Circa 9,50 Euro pro Stunde für den Erntehelfer

Wegen der Pandemie wurde Florians Ausbildungsstätte geschlossen. Jetzt arbeitet er auf einem Hopfenfeld.
Protokoll von Nina Büchs

Foto: Privat / Bearbeitung: jetzt

Eigentlich macht Florian, 18, eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Da seine Ausbildungsstelle aber aufgrund des Corona-Virus vorübergehend schließen musste, arbeitet er nun als Erntehelfer bei einem Hopfenbauern.

Die aktuelle Situation

Durch das Coronavirus stehen die Landwirte vor einem großen Problem, da viele ihrer geschulten Erntehelfer aus dem Ausland derzeit nicht nach Deutschland kommen können. Zwar dürfen in den Monaten April und Mai nun doch etwa 80 000 Erntehelfer aus Rumänien, Polen oder Bulgarien einreisen, doch für den Gesamtbedarf sind das trotzdem noch zu wenige, um eine reibungslose Ernte in allen Landwirtschaftsbetrieben in Deutschland zu garantieren. Auch die gesetzlichen Auflagen für die Einreise der Erntehelfer sind sehr streng geregelt. Demnach dürfen sie nur in Gruppen und nur per Flugzeug nach Deutschland reisen. Außerdem müssen sie sich unter anderem nach ihrer Ankunft am Flughafen einem Sicherheits-Check unterziehen.

Die Motivation

Eigentlich mache ich momentan eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Wegen der raschen Verbreitung von Covid-19 musste das Hotel, in dem ich arbeite, aber übergangsweise schließen. Vom einen auf den anderen Tag hatte ich also plötzlich viel Freizeit. Als ich dann von Bekannten erfahren habe, dass den Landwirten durch das Coronavirus etwa  300 000 Erntehelfer fehlen, dachte ich, es wäre eine gute Idee, mich während dieser Zeit als zusätzliche Arbeitskraft anzubieten. Über die Plattform „Das Land hilft“ habe ich mich schließlich als Erntehelfer angemeldet. Dazu musste ich dort meine zeitliche Verfügbarkeit angeben sowie meinen Standort, um zu sehen, welche Landwirte in meiner Nähe Hilfe brauchen.

Die Kontaktaufnahme wird dann auch über die Plattform organisiert. Man kann dort entweder direkt von sich aus mit den Landwirten in der Region in Kontakt treten oder warten, bis ein Bauer sich meldet. In meinem Fall hat mir schließlich ein Hopfenbauer aus der Bodenseeregion, in der Nähe meines Wohnortes geschrieben. Schon am nächsten Tag habe ich ihm dann beim Feststecken der Drähte geholfen.

Der Arbeitsalltag

Neben dem Hopfenbauern selbst gab es in der Zeit, in der ich dort gearbeitet habe, nur einen weiteren Helfer aus Polen. Zu dritt sind wir dann von acht Uhr morgens an von Feld zu Feld gefahren und haben dort gemeinsam die Drähte in den Boden gesteckt, an denen der Hopfen hochwachsen soll. Sobald es wärmer wird, fangen die Hopfentriebe an zu wachsen und müssen dann um den sogenannten Aufleitdraht gewickelt werden, damit der Hopfen auch gut hochwachsen kann. Diesen Vorgang nennt man in der Fachsprache „Anleiten“.

Im Gegensatz zu meinem Job in der Hotellerie ist die Tätigkeit als Erntehelfer in der Landwirtschaft etwas völlig anderes. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich noch keine Erfahrungen in der Landwirtschaft gesammelt und musste erst von dem Bauern eingearbeitet werden. Zu Beginn musste ich mich außerdem erst daran gewöhnen, so viele Stunden an der frischen Luft zu sein. Abends war ich dann meistens ziemlich kaputt. Besonders spannend fand ich an dem Job als Erntehelfer aber, dass man dadurch auch mal einen Einblick in die Arbeit als Landwirt bekommt. So habe ich gesehen, wie Hopfen angebaut wird und wie viele Arbeitsschritte tatsächlich nötig sind, bis das Bier fertig im Regal steht. Dauerhaft wäre der Beruf als Landwirt aber nichts für mich, da ich den Umgang mit Menschen sehr schätze und man in der Landwirtschaft, im Gegensatz zum Hotel, meist eher wenig mit anderen Menschen in Kontakt tritt.

Das muss man mitbringen, um als Erntehelfer zu arbeiten

Der Job als Landwirt gehört zu den systemrelevanten Berufen. Um die Lebensmittelversorgung sicherzustellen sind daher gerade jetzt, in der Erntesaison, besonders viele Arbeitskräfte gefragt. Grundsätzlich kann jeder, egal welche Qualifikation man mitbringt, als Erntehelfer aushelfen. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass die Arbeit als Erntehelfer auch körperlich ziemlich anstrengend sein kann. Für mich persönlich war das keine große Umstellung, weil auch der Job in der Hotellerie eine gewisse körperliche Anstrengung erfordert und ich auch dort meist viel auf den Beinen bin. Eine andere Voraussetzung ist natürlich, dass man nicht selbst an Corona erkrankt ist und auch Menschen, die zur Risikogruppe gehören oder in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet waren, dürfen nicht als Erntehelfer einspringen. Sicherheit geht vor.

Das Geld

Bisher war ich vier Tage als Erntehelfer im Einsatz und habe dafür einen Stundenlohn von circa 9,50 Euro bekommen. Die Höhe des Stundenlohns ist aber nicht einheitlich geregelt, sondern wird mit jedem Erntehelfer individuell vereinbart. Gesetzlich ist allerdings vorgeschrieben, dass sich auch die Landwirte bei der Bezahlung ihrer Helfer an den Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde halten müssen.

Außerdem hat die Bundesregierung kürzlich eine gesetzliche Anpassung vorgenommen, nach der man zusätzlich zu seinem Kurzarbeitergeld eine Nebenbeschäftigung in einem systemrelevanten Bereich bis zur Höhe des Nettolohns aus dem eigentlichen Beschäftigungsverhältnis ausüben darf. Der Lohn aus der Nebenbeschäftigung wird also nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Diese Regelung soll übergangsweise bis Ende Oktober 2020 gelten.

Das sagt das persönliche Umfeld

Meine Familie und meine Freunde haben sehr positiv reagiert, als ich erzählt habe, dass ich die Landwirte als Erntehelfer unterstützen möchte. Außerdem habe ich auch meinen Kollegen, die normalerweise mit mir im Hotel arbeiten, davon erzählt. Einige von ihnen haben sich nun ebenfalls über die Plattform „Das Land hilft“ angemeldet und zum Teil auch schon Jobs als Erntehelfer bekommen. Und auch der Landwirt selbst hat sich sehr über meine Unterstützung gefreut.

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