Horror-Date: Als Nichtschwimmerin am Badesee

Das Date unserer Autorin wollte unbedingt schwimmen gehen – auch als er erfuhr, dass sie sich dabei nicht sicher fühlt.
Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

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Manche Dates sind schlimmer als andere. In dieser Folge der Serie wird aus einem Traum beim Schwimm-Date ein Albtraum.

Date-Situation: Schwimmen als Nichtschwimmerin

Geschlecht und Alter des Dates: männlich, 23

Vibes des Dates: Zu tiefes Wasser

Horrorstufe: 8/10

Es gibt Dinge, die vermeintlich jede:r kann. Zumindest, sobald man ein gewisses Alter erreicht hat. Kochen gehört dazu, Radfahren auch. Und: Schwimmen. Dabei kann das gar nicht jede:r. Ich zum Beispiel kann es nämlich nicht, zumindest nicht gut. Und musste auf die harte Tour lernen, wie furchtbar es sein kann, als 25-jährige Nichtschwimmerin für das erste Date an einen See zu fahren. Dabei hatte alles gut begonnen.

Als ich Jonas (Name geändert) an einem Donnerstagnachmittag im Hochsommer das erste Mal sah, stand ich an meinem Fenster. Mit einem Bein gegen die Wand gestützt, lehnte Jonas lässig am Haus gegenüber, während er sich in filmreifer James-Dean-Manier eine Zigarette anzündete. Seine langen Haare hatte er zu einem Man Bun zusammengebunden. Zur kurzen Cargohose trug er ein weißes T-Shirt. Als sich unsere Blicke trafen, wussten wir beide, dass wir uns gegenseitig attraktiv fanden. Ich schrieb ihm meine Telefonnummer auf einen Zettel und warf ihn zu ihm hinunter. Keine zwei Stunden später machten wir ein Date aus – am See.

Die Sache ist die: Erst mit 19 habe ich schwimmen gelernt. Und auch jetzt, Jahre später, schwimme ich noch immer nicht besonders gut. Jonas habe ich davon (leider) nichts erzählt – Ich ging aber auch nicht davon aus, dass ich unbedingt ins Wasser müsste. Also ging ich mit Bikini und Handtuch zum Date, mit dem Vorsatz, dort ein bisschen in der Sonne zu liegen.

„Komm! Wir gehen Schwimmen!“, sagte Jonas und packte mich an der Hand

Beim Bad angekommen, lagen wir an einem schattigen Platz in der Nähe des Sees und unterhielten uns. Zwischendurch fragte Jonas mich immer wieder, ob wir nicht ins Wasser gehen wollen. „Ich möchte dich vorher besser kennen lernen“, versuchte ich den Moment hinauszuzögern. Dass ich faktisch Nichtschwimmerin war, hatte ich noch immer nicht erwähnt. Denn wir verstanden uns gut und küssten uns sogar. Ich fühlte mich wohl bei ihm. Trotzdem schaffte ich es nicht, ihm zu sagen, dass ich nicht gut schwimmen konnte. Zwischen den Fragen „Hast du Geschwister?“ und „In welchem Bezirk wohnst du eigentlich?“ fand ich einfach nicht den richtigen Moment.

Dann war es so weit. „Komm! Wir gehen Schwimmen!“, sagte Jonas und packte mich an der Hand. Er zog mich schnell hinter sich her, zu dem Holzsteg, der den See in zwei Hälften teilte. Wenn es nach ihm ginge, würde ich mit nur einem Sprung mitten im See landen, an einer Stelle, an der ich nicht mehr stehen könnte. Das wäre nicht gut ausgegangen. Also sagte ich, dass ich lieber bei einer seichten Stelle ins Wasser gehen wollte. Dafür mussten wir allerdings an einigen Seebesucher:innen vorbei und uns durch ein trockenes Gebüsch kämpfen. Schon da schaute er mich irritiert an – und auf einmal fühlte ich mich bei ihm gar nicht mehr sicher.

Trotzdem gingen wir dann Schritt für Schritt ins Wasser, und endlich, nachdem das Wasser immer tiefer wurde, überwand ich mich. Ich sagte: „Ich kann nicht gut schwimmen.“ Doch Jonas lachte nur. „Ach, das wirst du schon schaffen! Schwimm mir hinterher! Wir treffen uns beim Steg.“  Er gab mir nicht das Gefühl, dass ich mich auf ihn verlassen konnte.

Doch ich schwamm los, aus reiner Unsicherheit, neben ihm her. Der Boden unter meinen Füßen war verschwunden, die Schwerelosigkeit war unheimlich. Es war nicht weit zum Steg, doch weit genug, um die Angst, zu ertrinken, in mir aufkommen zu lassen. Fast weinte ich, denn wer würde mich im schlimmsten Fall retten? Jonas? Ich fühlte mich ohnmächtig. Ich hätte ihm gerne gesagt, dass ich Angst hatte. Doch wer gibt das schon gerne zu? Also versuchte ich, mich über Wasser zu halten und mich an die richtigen Schwimmbewegungen zu erinnern. „Wenn ich ruhig bleibe, passiert mir nichts“, wiederholte ich in Gedanken. Nach drei Metern half aber auch dieses Mantra nicht mehr.

Ich hielt mich an seinem Oberkörper fest, versuchte so wenig wie möglich zuzudrücken. Jonas schien das nicht zu gefallen. Doch ich wusste, dass ich sonst vielleicht untergehen könnte, und diese Angst war größer als die Scham. Die wenigen Meter würden wir – oder er – schon schaffen, dachte ich. Trotzdem verzweifelte ich innerlich. Dabei war mir bewusst, dass ich ruhig bleiben müsse, um keine Energie zu verschwenden und uns beide nicht zu gefährden. An Land angekommen, entschuldigte ich mich dafür, vorher nichts gesagt zu haben. Jonas erklärte mir, dass ihn das nicht gestört hatte, aber dass ich „etwas schwer“ gewesen sei und er mich deswegen im Wasser nicht habe tragen wollen.

Needless to say: Für Jonas und mich endete das Märchen nicht mit einem Happy End.

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