Horror-Date: Mit dem Lügner im Katzencafé

Katzenhaare überall am nassgeschwitzten Körper – diese Erinnerung prägt dieses Date.
Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

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Manche Dates sind schlimmer als andere, in dieser Serie erzählen wir davon. Die folgende Geschichte hat unsere Autorin Gracia Ndona nach einem Interview mit einer Bekannten protokolliert, die hier lieber anonym bleiben möchte. 

Date-Situation: Hundeliebhaberin im Katzenrestaurant

Geschlecht und Alter des Dates: männlich, 24 Jahre alt 

Vibes des Dates: Mischung aus hinterlistigen Katzen und ebenso hinterlistigem Dude

Horrorstufe: Gefühlt 1000/10; Objektiv 7/10    

Wisst ihr, wie die Welt aussehen würde, wenn Katzen Daumen an ihren Pfoten hätten? Richtig! Sie würden die Weltherrschaft an sich reißen, wie die Netflixserie „Love, Death & Robots“ deutlich macht. In dieser post-apokalyptischen Welt erklärt eine sprechende Katze, dass die mittlerweile ausgestorbenen Menschen nur aus praktischen Gründen wichtig für die Tiere waren. Die Hauskatzen wurden von ihnen nämlich gepflegt, gefüttert und gewaschen – wenn die arroganten Vierbeiner das zulassen. „Wieso hatten die Menschen überhaupt Kontakt zu diesen haarigen Mördermaschinen?!“, will ein Protagonist in der Serie wissen. Diese Frage stellte ich mir auch, als ich an einem heißen Sonntagvormittag auf einem Date in einem Restaurant war, bei dem das Einzige, das an mir klebte, Katzenhaare waren – und bei dem mein Gegenüber lieber mit den Katzen schmuste als mit mir.    

Dabei ging alles so gut los: Ich lernte mein Date – ich nenne ihn Elias – an einem Freitagabend beim Feiern in Wien kennen. Schon von weitem war mir der 1,80 Meter große, dunkelhaarige Typ aufgefallen. Er kam auf mich zu und sprach mich mit seinem – meiner Meinung nach sehr sexy – Tiroler Akzent an. Ich war hin und weg. „Dieser Typ ist einfach nur hot“, dachte ich mir. Er sagte, er studiere Medizin, und dass er aus Tunesien komme. Wir küssten uns. Anschließend tauschten wir Nummern aus.    

Die erste Whatsapp-Nachricht bekam ich einen Tag später: „Wollen wir uns am Sonntag treffen?“. Natürlich wollte ich. Ich antwortete ihm. „Und bist du eher der Hunde- oder Katzentyp?“, fragte er dann. Keine ungewöhnliche Frage für jemanden, den ich als Boyfriend-Material einstufte. Leider bin ich absolut kein Katzen-Fan. Ich antwortete trocken: „Hund.“ „Aber Katzen sind doch auch süß, oder?“, schrieb er. „Naja, Katzen sind nicht so mein Ding“, antwortete ich und fügte mit einem Zwinkern hinzu, dass ich allergisch auf die Tiere reagiere. Er sagte mir danach nur, dass wir uns auf dem Stephansplatz treffen sollten. Ich stimmte zu.    

Ich spürte, wie mein Hals von der heißen Luft und den Katzenhaaren austrocknete

Beim Treffen am Sonntagvormittag hatte es über 30 Grad. Ich trug ein Sommerkleid und meine Oberschenkel klebten vor lauter Schweiß zusammen. Das Wetter war aber auch das Einzige, das an diesem Date „hot“ war. Als ich Elias sah, fand ich meinen Aufriss nämlich nicht mehr so ansprechend wie in der Nacht, in der wir uns das erste Mal begegnet waren. Auch der Vibe zwischen uns war beim Date nicht mehr so prickelnd. Trotzdem gingen wir spazieren. Ich dachte, wir würden auf ein Eis gehen und uns in den Schatten setzen. Doch so kam es nicht.    

Auf einmal sagte er mir, dass wir jetzt da wären. „Wo?“, fragte ich. Wir standen vor einer Glastüre, auf der Umrisse von Hauskatzen zu sehen waren, und an der das Foto einer grau-weiß gestreiften Katze hing, die unbeeindruckt in die Kamera schaute. Logisch, diese Tiere sind einfach nie zufrieden. Ich spürte förmlich die Katzenhaare in meinem Hals und schaute Elias verdutzt an. Von allen Restaurants hatte er sich ausgerechnet ein Katzencafé für unser erstes Date ausgesucht. Warum? Eine Bar, in der überall haarige Mördermaschinen frei herumlaufen, sich auf die Tische der konsumierenden (!) Menschen setzen und gestreichelt werden können. Ich war entsetzt, schaffte es aber nicht, etwas zu sagen. Also gingen wir in das Café.    

Ganze zehn Katzen liefen während des Dates frei in diesem kleinen Raum herum. Außer Elias und mir war nur ein Kellner anwesend, der Raum erinnerte mich an einen Stall auf einem Bauernhof. Zwischen den faden Holzsesseln und -tischen im Café standen zerkratze Katzenbäume und Katzenfutter. Sogar der Kaffeeschaum wurde in Form einer Katze „dekoriert“. Ein alter, lauter Ventilator stand in einer Ecke des Restaurants. Ich hoffte auf einen frischen Wind, doch das Gerät verteilte nur die losen Katzenhaare im Raum. Komplett verschwitzt klebte ich also an der ungemütlichen, hölzernen Sitzbank, während mir der „Kühler“ Langhaar ins Gesicht und auf meinen nassen Körper schleuderte. Ich spürte, wie mein Hals von der heißen Luft und den Katzenhaaren austrocknete. Elias aber hatte Spaß. Er bestellte sich einen Kaffee mit Milch und zündete sich dann auch noch eine Zigarette an. Es ekelte mich alles an. Aber auch das sollte es noch nicht gewesen sein.    

Im Laufe des Gesprächs fragte ich Elias, wann er denn mit seinem Medizinstudium fertig werden würde. Dieser antwortete, dass er gar kein Student war, sondern gerade eine Ausbildung zum Sanitäter machte. Auch, dass ein Teil seiner Familie aus Tunesien war, war gelogen. Spätestens in diesem Moment verlor Elias jeglichen Traummann- und Boyfriend-Material-Status. Nichts gegen Sanitäter – aber rumlügen ist einfach unsexy.

Elias bestellte noch irgendetwas Süßes und kuschelte zwischendurch mit den Katzen, während ich an meinem kalten Wasserglas nippte, angewidert die Katzen um mich herum beobachtete und überlegte, wie ich dieses Date möglichst schnell verlassen könnte. Obwohl er ein Katzentyp war, wollte ich nicht unhöflich sein und ihn einfach sitzen lassen. Was soll ich sagen – Hundetypen sind nun einmal die besseren Menschen. Nach 30 Minuten verließen wir endlich das Katzencafé. Danach wollte Elias noch spazieren gehen, doch ich hatte genug und verabschiedete mich. Die Moral von der Geschicht: Datet Katzentypen lieber nicht!

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