann Bearbeitung: jetzt

„Saatgutkonfetti“ ist genau, was der Name verspricht. Nämlich Konfetti, das gleichzeitig auch Saatgut ist, kurz: Pflanzensamen. Damit möchte der Produktdesigner Philip Weyer, 29, der das Produkt mit seiner Kommilitonin Hannah Hartmann entworfen hat, für mehr nachhaltigen Spaß sorgen, die Biodiversität unterstützen und etwas gegen das Insektensterben tun. Außerdem zersetzt sich das „Saatgutkonfetti“ viel schneller als das klassische, ist also kompostierbar. Der Grundstoff der bunten Minifetzen ist Stärke und nicht Papier oder Plastik. 

Das Konfetti kommt an, das merkt man auch daran, wie gut die aktuelle Crowdfunding-Kampagne der Freunde läuft: Bis zum 29. Mai kann man noch spenden, das erste Ziel von 5000 Euro wurde nach wenigen Tagen erreicht, ein weiteres Ziel von 15 000 Euro ist inzwischen auch geknackt. Mit dem Geld wollen die Entwickler nicht nur „Saatgutkonfetti“ auf Demonstrationen und in Parks verschenken, sondern auch ihre  Konfetti-Werkstatt erweitern. Jetzt hat mit Philip über seine Pläne gesprochen.

jetzt: Du schmeißt also gerne mit Samen? 

Philip Weyer: Ich hatte früher so einen kleinen Konflikt mit der Stadtreinigung, weil ich immer Saatgut in Büsche und auf Grünflächen geworfen habe – und die dann alles wieder rausgerissen hat. Das habe ich als Kampfansage verstanden. Jetzt will ich möglichst viele Leute dazu motivieren, wilde Samen auszustreuen. Wenn es seitens der Stadt wirklich sein muss, Wildwuchs wie bekloppt zu bekämpfen, muss die Entfernung möglichst aufwendig sein.

Saatgutkonfetti

 

Das Projekt ist inzwischen groß geworden. Wie kam es dazu?

Hannah und ich studieren beide Produktdesign. Das Insektensterben geht uns nahe. Die Entwicklung vom „Saatgutkonfetti“ ging als Wochenendprojekt los, dann haben wir ein Uniprojekt daraus gemacht und ein paar Preise eingeheimst – aber wir waren von der Nachfrage total überrumpelt. Jetzt haben wir eine Firma gegründet und konzentrieren uns auf diese Crowdfunding-Sache. 

Und warum ausgerechnet Konfetti?

Konfettiwerfen ist so eine schöne Geste! Das bietet einen ganz anderen Gesprächseinstieg in die Themen Artensterben und damit auch Klimawandel. Zum Beispiel gibt es Schmetterlinge, die ganz bestimmte Pflanzen für ihre Eiablage brauchen. Die legen ihre Eier unter die Blätter einer einzigen Pflanze. Für solche Insekten ist es natürlich blöd, wenn viel gemäht wird. Unsere Mischung beinhaltet deswegen 26 verschiedene Pflanzensorten, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen, um möglichst vielen Arten helfen zu können.

Überall Samen hinzuwerfen – das ist doch nicht nur gut? Da können doch Straßen durch das Grünzeug aufplatzen und Menschen deswegen Unfälle bauen. 

Wir benutzen eigentlich keine Samen, die eine so hohe Sprengkraft haben. Unsere Pflanzenmischung besteht aus vielen Gräsern und Kräutern. Es geht nicht ums Hübsch-Aussehen, sondern das Ganze soll möglichst vielen Arten nützen. Man muss es so sehen: Wenn wir schon nur noch wenige Grünflächen haben, sollten die, die wir haben, zumindest diverser sein. Und man kann ja auch in einer Wildwiese schön liegen.

Wenn man euer Konfetti beim Karnevalszug oder einem Festival wirft und anschließend alle drauf rumtrampeln – kann da echt was wachsen?

Ja! Zum einen haben wir Lichtkeimer, das heißt, die Samen müssen nicht verbuddelt werden. Auf Festivals, wenn die Wiese ohnehin plattgetrampelt wird, sieht man ja auch die Grasnarbe – und dann haben es neue Pflanzen viel einfacher einen Platz zum Keimen zu finden. Zum anderen, selbst wenn nicht gleich etwas wächst, wird das Konfetti innerhalb weniger Tage kompostiert – und die Samen geraten durch den Regen in den Wasserkreislauf und es passiert nichts.

Aber die Welt werdet ihr damit nicht verändern, das „Saatgutkonfetti“ ist schon ein bisschen Symbolpolitik oder?

Es kann ja beides sein, oder? Die Botschaft macht das Projekt stärker, auf jeden Fall. Es geht darum, die Klimakrise mit etwas Positivem zu verbinden. Die Chance zu sehen, der Umwelt etwas Gutes zu tun. Aber man sollte auch nicht die Nachfrage nach dem Produkt unterschätzen. Hochzeiten, Festivals, Musiker, Outdoor-Veranstaltungen, große Unternehmen: Alle haben Interesse.