Welche neuen Hobbys die Pandemie mit sich bringt

In „Corontäne“ probieren wir auch Dinge aus, die wir früher langweilig oder spießig gefunden hätten. Eine Sammlung.
Aus der jetzt-Redaktion
corona hobbies

Ob Malen, Fahrradfahren, Sticken oder Puzzeln: Zu Zeiten der Pandemie finden viele neue Hobbys.

Foto: privat; Bearbeitung: jetzt

Vor der Corona-Krise waren die meisten jungen Menschen für Hobbys unterwegs, auch die jetzt-Redaktion und ihre Freund*innen: Wir trafen uns regelmäßig mit anderen, gingen gerne essen oder auch mal tanzen im Club, machten Sport am liebsten im Fitnessstudio oder den Kletterhallen des Landes. Jetzt, da wir in den vergangenen Woche aufgrund der Ansteckungsgefahr die meisten Zeit zu Hause verbrachten und verbringen, geht all das nicht mehr. Wir mussten uns daher neue Beschäftigungen suchen. Und die machen oft genauso Spaß wie die Prä-Corona-Hobbys – obwohl wir sie früher vermutlich als langweilig oder spießig eingestuft hätten:

Philipp hat während der Zeit daheim das Puzzeln für sich entdeckt:

corona hobbies puzzle

Foto: privat

„Puzzeln war eigentlich nie etwas, das mich besonders interessiert hat, auch als Kind habe ich nicht besonders viel gepuzzelt. Doch dann hat eine Freundin erzählt, dass sie und ihr Freund während der Zeit daheim ihre Abende damit verbringen, Puzzles zusammenzufügen. Sie hat dann spontan eines dieser Puzzles bei mir aufs Fensterbrett gelegt. 1000 Teile, die dann die Burg Hohenzollern ergeben – klingt erst mal nicht so sexy, hat mich dann aber irgendwie doch gepackt. Den ersten Abend saß ich bis drei Uhr nachts im Wohnzimmer und habe gepuzzelt, während meine Freundin auf dem Sofa geschlafen hat. Ich wollte das so schnell wie möglich fertig kriegen – und am Anfang kamen die Erfolge auch noch schnell. Dann wurde es mühsamer, trotzdem habe ich mich jeden Abend hingesetzt und weiter gemacht. Es ist einfach unheimlich befriedigend, endlich ein Teil einzufügen, von dem man schon ganz sicher war, dass es gar nicht existiert, weil man es einfach nicht findet. Jetzt ist das Puzzle fertig und liegt auf dem Wohnzimmertisch. Und ich glaube, es wird nicht das letzte sein, das ich zusammenfüge.“

Valérie hat angefangen zu sticken:

corona hobbies strichen

Foto: privat

„Ich habe auf der Suche nach Nähzeug (übrigens auch ein neues Hobby: all die Dinge reparieren, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt haben) ein altes Stick-Set gefunden. Vor Ewigkeiten – ich glaube das war in der Grundschule – hatte ich schon mal gestickt und hatte plötzlich große Lust, das nochmal auszuprobieren. Nicht, weil ich mit dem Ergebnis irgendetwas anfangen könnte, denn das Motiv ist sehr altmodisch und nicht besonders schön. Sondern weil Sticken einfach wahnsinnig entspannt. Es ist ein bisschen wie Malen nach Zahlen: Man hat eine genaue Anleitung, welches Feld in welcher Farbe gestickt wird und muss dieser einfach nur sehr genau folgen. Das Ganze ist nicht nach ein, zwei Netflix-Abenden erledigt, sondern es dauert ewig, bis man auch nur irgendwas erkennen kann. Manche würden deshalb vermutlich nach einer Weile aufgeben, aber gerade das reizt mich daran.“

Jana züchtet Sauerteig: 

corona hobby teig

Foto: privat

„Mein neues, sehr nerdiges Hobby ist: Sauerteig züchten. Das ist aus der Not geboren: Mein Freund und ich lieben Sauerteig-Pizza. Aber hier in Neukölln haben alle Pizzerien, in denen man gute bekommt, geschlossen oder sind total überlastet. Deswegen habe ich beschlossen, sie nun selbst herzustellen und dafür eben auch den Sauerteig zu züchten. Dafür musste ich mich erst richtig einlesen, denn das ist echt eine Kunst für sich. Ich muss meinen Sauerteig füttern und ich habe ihm auch einen Namen gegeben, um eine Bindung aufzubauen. Er heißt Bernd – wie Bernd das Brot. Ich investiere mehrere Stunden die Woche in den Teig, lese viele Rezepte und backe natürlich viel, auch Brot. Jetzt mache ich meine zweite Sauerteig-Pizza und ich bin noch nicht so zufrieden mit dem Teig. Das spornt mich aber auch an – ich will mich verbessern.“ 

Franzi tanzt wieder:

corona hobbies tanzen

Foto: privat

„Es begann mit ein paar Freestyle-Tanzpausen für die gute Laune in der WG-Isolation. Jedes Mal, wenn bedrückende Gefühle wieder stärker zu werden drohten, habe ich meine Musikbox angeschmissen und versucht, mir alles vom Leib zu shaken. Mein Repertoire an Moves hat sich nur leider recht schnell erschöpft. Deshalb habe ich angefangen, mit Youtube-Videos richtige Choreografien zu lernen. Als Kind habe ich Ballett, als Jugendliche Jazz Dance und Hip Hop getanzt, mich dann aber verletzt und aufgehört. Seitdem gab es zwar mehrere Versuche, das alte Hobby wieder aufzunehmen. Aber auf Dauer konnte ich mich einfach nie motivieren, in stickigen Studios zwischen all den anmutigen Tänzer*innen herumzustolpern. So ist das nämlich am Anfang, wenn man außer Übung ist. In meinem Zimmer daheim stolpert es sich definitiv ungenierter – und ohne entlarvenden Riesenspiegel gefühlt auch tausendmal eleganter.“

Lara malt jetzt:

corona hobbies mahlen

Foto: privat

„Anfangs hatte ich doch etwas Angst vor dem Shutdown. Ich fürchtete, jetzt wochenlang eingesperrt zu sein, nur noch mit Passagierschein rauszudürfen und spätestens in Woche zwei einen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Als das Szenario näher kam, zog ich daher aus, um mich noch für ein neues Indoor-Hobby zu rüsten: Ich fuhr in einen Laden für Künstler*innenbedarf, kaufte Pinsel, Farben, Stifte, Papier, Leinwände. Und seitdem male ich. Ich finde das Ganze inzwischen sehr meditativ: dabei zuzusehen, wie sich die Farben unter meinem Pinsel vermischen, und wie sie dann übers Papier streichen. Aber das Hobby stellt auch Fallen: Wenn die Pinsel nicht fein genug sind zum Beispiel und Augen plötzlich Kleckse werden. Wenn man die Pinsel nicht sofort auswäscht und die Acrylfarbe kaum mehr rauszubekommen ist. Oder wenn man fahrig wird und zu schnell fertig werden will – und dadurch dann das ganze Bild ruiniert. Für dieses Hobby braucht man also Geduld, und leider auch gutes Equipment.“

Leonie beschäftigt sich mit Essbarem aus dem eigenen Garten:

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Foto: privat

„Als ich in den vergangenen Wochen teilweise die Regale im Supermarkt leer waren, machte das irgendwie etwas mit mir. Wir haben zwar keine Versorgungsengpässe in Deutschland, aber ich wurde dadurch schon angeregt, mal darüber nachzudenken, was man so verzehren kann, das man nicht im Supermarkt kaufen muss. Glücklicherweise war ich da gerade bei meinen Eltern zu Hause, die haben einen großen Garten, in dem viele Kräuter wachsen. Ich hielt also Ausschau danach, was man alles pflücken und essen kann. Typische Kräuter wie Schnittlauch oder Petersilie kennt ja jede*r, aber es gibt noch viel mehr. Ich habe zum Beispiel die Pimpinelle oder den Spitzwegerich neu entdeckt. Oder auch Löwenzahn und Gänseblümchen, die sind super für Salat. Brennnessel und Zitronenmelisse mache ich in meine Bananenmilch. Zudem ist Gärtnern in der Corona-Zeit einfach eine Ablenkung, man hat ein Projekt, um das man sich kümmern kann. In meiner eigenen Wohnung in Bonn habe ich jetzt auch viel mehr Pflanzen und Kräuter als vor der Pandemie.“

Theresa spielt Sims: 

corona hobbies sims

Foto: privat

„Ich habe früher als Jugendliche schon eine Zeit lang Sims gespielt, dann aber irgendwann damit aufgehört. Vor einigen Wochen sah ich das Spiel dann aber wieder in der Insta-Story einer Bekannten – und ich hatte plötzlich Lust darauf. Das war am Anfang der Isolation, das Wetter war nicht so gut und ich dachte: Jetzt habe ich dafür Zeit. Ich hatte wahnsinnig viel Spaß damit. Es gibt tolle neue Funktionen und man kann sehr schön auf dem Sofa oder dem Balkon sitzen, dort eine Familie erstellen, Beziehungen aufbauen, die Charaktere sind viel ausgefeilter als früher. Ohne Corona hätte ich nie die Muße dazu gehabt. Mittlerweile habe ich aber schon wieder kaum mehr Zeit für das Hobby.“ 

Patrick macht jetzt Radtouren:

corona hobbies rad

Foto: privat

„Am letzten Tag, bevor wegen Corona die Radläden geschlossen wurden, habe ich mir ein neues Fahrrad gekauft. Was für ein Glück, denn ich hatte nichts von den geplanten Schließungen mitbekommen. Normalerweise mache ich jede Menge Sport. Drei, vier Mal in der Woche gehe ich in der Halle bouldern, aber auch die Halle ist jetzt natürlich zu. Nun fahre ich eben Fahrrad, meistens durch den Thüringer Wald. Der Rhönradweg ist wunderschön. Zwölf Touren habe ich mit meiner Freundin in den vergangenen Wochen gemacht, mehr als 500 Kilometer sind wir gefahren. So viel schaffe ich normalerweise in einem Jahr. Sport ist für mich enorm wichtig im Leben, ich brauche die körperliche Anstrengung als Ausgleich und Ablenkung vom Alltag. Das neue Fahrrad gibt mir ein Stück Freiheit zurück, gerade jetzt.“

Anna versüßt sich die Zeit durchs Backen: 

corona hobby backen

Foto: privat

„Zwar habe ich schon immer gern gebacken, mit Corona ist es aber zu einem festen Bestandteil der Wochenenden geworden. Das hat wohl damit zu tun, dass es mir ein Gefühl von Zuhause-sein gibt: Wenn die ganze Wohnung nach Biskuit und Vanillecreme duftet, ist sowieso alles gut. Dazu die Lieblingsmusik in der Küche hören – perfekt. Außerdem bleibt meistens noch ein Stück übrig, worauf ich mich als zweites Frühstück in der neuen Woche freuen kann. Vor allem probiere ich jetzt viel aus, für das ich mir früher nie wirklich Zeit genommen habe – mehrschichtige Torten zum Beispiel.“ 

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