2200 Euro brutto für den Molekularbiologen

Foto: Privat / Illustration: jetzt

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Wie man Molekularbiologe wird

In einem Labor stehen und Forschung betreiben: Das war einer meiner Kindheitsträume. Und heute arbeite ich tatsächlich in einem Labor und bin auf der Suche nach bestimmten Genen in Pflanzen. Und dass, obwohl ich mich in meiner Schulzeit gar nicht so sehr für Biologie interessiert habe, sondern eher für Physik und Chemie. Die Begeisterung für Biologie kam erst richtig durch mein Studium dazu.

Im Bachelor und Master habe ich Nano Science studiert und danach meinen Doktor in der Molekularbiologie angefangen. Inzwischen dreht sich mein Alltag ziemlich viel um Pflanzen und Genforschung. Das ist total faszinierend, gerade forsche ich an zwei Modellpflanzen, von denen eine noch ziemlich unbekannt ist. Das ist zum einen super spannend – kann aber auch schnell mal frustrierend werden. Ich mache viele Experimente, und natürlich gehen davon auch einige schief. Dann muss ich umdenken und neu planen.

Der Arbeitsalltag

Für mein jetziges Projekt arbeite ich gerade an den Modellpflanzen Lotus japonicus und Arabidopsis thaliana. Erstere ist eben diese noch relativ unerforschte Pflanze. Dabei interessiere ich mich vor allem für die Symbiose der Pflanzen – das ist für die Landwirtschaft besonders wichtig. Denn ein großes Problem dort ist das Düngen. Ein Großteil des in der Landwirtschaft eingesetzten Düngers ist Stickstoffdünger, der ziemlich in Verruf geraten ist. Denn wenn man zu viel düngt, kommt Stickstoff, meistens ist es Nitrat, ins Abwasser. Und Nitrat in Wasser kann gesundheitsschädlich sein und unterliegt strengen Grenzwerten.

Es gibt allerdings einige Pflanzen, die man nicht mit Nitrat düngen muss. Diese Pflanzen können eine Symbiose mit Bakterien eingehen; und die Bakterien wiederum sind in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu gewinnen. Diesen Stickstoff stellen sie dann der Pflanze zur Verfügung. Dadurch sind die Pflanzen dann mehr oder weniger autark. Die Landwirtschaft kann dadurch sehr stark profitieren, denn: Die Pflanzen führen sich den Stickstoff einfach selbst aus der Luft zu. Das wird auch schon verwendet, beispielsweise bei Soja, Bohnen und Klee. Sie werden auch schon seit etlichen Jahrhunderten als Gründünger benutzt. Sprich: Sie werden angebaut, und danach ist der Boden schon gedüngt.

Was ich also mache, ist an den Symbiosen solcher Pflanzen zu forschen. Ich möchte wissen, welche Gene für die Symbiose verantwortlich ist und wie diese Symbiose reguliert ist. Denn so können in Zukunft auch andere Pflanzen gentechnisch so verändert werden, dass sie ebenfalls autark werden und chemischen Dünger nicht mehr brauchen.

Ich arbeite deshalb mit einem ganz bestimmten Gen, dessen Funktionsweise ich ergründen will. Dafür muss ich dieses Gen zunächst ausfindig machen, dann isolieren und für Pflanzenmutanten auch mal zerstören. Solche Mutanten helfen in der Biologie, denn: Ich kann sie mit normalen, nicht mutierten Pflanzen vergleichen und so Rückschlüsse auf die Funktion des Gens ziehen. Wichtig ist dabei, die Ergebnisse richtig zu interpretieren. Dafür muss ich auch mal um die Ecke denken.

Manchmal komme ich mir deshalb auch vor wie ein Gärtner und muss an manchen Tagen bis zu 500 Pflanzen ins Gewächshaus tragen. Bei meinen Experimenten kommt es auch manchmal vor, dass ich ein neues Gen finde, das zuvor noch keiner publiziert hat.

Die Faszination

Das Unglaubliche an Wissenschaft, an Biologie ist, dass man Stück für Stück Leben versteht. Ich generiere stetig Wissen, welches ich später wieder einsetzen kann. Deshalb hört meine Begeisterung auch nie auf: Jede Antwort, die ich finde, öffnet mindestens zwei neue Türen, hinter denen neue Fragen stecken.

Einer der spannendsten Aspekte meiner Arbeit ist für mich die Gentechnik. Für uns in der Biologie ist Gentechnik einfach nur ein Werkzeug. Viele Leute haben Angst davor und finden Gentechnik unnatürlich. Das ist schade, denn oft wissen viele nicht, dass die Natur selbst auch mit Fremd-DNA arbeitet. Bestes Beispiel hierfür: die Süßkartoffel. Die Süßkartoffel ist ein Produkt eines Gentransfers der Natur. In der Evolution dieser Pflanze hat ein Bakterium DNA in die Süßkartoffel übertragen. Und das ist überhaupt erst der Grund, warum Süßkartoffeln so riesige Knollen machen. Ohne Gentechnik hätten wir keine Süßkartoffeln.

So, finde ich, sollten wir es auch sehen. Mit Gentechnik kann man viel erreichen. Natürlich muss man kritisch damit umgehen, und Mutationen immer wieder überprüfen und testen.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Ich habe schon unglaublich viele Barabende damit verbracht, den Nutzen von Gentechnik zu verteidigen. Die Süßkartoffel ist dabei ein ziemlich gutes Beispiel. Jede:r kennt sie und keiner hat Angst vor ihr. Auch dass wir durch Gentechnik in der Lage sind, dürreresistente Pflanzen zu züchten, ist in Anbetracht des Klimawandels ein starkes Argument. Wenn ich wissenschaftliche Argumente für Gentechnik einbringe, stimmen mir viele Freund:innen danach auch zu.

Was das mit dem Privatleben macht

Zwar brenne ich für Biologie und bin begeisterter Wissenschaftler – das muss man für diesen Job auch sein. Dennoch ist es ein Job, der das Privatleben ziemlich stark beeinflusst. Ich bin an der Uni angestellt, was unsicherer ist, als es zuerst klingt. Aus Kostengründen stellen Unis nämlich nur drei Jahres-Verträge aus. Dazu kommt, dass ich laut Wissenschaftsarbeitsgesetz nur zwölf Jahre mit Zeitverträgen angestellt sein darf. Spätestens nach zwölf Jahren muss also eine unbefristete Festanstellung her und das gibt es an der Uni gar nicht so häufig, und die Konkurrenz hierbei ist auch ziemlich groß. Deshalb schafft der Job eine Unsicherheit und macht eine langfristige Lebensplanung recht schwer.

Wenn man sich Stabilität wünscht, ist die Wissenschaft zumindest an der Uni eher das Falsche. Denn worauf ich mich auch einstellen muss sind viele Umzüge. Oft ist es so, dass die Forschungsgruppe, mit der man arbeitet, umzieht, weil es für Forschungsgruppenleiter:innen an anderen Unis bessere Konditionen gibt. Und dann zieht die ganze Gruppe mit um. Gerade ist es so, dass meine Chefin ein besseres Angebot bekommen hat und wir die Uni wechseln. Zwar werde ich nicht gezwungen, bei einem Laborumzug mitumzuziehen. Aber wenn man alleine zurückbleibt, ist die eigene Forschung ziemlich erschwert – deshalb ziehen die meisten Forscher:innen mit ihrer Gruppe um.

Dann gibt es noch das Problem, dass die meisten Verträge sowieso nach drei Jahren auslaufen. Man muss sich um einen neuen Vertrag kümmern, und das man diesen an der gleichen Uni bekommt ist eher selten. Viele Wissenschaftler:innen gehen daher auch ins Ausland. Für mich ist diese Unsicherheit in Ordnung – auch, da ich aktuell keine Familie plane. Für andere ist die Wissenschaft aus diesen Gründen dann doch keine Option.

Wie viel man als Molekularbiolog:in verdient

Als PhD-Student:in ist man leider auch ziemlich oft unterbezahlt. Ich habe einen 50-Prozent-Vertrag und verdiene 2 200 Euro brutto – arbeite aber mindestens für eine Vollzeit-Stelle. Das wird einfach erwartet. Auch Überstunden werden nicht bezahlt an der Uni. Wenn man sich nicht sehr für den Beruf begeistert, hält man es meistens nicht aus, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Für mich hat sich der Traum erfüllt, auch wenn ich von den Rahmenbedingungen nicht sonderlich begeistert bin.

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