3000 Euro brutto für den Tierarzt für Exoten und Wildtiere

Jeff hat sein Leben vollkommen den Tieren gewidmet und arbeitet als Tierarzt.
Foto: Privat / Bearbeitung: jetzt

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Wie ich anfing, mich für Exoten und Wildtiere zu begeistern

Ich bin mit Tieren groß geworden. Als Kind hatten wir Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Vögel und ein großes Aquarium. Dass mein damaliger bester Freund sich eine Schlange als Haustier wünschte, hat mich trotzdem schockiert. Denn ich dachte: Schlangen sind doch giftig. Erst als ich angefangen habe, darüber zu lesen, habe ich gemerkt, wie wenig ich über diese Tiere weiß. Aus dieser Unwissenheit heraus ist dann eine Faszination entstanden. Mit elf Jahren habe ich meine ersten zwei Schlangen bekommen. Mit 16 Jahren hatte ich mehr als hundert Schlangen daheim, ein paar Hundert Vogelspinnen, Bartagamen (ein Schuppenkriechtier), Chamäleons und Skorpione.

Ich hatte ein ganzes Stockwerk für mich unter dem Dach. Meine Eltern haben mich in meiner Leidenschaft stets unterstützt und mit mir Züchter besucht, damit ich mir ein Bild von der artgerechten Haltung machen konnte. Die Tiere habe ich mir allerdings selbst gekauft. Zunächst von meinem Taschengeld, dann habe ich mein Hobby durch Ferienjobs und zuletzt durch den Verkauf meiner eigenen Nachzuchten finanziert. Mit der Zeit stand fest: Ich werde irgendwann etwas mit Tieren machen.

Wie ich Tierarzt geworden bin

Ich habe zunächst ein Biologiestudium begonnen, aber schnell wieder abgebrochen – um doch Tiermedizin zu studieren. Da ich meinen Fokus auf Exoten und Wildtiere legen wollte und es dazu im Studium nur vereinzelt Vorlesungen gab, habe ich mir das Wissen selbst angeeignet.

Dazu bin ich um die Welt gereist, um die richtigen Leute zu treffen und Praktika zu machen. Ich habe Bluttransfusionen bei Krokodilen in Louisiana gemacht, mit Schimpansen und Nashörnern in Afrika gearbeitet und mich mit Fröschen und Reptilien in Costa Rica beschäftigt. Am Ende meines Studiums habe ich herausgefunden, dass man sich in Wien spezialisieren kann. Dort gab es das Vertiefungsmodul „Conservation Medicine“, dabei geht es um die Schnittstelle zwischen Wildtier und Mensch. Ich war einer von zehn Studierenden, der dieses Modul machen durfte. Seit zwei Jahren bin ich fertig und arbeite als angestellter Tierarzt – in zwei großen Tierkliniken und den beiden Wiener Zoos Tiergarten Schönbrunn und Haus des Meeres.

Welche Eigenschaften man für den Job braucht

Als Tierarzt sollte man vor allem belastbar sein, denn schon das Studium ist sehr anspruchsvoll. So musste ich lernen, wie ich beispielsweise bei einem Hund eine Parodontose, eine Erkrankung des Zahnhalteapparates, behandle und dafür das Gebiss kennen. Zugleich muss ich aber auch wissen, wie ich bei dem Tier eine Narkose lege. In der Humanmedizin gibt es dafür zwei verschiedene Experten: einen Zahnarzt und einen Anästhesisten, also allein schon unterschiedliche Studiengänge. Als Tiermediziner muss ich jedoch alles können und das für diverse Tierarten. Man muss also viel lernen. Das Berufsleben wird auch anstrengend und teils durch Nachtdienste bestimmt.

Außerdem muss man sich von anderen abgrenzen können. Als Tierarzt muss man täglich mit emotionalen Menschen umgehen. Vor allem, wenn Tiere sterben, obwohl man alles getan hat, ist es oft schwer. Viele Menschen beschweren sich dann darüber,  dass man es nicht geschafft hat, das Leben ihres Tieres zu retten. Das ist eine Kehrseite, die viele Leute zunächst unterschätzen und mit der man lernen muss, umzugehen.   

Wie der Berufsalltag aussieht

Meine Tage sehen sehr unterschiedlich aus. Abends schaue ich immer im Terminkalender nach, wo ich am nächsten Tag überhaupt bin. Denn ich arbeite sowohl in zwei Tierkliniken, als auch in Teilzeit im Tiergarten Schönbrunn in Wien. Außerdem bin ich als alleiniger Tierarzt für das Haus des Meeres zuständig. Vor einer Schicht weiß ich nie, was konkret auf mich zukommt. Vor ein paar Tagen war ich beispielsweise für 30 Hunde und Katzen zuständig, dazwischen habe ich Kotproben untersucht und einem Frettchen die Zähne gezogen. Am nächsten Tag habe ich 18 Schildkröten untersucht und jetzt stehen Nachtdienste in einer Tierklinik an. Davon mache ich durchschnittlich ein bis zwei pro Woche. Die können unterschiedlich aussehen, primär kümmere ich mich aber um die stationären Hunde und Katzen. Auch Notfälle, die schnellstmöglich behandelt werden müssen, kommen dann in die Klinik – wie beispielsweise angefahrene Katzen, Herzpatienten mit akuter Atemnot oder Hunde mit Magendrehung.

Was der Job mit dem Privatleben macht

Ich arbeite 12 bis 14 Stunden am Tag und oft eher sieben als sechs Tage die Woche. Da bleibt nicht wirklich Zeit für Freunde und Familie. Das ist aber eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe. Ich habe so viel investiert und einfach keine Zeit für ein Privatleben. Das ist momentan auch absolut in Ordnung für mich. Mein Leben habe ich vollkommen den Tieren gewidmet und damit bin ich absolut zufrieden. Da in meinem Umfeld viele Tiermedizinerinnen und Tiermediziner sind, stößt das zum Glück auf Verständnis. Ich würde mir allerdings wünschen, mehr zu schlafen.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Wenn ich mal Freizeit habe, dann mag ich es nicht, wenn man mich auf meinen Beruf anspricht. Schließlich möchte ich auch mal abschalten. Häufig kennen mich die Leute schon von Tiktok oder Instagram, denn da bin ich sehr aktiv. Dann heißt es oft: Ich habe dich bei Tiktok gesehen, darf ich dich mal vor Ort besuchen kommen und die Kattas (eine Affenart aus Madagaskar) streicheln? Und die zweite Frage ist dann: Mein Hund hat einen Knubbel am Rücken, was kann das sein? Da soll ich dann eine Diagnose liefern, ohne das Tier gesehen zu haben. Das kann und möchte ich nicht, denn das wäre unprofessionell.

Wie viel man als Tierarzt für Exoten und Wildtiere verdient

Die Frage zu beantworten, ist schwierig, denn das ist sehr unterschiedlich. Das Einstiegsgehalt liegt meist zwischen 2500 und 3000 Euro brutto. Ich bin mittlerweile bei 3000 Euro brutto. Dazu kommen aber noch Einnahmen durch Social Media Marketing, wo ich Kooperationen habe. Außerdem halte ich Vorträge, für die ich dann noch zusätzlich Geld bekomme. Mein Nebenverdienst liegt derzeit bei etwas mehr als 800 Euro im Monat, von denen nach Abzug der Steuern grob die Hälfte übrigbleibt. Davon kann ich mir das Equipment für meine Video-Produktion finanzieren. Insgesamt kann ich von meinem Gehalt gut leben, denn wer sieben Tage die Woche arbeitet, der hat keine Zeit, um Geld aufzugeben.

Dennoch finde ich die finanzielle Entlohnung von Tierärztinnen und Tierärzten erbärmlich. Wir haben sechs Jahre Studium hinter uns, machen kostenpflichtige Fortbildungen, haben ungeregelte Arbeitszeiten und eine hohe psychische Belastung, da es bei unserem Job täglich um Leben und Tod von Tieren gehen. Da man nach dem Studium nicht zwangsläufig als Tierarzt oder Tierärztin arbeiten muss, haben sich viele meiner Freunde aus diesen Gründen gegen den Beruf entschieden. Für mich ist es aber die richtige Entscheidung, ich sehe den Job als meine Berufung an.

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