1500 Euro brutto für die Diätologin in Teilzeit

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Was man als Diätologin macht

Diätolog:innen versuchen, die Krankheiten und Probleme ihrer Patient:innen bestmöglich durch Ernährung zu verbessern oder zu heilen. Viele Diätolog:innen arbeiten in einem Krankenhaus, andere in Rehabilitationszentren. Ich arbeite derzeit in einem neurologischen Rehabilitationszentrum. Meine Patient:innen hatten zum Beispiel einen Schlaganfall oder Herzinfarkt oder sind an Multipler Sklerose erkrankt. Viele Patient:innen bringen zusätzlich Begleiterkrankungen wie Stoffwechselerkrankungen oder Probleme mit erhöhten Blutfettwerten mit.

Ich gebe den Patient:innen keinen fertigen Ernährungsplan. Es gibt nicht „die perfekte“ Diät für eine bestimmte Krankheit. Bestimmte Lebensmittelgruppen tun allerdings oft gut. Bei Multiple Sklerose zum Beispiel kommt es zu Entzündungen im Körper. Deshalb liegt der Fokus in der Ernährungsberatung auf einer entzündungshemmenden Ernährung, unter anderem duch den vermehrten Einsatz von guten Fetten, die in Fisch und pflanzlichen Ölen enthalten sind. Was genau Patient:innen essen, ist aber individuell und hängt von ihren zusätzlichen Beschwerden, Vorlieben und Gewohnheiten ab. Mir ist es wichtig, ihnen Informationen und Tipps als Werkzeug mitzugeben, die sie später zuhause selbst umsetzen können. Oft fehlt den Patient:innen das Basiswissen zu gesunder Ernährung. Dann spreche ich erst einmal grundsätzlich über gesunde Ernährung.

Wie man Diätologin wird

In Österreich kann man Diätologie an einer Fachhochschule studieren, das habe ich auch gemacht. Außerdem gibt es in Österreich die Möglichkeit, erst einen Bachelor in Ernährungswissenschaften zu machen und danach an einem einjährigen Aufbaulehrgang teilzunehmen. In Deutschland ist es ähnlich. Dort nennt man den Beruf „Diätassistent:in“. Die Ausbildung wird ebenfalls an verschiedenen Fachschulen angeboten und dauert drei Jahre.

Wie der Arbeitsalltag aussieht

Unsere Patient:innen bleiben durchschnittlich vier Wochen in der Einrichtung. Mit meinen Patient:innen habe ich einmal pro Woche 25 Minuten Zeit für ein Gespräch. Zuerst lese ich ihren Arztbrief durch und schaue mir ihre Diagnosen an. Dann sprechen wir über ihren Gewichtsverlauf, ihre alltägliche Ernährung und Verdauung, sowie über ihre Diagnosen. Die Patient:innen sind oft dankbar dafür, da sie Diagnosen im Krankenhaus oft nicht erklärt bekommen. Dann versuche ich herauszufinden, welche Ziele die Patient:innen haben und achte in den kommenden Sitzungen darauf, dass sie ernährungstechnisch gut bei uns betreut werden.

Wir arbeiten außerdem eng mit der Küche zusammen und achten darauf, dass alle das richtige Essen bekommen. Auch administrative Aufgaben gehören zu meinem Job. Zum Beispiel muss ich ein Auge darauf haben, dass genug Zusatztrinknahrung im Haus ist, für Patient:innen, die mangelernährt oder untergewichtig sind.

Was der Job mit dem Privatleben macht

Ich habe früher sehr schnell gegessen. Seit ich den Patient:innen sagen muss, dass sie langsam essen und gut kauen sollen, achte ich selbst mehr darauf. Ich versuche auch bewusst Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett und Gemüse in meine Mahlzeiten zu integrieren.

Viele meiner Freund:innen denken, dass sie mit mir bestimmte Sachen nicht essen sollten, zum Beispiel süße Nachspeisen. Doch ich esse auch Burger, Pizza, Gummibärchen und Schokolade. Man sollte sich selbst beim Essen keine Verbote auferlegen. Es kommt immer auf die Menge und die Balance an.

Welche Fragen man auf Partys gestellt bekommt

Die Standardfrage ist: „Was ist das?“ Viele sind von dem Wort Diät abgeschreckt. Das Wort Diät sehe ich in unserem Berufstitel auch kritisch, da es sehr negativ behaftet ist. Ich sage dann oft, dass ich so etwas Ähnliches wie eine Ernährungswissenschaftlerin bin. Der Unterschied ist allerdings, dass Ernährungswissenschaftler:innen nur mit gesunden Menschen arbeiten dürfen. Diätolog:innen dürfen ernährungstechnisch mit gesunden und kranken Menschen arbeiten.

Was man als Diätologin verdient

Das unterscheidet sich je nach Arbeitsort. In Krankenhäusern bekommt man zum Beispiel eine Erschwerniszulage, da man auch Wochenenddienste hat. Ich arbeite nur 22 Stunden pro Woche und verdiene als Berufseinsteigerin etwa 1500 Euro brutto. Bei einer 40-Stunden-Woche würde ich 2800 Euro verdienen. Ich hätte nichts dagegen, Vollzeit zu arbeiten. Aber ich war froh, in Wien überhaupt einen Job gefunden zu haben.

Welche Eigenschaften man als Diätologin braucht

Ganz wichtig ist Empathie, und dass man Menschen nicht nach ihrem Aussehen beurteilt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich generell kein Fan von Zahlen auf der Waage bin. Mir ist es viel wichtiger, mit dem Wohlfühlfaktor zu arbeiten. Zum Beispiel damit, wie die Kleidung sich am Körper anfühlen soll. Außerdem braucht man als Diätologin viel Geduld. Bei manchen Menschen dauert es länger, bis sie verstanden oder umgesetzt haben, was man ihnen erklärt hat. Man sollte immer betonen, dass man alles Schritt für Schritt angehen muss und nicht von heute auf morgen alles verändern kann.

Vorstellung vs. Realität

Durch meine Praktika während der Ausbildung, war ich auf meinen Arbeitsalltag gut vorbereitet. Ich liebe den Kontakt mit Menschen und dass man so viel über Essen redet. Ich schätze auch den Austausch im Team sehr und dass man mit vielen anderen Berufsgruppen zusammenarbeitet, um das Beste für die Patient:innen herauszuholen. Lange wusste ich nicht, dass wir auch Vorträge und Gruppenschulungen für Patient:innen oder für die Mitarbeiter:innen verschiedener Firmen halten dürfen. Auch das finde ich toll. Man kann eigentlich in jedem Berufsfeld passende Vorträge zur Ernährung anbieten. Ich halte oft Schulungen zur Ernährung bei Diabetes oder Multipler Sklerose.

Wie ich mir meine Zukunft vorstelle

Ich möchte mich später unbedingt selbständig machen. Dann kann man so oft für Patient:innen da sein, wie sie es brauchen und möchten. In Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Rehabilitationszentren gibt es leider bestimmte Zeitvorgaben für jedes Gespräch. Außerdem kann man sich als Selbständige:r auf die Themen spezialisieren, die einen besonders interessieren. Man kann zum Beispiel nur Patient:innen arbeiten, die an Krebs oder an Unverträglichkeiten leiden. Für mich ist jedes Krankheitsbild interessant, wenn ich mich näher damit auseinandersetze. Ich kann nur sagen, was ich nicht machen möchte: Ich habe in einem Praktikum einmal mit Patient:innen mit Essstörungen gearbeitet. Das hat mich psychisch sehr mitgenommen und ist ein Arbeitsfeld, das ich mir momentan nicht zutraue.

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