Horror-Date: Der unlustige Clown

Jeder hatte schon einmal ein Date, das total danebenging. In dieser Serie erzählen wir davon.
Protokoll von Sophie Aschenbrenner

Illustration: Daniela Rudolf

Dating-Situation: Date im Biergarten

Geschlecht und Alter des Dates: Männlich, 29 Jahre, Unternehmensberater

Horror-Stufe: 2 von 10

Ich habe Josef im Sommer auf der Grillparty einer WG in München kennengelernt. Ich war mit einer Freundin da und kannte niemanden. Irgendwann saßen Josef und ich nebeneinander. Ich fand ihn ganz nett, und als er mich nach meiner Nummer fragte, wollte ich seinen Mut belohnen und gab sie ihm. Er ist Unternehmensberater und er wirkte auf mich eigentlich ziemlich bodenständig. In den folgenden Tagen haben wir immer wieder hin und her geschrieben, bis er mich dann nach einem Date gefragt hat. Wir trafen uns gegen 19 Uhr in einem Biergarten bei mir in der Nähe. Er kam auf seinem Roller angefahren und schon da kam er mir viel schmächtiger und kleiner vor, als ich ihn in Erinnerung hatte - aber das konnte natürlich auch an der Dunkelheit und dem Wein auf der Grillparty liegen.

Es war ein sehr schöner Sommerabend und der Biergarten war sehr voll, also setzten wir uns bei einer Frau mit an den Tisch. Als die Bedienung kam und unsere Getränkebestellung aufnehmen wollte, bestellte ich ohne nachzudenken einen Wein. Josef dagegen entschied sich für ein Glas Leitungswasser, was ich - auch, wenn er noch fahren musste - nicht besonders sexy fand. Aber gut, ich wollte ihm weiterhin eine Chance geben. Als wir Essen bestellten, wurde es aber nicht besser: Ich entschied mich für einen Schweinebraten. Josef wollte nur einen Beilagensalat, weil er „auf Diät“ sei und auch insgesamt keinen Hunger habe, wie er sagte. Die Bedienung fragte noch einmal nach, ob das wirklich alles sei, aber er blieb bei seiner Entscheidung.

Wir fingen an, uns über unsere Hobbys zu unterhalten, und da er wusste, dass ich Paris sehr gerne mag, sagte er, er fahre bald in meine Lieblingsstadt. Viel werde er aber nicht von der Stadt sehen, da er in Paris eine Clownsschule besuchen wolle. Das gebe ihm endlich die Möglichkeit zum großen Auftritt.

Vielleicht bin ich zu konservativ, aber das fand ich seltsam. Erst dachte ich, er macht einen Witz. Aber er erklärte weiter, mittlerweile richtig aufgeregt, dass er in seinem Leben schon immer nach dem großen Auftritt gesucht habe und dass er hoffe, ihn dort endlich zu finden. Mittlerweile war seine Stimme so laut, dass sich auch andere Menschen zu uns umdrehten, was mir sehr unangenehm war.

Hätte er mich seit einer Stunde zum Lachen gebracht, hätte ich seine Träume sicher verstanden. Aber leider war Josef überhaupt nicht lustig. Ich konnte ihn mir beim besten Willen nicht auf einer Bühne vorstellen. Als das Essen da war, unterhielten wir uns weiter über seinen Traumberuf, wobei unterhalten das falsche Wort ist. Eigentlich monologisierte er. Still aß ich meinen Schweinebraten und trank meinen Wein, während er in seinem Salat stocherte und vor allem über sein künftiges Leben als Clown sprach. Dann erzählte er, dass er auch eine Leidenschaft für Schauspielerei habe und behauptete steif und fest, die Frau neben uns am Tisch sei eine berühmte Schauspielerin. Als er sie darauf ansprach, verneinte sie zwar, er hielt das aber genau für ein Zeichen seines Fachwissens. Sie wolle ihr Star-Dasein nur nicht zugeben und er habe den großen Star im Sendlinger Biergarten entdeckt.

Bald darauf zahlten wir - natürlich getrennt - und ich verabschiedete mich recht distanziert. Er dagegen wirkte, als ob er den Abend sehr genossen habe und umarmte mich verkrampft länger, als ich es für nötig hielt. Dann war das Date vorbei - es hatte aber noch ein Nachspiel.

Josef schrieb mir schnell, ob wir uns noch einmal treffen wollen und ich antwortete ihm ehrlich, dass es bei mir einfach nicht gefunkt hatte. Daraufhin kam ein sehr, sehr langer Text, in dem er mich fragte, was denn falsch gelaufen sei. Er habe eine „sehr schöne Dynamik“ empfunden. Außerdem wollte er gerne ein Feedback zum Date haben. Ich habe darauf nichts mehr geantwortet. Er schrieb ein paar Tage später noch einmal, ich ließ die Reaktion bleiben. Dann schien er es verstanden zu haben - dachte ich.

Bis er mir Monate später kommentarlos eine Einladung zu seinem 30. Geburtstag schickte. Ich bin nicht hingegangen.

Die Betroffene möchte anonym bleiben. Ihr Name ist der Redaktion aber bekannt

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