Horror-Schwiegereltern: Die Religiöse

Das Blöde an der Liebe: Den Partner oder die Partnerin sucht man sich selbst aus, die Schwiegereltern nicht. In dieser Serie erzählen wir davon.

Illustration: Julia Schubert

Horror-Schwiegereltern: Die Christliche

Beziehungssituation: Er 22, Sie 24

Horrorstufe: 9 von 10

Ich habe meinen damaligen Freund in einer Kneipe kennengelernt. Als sich herausstellte, dass er auch

noch der Besitzer jener Kneipe war, fand ich ich das natürlich eher positiv.

Viele Nachrichten und Abende als Stammgast später kam es mir irgendwann doch komisch vor, wie oft er Gott erwähnte – gerade als Kneipenbesitzer. Da er ziemlich schnell nach Feierabend regelmäßig bei mir übernachtete, habe ich es aber nicht so ernst genommen. Dass sein Wecker jeden Morgen um halb 6 klingelte, damit seine Familie nichts von uns mitbekommt (ja, er wohnte noch bei den Eltern), machte mich dann aber doch skeptisch.

Ihre Bedingung war, dass ich mich auf Gott einlassen und sie als spirituelle Führerin ansehen müsse

Nach einer Zeit wurde ich endlich „offiziell“ seiner Mutter vorgestellt. Meine Hoffnung war, dass so endlich Normalität einkehren würde. Aber das Gegenteil war der Fall. Nach einem Monat bekam ich von ihr eine SMS, dass ich doch bitte vorbeikommen solle. In Abwesenheit meines Freundes

eröffnete sie mir daraufhin in ihrem Haus, dass die Beziehung nun beendet sei. Ich hätte mit meiner „kranken Seele“ einen schlechten Einfluss auf ihren Sohn. Geschockt fuhr ich nach Hause, mit dem festen Vorsatz, in Zukunft meine Finger von diesem Typen zu lassen. Machen wir‘s kurz: Nach einer Woche wurde er schwach, ich wurde schwach und das Ganze lief ein weiteres halbes Jahr heimlich weiter.

Nach diesem halben Jahr nahmen wir die Beziehung auf einmal mit dem Segen der Mutter wieder auf. Ihre Bedingung war allerdings, dass ich mich auf Gott einlassen und sie als spirituelle Führerin ansehen müsse. Ich war verliebt, also stieg ich darauf ein.

Nach einem Jahr seelischen Missbrauchs, in dem ich immer wieder als „egoistisch“, „hochmütig“ und „eigenwillig“ bezeichnet wurde, kam ich endlich wieder zu Verstand und beendete die Beziehung. In der Zwischenzeit mussten wir als Paar immer wieder den Kontakt zueinander

abbrechen, um uns wieder auf Gott zu besinnen. Ich sollte keinerlei Kontakt zu meinen Eltern oder Freunden haben.

Den Vater meines damaligen Freundes habe ich in der ganzen Zeit übrigens nur flüchtig getroffen. Er war zuvor bereits vor Gott in Ungnade gefallen und hatte deshalb sein eigenes Schlafzimmer im Haus. Ob er wohl begriffen hatte, was für ein Glück das war?

Dieser Text wurde anonym von einer Leserin eingereicht. Ihr Name ist der Redaktion aber bekannt.