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Gehalt: Was verdient ein Industrietaucher?
Er repariert Schiffe, kontrolliert Talsperren und taucht auch mal ins Klärwerk ab. Vor allem die Schiffe sind für Mauro als Industrietaucher wie riesengroße Spielzeuge, von denen er als kleiner Junge geträumt hat. Für eine Schiffsbergung würde er auch heute jede Party absagen.
Was ich als Industrietaucher mache
„Eigentlich bin ich ein Handwerker, nur eben unter Wasser. Ich wechsle Schrauben, führe Wartungen durch, bringe Stahlteile an oder montiere sie wieder ab. Das alles im Neoprenanzug und mit Taucherflossen. Luft bekomme ich durch einen Schlauch oberhalb der Wasseroberfläche, nicht wie oft angenommen über eine Sauerstoffflasche. Ebenfalls im Schlauch enthalten ist ein Kommunikationskabel, mit dem ich meinen Einsatzleiter oder andere Taucher erreichen kann.“
Wie mein typischer Arbeitstag aussieht
„Es gibt keinen einheitlichen Ablauf, da ein Arbeitstag an einem Schiff, einer Baustelle oder auch im Klärwerk starten kann. Auch die Zeiten sind sehr flexibel. Es kann passieren, dass man morgens um drei Uhr auf die Baustelle muss. Für mich ist das aber kein Problem.
Erstmal werden die Taschen gepackt. Die Ausrüstung wähle ich je nach Baustelle und Ort. Im Klärwerk trage ich einen Gummianzug. Dieser ist weniger durchlässig als der normale Neoprenanzug. Zur Baustelle komme ich entweder mit dem Auto oder mit dem Schiff.
Erst einmal angekommen, muss abgeklärt werden, ob im Wasser noch andere Bauarbeiten stattfinden. Ein Bagger könnte mich beispielsweise unter Wasser am Kopf treffen, deswegen muss ich warten, bis alles erledigt ist. Bei Schiffen ist es wichtig, dass alle Systeme heruntergefahren sind. Wenn man im Wasser ist und jemand den Motor anlässt, kann man in die Schiffsschraube gezogen werden. Die eigene Sicherheit hat oberste Priorität.
Dann wird endlich abgetaucht. Es wird geschweißt oder betoniert, je nachdem, was der Auftrag vorgibt. Wenn ich auf die Toilette muss, tauche ich auf und esse schnell noch etwas, bevor es wieder runtergeht. Mein Tag endet meistens in der Firma. Dort mache ich mein Werkzeug sauber und und überprüfe, ob alles noch richtig funktioniert.“
Was der Job mit meinem Privatleben macht
„Ich bin viel unterwegs quer durch Deutschland. Ich habe aber auch schon in den USA gearbeitet. Ich sage öfter Sachen ab als früher. Das liegt aber auch daran, dass mir der Job so viel gibt. Für eine Schiffsbergung würde ich jede Party verlassen. Ich setze mir allerdings auch Grenzen. Es ist wichtig, sich zu regenerieren und Zeit mit Freunden zu verbringen.“
Wie ich zum Job gekommen bin
„Als ich klein war, wollte ich unbedingt etwas mit Wasser machen. Meine Eltern schlugen mir vor, Tauchlehrer oder Meeresbiologe zu werde. Aber ich hatte keine Lust auf die Touristen und Biologie war nie mein Fach. Ich habe mich erstmal gegen das Wasser entschieden und eine Ausbildung zum Metallbauer gemacht.
In der Berufsschule erzählte mir ein Freund beim Mittagessen von einem Unternehmen, das Industrietaucher sucht. Er sagte, dass die Taucher sogar unter Wasser schweißen, das hat mich sofort fasziniert. Zu Hause informierte ich mich über alles. Unbedingt erforderlich ist eine Ausbildung im technischen oder handwerklichen Bereich. Das konnte ich abhaken.
Die Ausbildung zum Industrietaucher ist eher eine Weiterbildung. Kostenpunkt: ungefähr 10.000 Euro. Diese Kosten und die meiner Ausrüstung hat mein Betrieb übernommen. Ein medizinischer Test ist ebenfalls verpflichtend. Dabei werden die Gesundheit und die körperliche Fitness untersucht. Nach zweihundert absolvierten Tauchgängen und fünf theoretischen Wochen war es geschafft. Ich wurde offiziell einer von 450 Industrietauchern Deutschlands.“
Vorstellung vs. Realität
„Dass die Sicht unter Wasser nicht wie in der Karibik ist, habe ich mir gedacht. Bei einem meiner ersten Tauchgänge war ich jedoch schockiert. Ich habe wirklich gar nichts gesehen. Was ich auch überhaupt nicht bedacht habe: im Wasser kann es sehr laut sein. Die Geräusche aus den Maschinenräumen von Schiffen sind ohrenbetäubend.Das ist viel für den Kopf und man bekommt schnell Panik. Ich habe einige Zeit gebraucht, mich daran zu gewöhnen.“
Welche Fragen ich auf Partys gestellt bekomme
„‚So richtig mit Sauerstoffflaschen?‘, das höre ich ganz oft. Ansonsten fragen Leute gerne, wie lange ich die Luft anhalten kann. Ich würde sagen 40 Sekunden. Während der Arbeit musste ich noch nie die Luft anhalten.“
Wie gefährlich mein Beruf ist
„Mein Beruf ist ungewöhnlich, aber nicht gefährlicher als der eines Bauarbeiters. In vielen Jobs kann dir etwas passieren. Außerdem hilft der Gedanke an alle Gefahren unter Wasser nicht weiter. Ich erinnere mich allerdings an eine Situation, in der es kurz brenzlig wurde. Ich musste ein Gitter von einem Schiff abbauen. Ich habe das Gitter locker gemacht, dann wurde es von einem Kran abgezogen. Dabei hat es mich getroffen und ich fiel auf den Grund. Von sieben auf zehn Meter Tiefe. Zum Glück fällt man im Wasser leicht, aber trotzdem war das ein Schockmoment.
Mein ersten Gedanken waren: Das Gitter liegt auf meiner Schlauchleine. Ohne Schlauchleine keine Bewegungsfreiheit unter Wasser. Wie viel Luft habe ich noch? Durch das Kommunikationskabel versicherte mir mein Einsatzleiter, dass genug Luft da sei. Das beruhigte mich. Nur nicht zu viel Panik bekommen. Das Gitter wurde hochgezogen und ich habe mich befreit. Der Kontakt zur Wasseroberfläche ist in solchen Momenten lebenswichtig. Dort oben steht auch ein Zweittaucher, der im größten Notfall eingreifen kann.“
Welche Eigenschaften ich für den Job brauche
„Es ist wichtig, physisch belastbar zu sein. Man kennt das ja vom Schwimmen. Nach einem Schwimmbadtag ist man erledigt. Zusätzlich ist die Ausrüstung sehr schwer: zwischen 35 und 45 Kilo. Es ist jedes Jahr verpflichtend, einen medizinischen Test zu machen. Besteht man diesen nicht, kann man den Beruf nicht ausüben.
Man sollte auch psychisch belastbar sein. Es ist für Menschen nicht normal, so lange unter Wasser zu bleiben. Auch in 32 Meter Tiefe und bei schlechter Sicht darf man keine Panik bekommen. Dabei spielt Veranlagung eine große Rolle. Ich bin von Natur aus ein ruhiger Mensch, das ist von Vorteil.“
Wie viel ich verdiene
„Das hängt ein bisschen davon ab, wie viel ich im Wasser bin. Ich bekomme ein Festgehalt und einen Zuschlag für längere Zeiten unter Wasser. Ich würde sagen, grob verdiene ich zwischen 5000 und 6000 Euro brutto. Ich kenne Kolleg:innen, denen das zu wenig war. Dabei ist das Gehalt in unserem Unternehmen leicht überdurchschnittlich. Mehr ist zwar immer gut, aber ich bin zufrieden.“