2700 Euro brutto für den Chauffeur

Niklas hat bereits während seines Studiums als Fahrer gearbeitet.
Foto: Kevin Geduhn / Grafik: jetzt

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Was Chauffer:innen machen

Grundsätzlich kümmern sich Chauffeur:innen darum, Personen sicher zu befördern. Oft sind die Kund:innen aus der Wirtschaft, Politik oder dem Sport bekannt. Wie ein:e Concierge im Hotel sorgt man für ihr Wohl und erkennt Wünsche, bevor sie ausgesprochen werden. Zum Beispiel bietet man ihnen während der Fahrt Getränke an oder unterstützt sie bei Erledigungen. Als Geschäftsführer unseres kleinen Familienbetriebs übernehme ich vor allem die administrative Arbeit. Trotzdem fahre ich regelmäßig auch selbst. 

Wie ich Chauffeur geworden bin 

Nach dem Abitur habe ich zweieinhalb Jahre eine verkürzte, duale Ausbildung als Luftverkehrskaufmann in Berlin gemacht. Im Anschluss arbeitete ich als Einsatzleiter für die Flughafengesellschaft, wo ich unter anderem die Sicherheitsabläufe koordinierte. Mein Vater war damals schon als Chauffeur bei verschiedenen Agenturen tätig. Gelegentlich habe ich ihn als Fahrer unterstützt. Das war der beste Nebenjob, den ich mir hätte vorstellen können: Was ich als Chauffeur erlebt habe, war spannend, und die bezahlten Wartezeiten konnte ich zum Lernen nutzen.  

Nach der dualen Ausbildung habe ich ein Studium der Unternehmensgründung und -nachfolge begonnen. 2018, im zweiten Semester, habe ich mich mit meinem Vater zur eigenen Gründung entschlossen. Dafür musste ich eine schriftliche und mündliche IHK-Prüfung als Taxi- und Mietwagenunternehmer absolvieren, in der ich Fragen zur Unternehmensführung und den Fahrzeugen beantworten musste. Außerdem brauchte ich neben meinem Führer- auch einen Personenbeförderungsschein. Den habe ich aber schon während meiner Ausbildung gemacht. 

Mein Studium passte perfekt dazu: Ich konnte unser Unternehmen immer wieder als persönliches Fallbeispiel für Hausaufgaben heranziehen und Erkenntnisse aus den Kursen in die alltägliche Arbeit einfließen lassen. Da während der Pandemie viele Veranstaltungen abgesagt wurden und die Nachfrage an Fahrten stark sank, war ich noch einmal kurzzeitig in der Luftfahrtbranche tätig, um finanziell abgesichert zu sein. Seit Sommer vergangenen Jahres ist das Geschäft aber stark gewachsen. Jetzt sind wir zu fünft im Team. 

Was man als Chauffeur:in über seine Kund:innen erfährt 

Ich habe während der Fahrten schon so einiges gehört, seien es brisante politische Themen oder intime Details von Personen aus der Öffentlichkeit. Das geschieht bei persönlichen Telefonaten oder Gesprächen mit den Sitznachbar:innen. Gegenüber unseren Kund:innen sind wir aber vertraglich zur Diskretion verpflichtet. Einer der skurrilsten Aufträge: Mein Vater musste mal einen internationalen Kunden in Berlin zu einer Sexorgie fahren und organisierte mit der Clubbesitzerin, dass der Kunde und dessen Leibwächter zugucken durften – ohne sich selbst daran zu beteiligen. 

Was der Job mit dem Privatleben macht 

Mein Job beeinflusst mein Privatleben stark. Als Selbständiger habe ich immer das Gefühl, unter Strom zu stehen. Unsere Kund:innen wollen zu allen Uhrzeiten gefahren werden und wir haben auch einen Kunden, bei dem im Rahmenvertrag steht, dass wir rund um die Uhr erreichbar sein müssen. Wir arbeiten oft auch am Wochenende und es kommt vor, dass wir zu Veranstaltungen außerhalb von Berlin fahren müssen. Gleichzeitig bietet der Job aber auch viele Freiräume.  

Welche Eigenschaften man als Chauffeur:in braucht 

Vor allem muss man gut Auto fahren können, also umsichtig und vorausschauend fahren. Es geht nicht darum, besonders schnell zu sein, sondern den Kund:innen ein gutes Erlebnis zu bieten. Ansonsten sollte man gut mit Menschen umgehen können und empathisch sein. Man sollte wissen, ob Kund:innen sprechen oder die Ruhe im Fahrzeug genießen möchten. 

Weil manche von ihnen aus dem Ausland kommen, sind Sprachkenntnisse ebenso wichtig. Jede:r in unserem Team spricht Deutsch und Englisch, manche auch andere Sprachen. Ab und zu muss man mehrere Stunden auf Kund:innen warten. Daher sollte man Geduld mitbringen. Wenn man Kund:innen bei Filmpremieren, Preisverleihungen oder politischen Veranstaltungen absetzt, ist immer auch ein hohes Maß an Konzentration gefragt. Denn in diesem Moment sind viele Kameras und Augenpaare auf einen gerichtet. Daher sollte alles reibungslos ablaufen. Und man muss diskret sein. Das heißt: Alles, was im Fahrzeug passiert, bleibt im Fahrzeug. 

Wie der Arbeitsalltag aussieht 

Da wir kunden- und projektbezogen arbeiten, sind wir oft mehrere Tage am Stück im Einsatz. Manchmal starten wir schon früh morgens, zum Beispiel wenn wir Kund:innen vom Flughafen abholen, und arbeiten bis zum Abend. Zwischendrin sind Pausen.  

Vor jedem Auftrag erstellt die Geschäftsleitung – also oft auch ich selbst – ein Briefing für die Fahrer:innen. Wir säubern das Fahrzeug und legen Wasser und kleine Annehmlichkeiten wie Süßigkeiten bereit. Anschließend steuern wir den Abholungsort an, damit wir für die Kund:innen da sind, sobald sie bereit sind. Von da an begleiten wir sie. Haben sie Termine, steht die Zwischenzeit für uns Fahrer:innen meist zur freien Verfügung. Ab und zu werden wir von den Kund:innen aber auch zum Essen eingeladen. Endet der Auftrag nach dem Abendessen, fahren wir die Kund:innen wieder zum Hotel und das Fahrzeug zum Betrieb. Manchmal müssen wir Fahrzeuge zur Instandhaltung auch in die Werkstatt fahren. 

Wie sich Vorstellung und Realität unterscheiden 

Das Bild des Chauffeurs mit schwarzer Mütze und schwarzem Frack ist längst überholt. Wir haben Kund:innen, die unauffällig bleiben möchten. Dann trägt man auch als Fahrer:in private Kleidung. Außerdem sind die Ansprüche an Chauffeur:innen heutzutage teilweise sehr individuell: Man sollte ein gutes Netzwerk und Kontakte zu Restaurants und Bars, aber auch Modeausstatter:innen oder touristischen Attraktionen haben, um internationalen Kund:innen Führungen außerhalb der Öffnungszeiten ermöglichen zu können.  

Was ich auf Partys immer gefragt werde 

Oft werde ich gefragt: „Wer war die bekannteste Personen, die in deinem Fahrzeug gesessen hat?“ Dann muss ich allerdings schnell auf unsere Diskretion verweisen. Viele wollen auch wissen, was man schon alles erlebt hat, wo man überall dabei war und welches Auto man fährt. Natürlich gebe ich dann auch mal ein Beispiel, ohne Namen zu nennen. 

Wie viel man als Chauffeur:in verdient 

Neu im Beruf verdient man etwa 2700 Euro brutto im Monat. Später steigt das Gehalt. Außerdem bekommt man immer wieder Trinkgeld. Manche Kund:innen schenken uns Tickets für Konzerte, Theatervorstellungen oder Sportevents. Aber auch Restaurants, zu denen wir unsere Kund:innen bringen, laden uns hin und wieder mal zum Essen ein. 

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