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3355 Euro brutto für den Bademeister

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Luca-Jay Heinrich arbeitet als Bademeister in den Lübecker Schwimmbädern. Seine ganze Jugend hat er als Schwimmer und Schwimmtrainer in der Halle verbracht, jetzt steht er am Beckenrand. Zwischen Badeaufsicht, Technik und Putzen gehört vor allem sehr viel Verantwortung zu seinem Alltag.

Was ich als Bademeister mache

„Bademeister ist der umgangssprachliche Begriff, ich bin eigentlich Fachangestellter für Bäderbetriebe im öffentlichen Dienst. Dazu gehört weit mehr als die Badeaufsicht. Ich kümmere mich viel um die Technik, zum Beispiel fülle ich Materialien auf, überprüfe und wechsle Filter aus. Außerdem übernehme ich täglich einen großen Teil der Reinigung, mache zum Beispiel eine Überlaufrinne oder den Beckenumgang sauber. Für die Kasse haben wir meistens eigenes Personal. Aber wenn da jemand ausfällt, springe ich manchmal ein. Und ich gebe Kurse. Aquafitness macht mir da am meisten Spaß, weil man andere Leute motiviert und ich zeigen kann, dass ich mega Bock auf meinen Job habe.“

Wie mein typischer Arbeitsalltag aussieht

„Tatsächlich sieht bei mir jeder Arbeitstag etwas anders aus. Vor allem macht es einen Unterschied, welche Jahreszeit gerade ist. Im Sommer arbeite ich vor allem im Freibad und im Winter in den Hallen. Bademeister arbeiten meistens im Schichtbetrieb. Bei uns geht der Frühdienst von 5:30 Uhr bis 14:00 Uhr. Der Spätdienst beginnt zwischen 13:30 und 14 Uhr und endet um 21 oder 22 Uhr. Wenn ich um 5:30 Uhr anfange, steht entweder Reinigung oder Frühschwimmen auf dem Plan. Beim Frühschwimmen öffne ich die Kassen und Türen für die ersten Gäste. Die beaufsichtige ich anschließend. Wenn das nicht stattfindet, nutze ich die Zeit für eine Grund- oder Unterhaltsreinigung. Da reinigt man vor allem das, was man in dem Zeitraum mit den Gästen nicht schafft oder dann nicht gemacht werden darf. Saure oder alkalische Reiniger darf man beispielsweise wegen der entstehenden Dämpfe nicht nutzen, wenn Badegäste da sind. Bei dieser Arbeit muss ich auch immer eine Schutzausrüstung tragen, also Maske, Handschuhe und manchmal auch Gummistiefel oder einen Sichtschutz.

Da wir meistens zu zweit als Bademeister im Bad sind, teilen wir uns die Aufgaben den Tag verteilt über gut auf. Einer überprüft dann beispielsweise die Wasserqualität, während der andere Beckenaufsicht macht. Zwischendurch gebe ich hier und da nochmal einen Kurs. Langweilig wird es auf jeden Fall nie. Am Ende des Tages muss ich darauf achten, dass die Gäste das Bad rechtzeitig verlassen. Außerdem wird dann nochmal eine Unterhaltsreinigung gemacht, also alles desinfiziert und die Flächen mit einem Schlauch durchgespült.“

Wie ich zu dem Job gekommen bin

„Ich schwimme seitdem ich fünfeinhalb Jahre bin im Leistungsbereich und war dementsprechend immer viel im Schwimmbad unterwegs. Während ich versucht habe, mein Abi zu machen, habe ich privat über einen Schwimmverein angefangen, Schwimmkurse zu geben. Darüber bin ich oft mit den Mitarbeitern im Schwimmbad ins Gespräch gekommen, die mir viel von der Ausbildung und dem Beruf erzählten. Statt mein Abi zu vollenden, habe ich dann die dreijährige Ausbildung als Fachangestellter für Bäderbetrieb angefangen.“ 

Was der Job mit meinem Privatleben macht

„Ich hätte es nicht gedacht, aber das Putzen nehme ich am meisten ins Privatleben mit. Ich war nie der Mensch, der besonders Bock auf den Haushalt hatte, aber das hat sich total geändert. Ich weiß jetzt, welche Reiniger gut funktionieren und nutze die dann auch gerne zuhause. Oft kann man die guten Sachen nämlich gar nicht im Supermarkt kaufen, sondern nur online. Dazu kommt, dass ich fast nicht mehr normal Urlaub machen kann, seitdem ich im Schwimmbad arbeite. Und ich bin immer neugierig, wie es in anderen Schwimmbädern aussieht. Im vergangenen Jahr war ich im Tropical Island in Brandenburg und habe dort einen Mitarbeiter angesprochen. Als ich erzählt habe, dass ich auch Bademeister bin, hat er mir eine Führung durch die Technik gegeben. Es ist so spannend, wie die Technik in anderen Schwimmbäder läuft. Egal wo ich bin, ich frage immer nach, ob mir das gezeigt werden kann. Das ist meine Berufskrankheit.“

Wie viel Baywatch-Klischee in diesem Job steckt

„Es gibt durchaus Momente, wo man von dem ein oder anderen Gast besonders nett angeschaut wird. Das ist für mich aber eine Sache der Professionalität. Natürlich ist nichts dabei, wenn man sich nett unterhält, aber flirten sollte man nicht. Ich finde sowas nicht angebracht, vor allem wenn man auch in einem textilärmeren oder manchmal textilfreien Bereich arbeitet. Da sollte man immer eine gewisse Distanz bewahren.“

Wie ich schon mal Leben gerettet habe

„Ich habe auf der einen Seite einen sehr entspannten Beruf und kann auf der anderen Seite mit sehr schwerwiegenden Situationen zu tun haben. Ich musste einmal einen elfjährigen Jungen aus dem Wasser ziehen, der bewusstlos war. Er stieß sich seinen Kopf an der Metallstange von der Rutsche, fiel in Ohnmacht und glitt die Rutsche herunter. Er schwamm leblos am Ende der Rutsche im Wasser, bis andere Badegäste ihn bemerkten und mir Bescheid sagten. Er kam dann schnell wieder zu sich und hatte zum Glück nur eine leichte Gehirnerschütterung.

Eine andere Situation erlebte ich ein halbes Jahr nach der Ausbildung. Ein älterer Mann erlitt in der Sauna einen Herzinfarkt. Er lag dort am Boden, krampfte und übergab sich. Wir mussten ihn per Herzdruckmassage versuchen, am Leben zu halten, bis der Notarzt kam. Das war der schlimmste Moment, den ich bisher in meinem Beruf erlebt habe. Das Schwierige ist, sich in solchen Situationen nicht anmerken zu lassen, dass ich selbst totale Panik habe. Ich musste ruhig bleiben und hoffte einfach nur, dass ich alles richtig mache. Der Mann hat glücklicherweise überlebt.“ 

Welche Eigenschaften ich für den Job brauche

„Für die Ausbildung sollte man idealerweise ein Rettungsschwimmerabzeichen vorweisen können, das ist schon anspruchsvoll. Man kann das Abzeichen mittlerweile während der Ausbildung machen, vor ein paar Jahren war das noch eine Voraussetzung. Wegen des Personalmangels in dem Beruf wurden die Anforderungen runtergeschraubt, dieses Zeichen hatten einfach zu wenige. Am allerwichtigsten ist aber, dass man sportlich ist. Die Abschlussprüfung ist meiner Meinung nach eine der schwierigsten überhaupt, gerade im praktischen Teil. Da mussten wir beispielsweise mit Klamotten schwimmen. Im Training hatte ich teilweise eine 15 Kilogramm schwere Weste um und musste so 16 Bahnen in kurzer Zeit schwimmen. Das ist total anstrengend und man muss auch den Willen haben, das durchzuziehen.

Wegen solcher lebensbedrohlichen Situationen wie mit dem Mann oder dem kleinen Jungen sollte man auch keine schwachen Nerven haben. Es muss einem klar sein, dass jederzeit was passieren kann. Man sollte auch sehr selbstbewusst auftreten können. Es sind nicht immer alle Badegäste nett und wenn sie sich falsch benehmen, sollte man sich trauen, diese Leute rauszuschmeißen. Im Freibad kommt es hin und wieder vor, dass manche ein Bier zu viel trinken oder dass ein Ball durch die ganze Halle geschossen wird. Wenn man schüchtern und zurückhaltend ist, wird man oft nicht ernst genommen.“

Welche Fragen ich auf Partys gestellt bekomme

„Seitdem ich ein Kind habe, bin ich kein richtiger Partygänger mehr. Aber früher wurde ich immer gefragt, was andere Leute für Mist gebaut haben. Besonders eklige oder absurde Geschichten sind interessant. Ich erzähle dann oft von einem Gast mittleren Alters, der ganz bewusst vor die Rutsche sein Geschäft erledigte und diese dann noch herunterrutschte. Am lustigsten war ein Mann, der mich mal fragte, wie er denn in die Nordsee kommt. Da Sankt Peter-Ording an der Küste liegt, dachte er, er könne vom Außenbecken in die Nordsee schwimmen. Ein paar gute Geschichten habe ich da immer auf Lager.“

Wie viel ich verdiene

„Ich arbeite als Fachangestellter für Bäderbetriebe im öffentlichen Dienst und werde nach Tarif bezahlt. Das sind 3355 Euro brutto im Monat. Hinzu kommen noch Zuschläge für Schichten, wenn ich beispielsweise am Wochenende oder spät abends arbeite. Alle zwei Jahre gibt es Tarifverhandlungen, da wird das Gehalt dann meist etwas erhöht. Nach der Ausbildung steigt man nach einem Jahr Berufserfahrung in eine neue Entgeltgruppe auf, nach weiteren zwei Jahren dann erneut. Irgendwann ist aber eine Obergrenze erreicht. Für die Arbeit, die ich mache, finde ich das Gehalt sehr gut und ich will mich nicht beschweren. Da wir regelmäßig mit gefährlichen Chemikalien arbeiten, zählt der Beruf eigentlich schon in den Bereich der Gefahrenzulage. Dafür wäre aus meiner Sicht sogar noch etwas mehr Bezahlung gerechtfertigt.“

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