Horror-Party: Beziehungsdrama am Hochzeitsabend

Streit statt Party – so endete die Hochzeit, um die es in diesem Text geht.
Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

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Man vergisst leicht, dass Feiern nicht immer nur spaßig ist. In dieser Serie erzählen wir deshalb von den schlimmsten Partys, auf denen wir in unserem Leben waren. Viel zu viel Alkohol, grässlich langweilige Verwandte, emotionale Tiefpunkte – es gibt ja viel, das eine Feier vermiesen kann. Falls du selbst von einer schlimmen Party erzählen willst: Schreib uns eine Mail an info@jetzt.de! 

Horrorstufe: 7 von 10

Center of Attention: verfeindete Freundinnen

Trinkverhalten: mehr Zank als Trank

Ich möchte vorab sagen, dass ich keine große Romantikerin bin. Daraus ergibt sich, dass ich mich nicht als Hochzeitsfan bezeichnen würde. An den Samstagvormittag vor mittlerweile fast zehn Jahren, an dem meine Tante ihrem Ehemann das „Ja“-Wort gab, kann ich mich kaum noch erinnern. Wohl aber an den Abend: Ich hoffte auf eine fette Hochzeitsparty und ein noch viel fetteres Buffet – und auch darauf, dass diese Nacht ein absolutes Highlight werden würde. Doch es sollte ganz anders kommen.

Die Hochzeitsgäste reisten aus allen Ecken der Welt an. Darunter waren auch Rizzo, eine Frau Ende 20, die mir aufgrund ihrer hohen Absätze im Gedächtnis blieb, und Sandy, vermutlich etwa so alt wie Rizzo. Rizzo kam in Begleitung einer Gruppe von Freundinnen, die ich mit meinen damals 17 Jahren als unglaublich selbstbewusst und cool einschätzte. 

Und obwohl Hochzeiten ein Fest der Liebe sein sollten und eigentlich das Brautpaar im Mittelpunkt des Geschehens stehen sollte, stohlen Rizzo und Sandy ihnen eiskalt die Show. Mit Liebe hatte das kaum etwas zu tun. Zum verbalen Schlagabtausch der beiden kam es gegen Ende der Feier, spät nachts. Während ich gemeinsam mit meiner Schwester auf der Tanzfläche versuchte, das Beste aus dem Fest  herauszuholen, lenkten die beiden (ehemaligen?) Freundinnen die Aufmerksamkeit auf sich, indem sie aus dem Nichts einen lauten Streit begannen. Sandy und Rizzo schrien sich gegenseitig an und versperrten einander den Ausgang aus dem Saal, so dass alle gezwungen waren, an ihren Plätzen zu bleiben. Ich gebe zu, nicht jede Beleidigung verstanden zu haben. Von den fünf Sprachen, die ich spreche, stritten sie ausgerechnet auf der, die ich am wenigsten beherrsche. Aber klar war, dass die beiden sich gegenseitig nicht gerade ewige Verbundenheit schworen.  

Als die letzte Flasche Alkohol ausgetrunken war, wollten alle nur noch gehen 

Schockiert schauten die restlichen Besucher:innen zu, auch das Brautpaar. Scheinbar hatten die beiden Frauen ein bis zwei Gläser zu viel intus. Doch da viele Gäste bereits gegangen waren, ließen sich Braut und Bräutigam durch die Szene nicht beirren. Schließlich sollte der Tag, der als schönster Tag ihres Lebens begonnen hatte, auch so enden – also Augen zu und durch. Wie lange kann so ein betrunkener Streit schon dauern? Es stellte sich heraus: eine Weile. 

Ich gebe zu, dass ich das Drama als Schaulustige zu Beginn wahnsinning unterhaltsam fand. Meine Schwester und ich tauschten wertende Blicke aus. „Wie peinlich sind die bitte? Geht’s noch?“, dachte ich mir, doch ich sagte nichts. Insgeheim genoss ich das Schauspiel ja. Außerdem hatte ich gutes Essen – es war wie Kino mit Popcorn. Doch wenig später war auf meinem Teller kein Brösel mehr übrig. Nachschub zu holen, würde bedeuten, die komplette Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Das Buffet stand schließlich neben dem versperrten Eingang. So harrte ich aus. „Versöhnt euch doch endlich! Dann können wir alle heimgehen!“, riefen mutige Ex-Feiernde. Einige versuchten, dazwischen zu gehen. 

Für mich wurde die Situation langsam schwer erträglich. Rizzo und Sandy schrien sich in bester Mean-Girls-Manier seit etwa einer halben Stunde an und versperrten einander und damit auch uns den Ausgang. Die Party war doch schon gelaufen, ich wollte nur noch heim. Nach einer Weile war auch die letzte Flasche Alkohol leer. Spätestens jetzt war das Schauspiel nicht mehr lustig. Der kollektive Rausch drohte zu verschwinden. Und unsere Nerven gleich mit. 

Endlich ging den Streitenden dann die Energie aus. Wir konnten den Saal müde und vor allem angestrengt von so viel Drama verlassen. Und was soll ich sagen: Es war vielleicht nicht die schönste Hochzeit, auf der ich je war. Doch sie wird mir in Erinnerung bleiben. Und in zwei Jahren werde ich meiner Tante zum Glückwunsch auf ihrer Rosenhochzeit dreimal über die linke Schulter spucken. Das soll ja Glück bringen. Ich hoffe aber vor allem, dass es ihr bessere Freund:innen als Sandy und Rizzo bringt – nämlich solche, die ihr nicht mal eben einen der wichtigsten Abende ihres Lebens ruinieren. 

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