Horror-Schwiegereltern: Der Konservative

Das Blöde an der Liebe: Den Partner oder die Partnerin sucht man sich selbst aus, die Schwiegereltern nicht. In dieser Serie erzählen wir davon.
Aus der jetzt-Redaktion

Illustration: Julia Schubert

Horror-Schwiegereltern: Der Konservative

Beziehungssituation: Heimliches Paar mit 17

Horrorstufe: 7 von 10

Als ich damals mit Yasmin zusammen gekommen bin, hat sie mich vorgewarnt. Das klingt wie in einem Film, aber sie sagte wörtlich zu mir „Bist du dir sicher, dass du dich darauf einlassen willst? Das wird die Hölle mit meinem Vater.“ Ich war verliebt in sie, ich dachte mir, so schlimm könne es ja wohl nicht sein.

Yasmins Familie kommt aus dem Iran. Sie wurde sehr konservativ erzogen. Religion spielte eine große Rolle, aber auch die gesellschaftlichen Normen, unter denen ihr Vater aufgewachsen war. Auch wenn Yasmin in Deutschland geboren wurde, wollte ihr Vater sie nach den Werten ihres Heimatlandes erziehen. Das hieß vor allem eines: Keine Jungs bis nach dem Studium, bis sie bereit war zu heiraten.

Als ich Yasmin kennen lernte, waren wir gerade 17 Jahre alt. Wir trafen uns heimlich, sie belog ihren Vater, wenn wir Zeit zusammen verbrachten. Sie sagte, sie sei bei einer Freundin oder sie hätte Schule. Wir konnten nicht zusammen durch die Stadt gehen, weil Yasmin Angst davor hatte, dass Freunde ihres Vaters uns sehen könnten. Im ersten Jahr unserer Beziehung hat Yasmin nie bei mir übernachtet, ihr Vater erlaubte ihr nicht, über die Nacht wegzubleiben. Sie durfte zu dieser Zeit nicht einmal bei einer Freundin schlafen.

Ich war wütend auf Yasmins Vater, weil er unsere Beziehung so schwierig machte. Irgendwann bestand ich darauf, dass Yasmins Vater mich kennen lernte. Ich dachte, wenn er wüsste, wie gerne ich seine Tochter hatte, würde er uns vielleicht keine Steine mehr in den Weg legen. Weit gefehlt. Er begegnete mir offen feindselig, wenn ich Yasmin zu Hause abholte. Er terrorisierte seine Tochter, redete ihr ein, sie sei ein schlechter Mensch und beschmutze die Ehre ihrer Familie.

Mittlerweile war Yasmin 18 Jahre alt geworden. Sie setzte sich mit dem Argument der Volljährigkeit bei ihrem Vater durch und übernachtete ab und zu bei mir. Wenn sie wieder nach Hause kam, beschimpfe ihr Vater sie als Hure. Yasmin nahm die Pille, einmal ließ sie die Verpackung offen in ihrem Zimmer liegen. Ihr Vater nahm ihr danach den Hausschlüssel weg, sodass sie nicht mehr alleine in ihr Zuhause kam.

Irgendwann trennte sich Yasmin von mir. Sie sagte, sie müsste sich weiterentwickeln, es läge nicht an mir, es läge an ihr. Eine der Standard-Ausreden, die man zu hören kriegt, wenn der zukünftige Ex-Partner beim Schluss machen nicht den wahren Grund verraten will. Ich bin mir heute noch sicher, dass der wahre Grund ihr Vater war. All der Stress daheim war ihr einfach zu viel geworden. Unsere Beziehung war ihr den Konflikt mit ihrer Familie nicht mehr wert.

*Der Autor möchte Yasmin nicht nachträglich Probleme bereiten, er ist der Redaktion aber bekannt