Die unerwünschte Dritte

Auf dem Date unserer Autorin war eine Person zu viel dabei.
Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

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Manche Dates sind schlimmer als andere, in dieser Serie erzählen wir davon. Diesmal bekommen unsere Autorin und ihre Freundin unverhofft Gesellschaft. 

Dating Situation: Romantisches Date mit Gesellschaft 

Geschlecht und Alter des Dates: weiblich, 18 Jahre alt

Vibe des Dates: Nicht mehr ganz so romantisch 

Horrorstufe: 5 von 10 

Mit 17 kam ich mit meiner ersten Freundin zusammen. Lisa, die eigentlich anders heißt, und ich lebten damals beide in einem Internat und waren vorher schon einige Monate befreundet gewesen. Privatsphäre hatten Lisa und ich im Internat eher selten, ständig wuselte jemand um uns herum. Um endlich mal Zeit zu zweit verbringen zu können, planten wir also das perfekte romantische Date: Essen im spanischen Restaurant, aneinander gekuschelt Sangria trinken und wer weiß – vielleicht wäre ja danach sogar ein bisschen Knutschen im Park drin. 

Doch als ich Lisa zum Date abholte, war sie nicht allein in ihrem Zimmer. Ihre Mitbewohnerin Jule lag auf dem Bett. Als sie uns sah, richtete sie sich mit leuchtenden Augen auf und fragte: „Geht ihr weg?“ –  „Wir gehen auf ein Date.“  – „Cool, wohin gehen wir?“ Jules Frage überraschte uns so sehr, das Missverständnis passierte so schnell, dass wir zu perplex und vielleicht auch zu schüchtern waren, um sie abzuweisen. Deswegen guckten wir uns nur verlegen an und warteten brav, als sie sagte: „Gebt mir fünf Minuten.“ 

Das Restaurant war, wie erwartet, perfekt für ein romantisches Date – Lichterketten, leise Musik, kleine Tische mit Dekorationen. Zu dritt wählten wir einen der größeren Tische auf der Terrasse aus und bestellten Sangria. Hier ein kleiner Einblick, was Jules Anwesenheit ab dann aus unserem romantischen Date machte:

Lisa und ich saßen gesittet auf der einen Seite des Tischs, Jule auf der anderen – wie bei einem Bewerbungsgespräch

Unsere Vorstellung: Eng umschlungen säßen wir auf einer Bank, tränken mit zwei Strohhalmen aus dem gleichen Glas Sangria und fühlten uns endlich mal nicht so beobachtet wie im Internat. Wir würden unsere Hände unter dem Tisch die Beine hochwandern lassen, angetrieben von der romantischen Stimmung und lang aufgestauten Fantasien. 

Realität: Lisa und ich saßen gesittet auf der einen Seite des Tischs, Jule auf der anderen, wie bei einem Bewerbungsgespräch. Wir hielten ab und zu unter dem Tisch Händchen. Abgesehen davon war unser Kontakt auf amüsierte Blicke beschränkt, die wir uns immer mal wieder zuwarfen.

Vorstellung: Wir würden endlich über alles reden, was uns im Internat zu intim war, kämen einander noch näher. Wir würden uns innerhalb dieses einen Abends noch mehr ineinander verlieben und wir bekämen nichts mehr von der Welt um uns herum mit.

Realität: Jule redete ununterbrochen über die Schule und Wein und ihre aktuelle Lieblings-Vogelart. Sie schlürfte mit Genuss Apfelstücke aus ihrem Glas – Jule hatte noch nie Sangria getrunken und war fasziniert von dem Konzept. Wir schauten sehnsüchtig auf das Paar neben uns, das sich mit Apfelstückchen fütterte. 

Vorstellung: Wir würden verschmitzt lächelnd Essen vom Teller der anderen stehlen, uns in gespielter Entrüstung darüber empören und uns mit einem Kuss wieder vertragen.

Realität: Jule – die weitgehend ohne Tischmanieren auskam – schmatzte sich durch ihre Bestellung und redete dabei die ganze Zeit weiter. Der Anblick des halb-zerkauten Essens in ihrem Mund nahm dem Moment das letzte Bisschen Romantik. Unser romantisches Date fühlte sich immer mehr an wie ein Babysitting-Job.

So ging es den Großteil des Abends weiter. Wir hatten uns der Situation schon ergeben – Jule würde wohl nicht mehr merken, dass sie ein Third Wheel war – da drückte Lisa sanft meine Hand. Und Jule sagte plötzlich: „Wartet mal, war das hier eigentlich ein Date nur für euch beide?“ – „Eigentlich schon.“ Jetzt fühlte sie sich furchtbar und wir verbrachten den Rest der Zeit damit, ihr zu versichern, dass das Missverständnis doch nicht so schlimm sei und mal passieren könne. Zumindest konnte Jule ein paar gute Fotos von Lisa und mir machen – auf Instagram sah es also so aus, als hätten wir unser romantisches Date doch noch bekommen. 

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