50 000 Euro netto pro Monat für den Millionen-Erben

Antonis hat viel Geld geerbt. Und setzt sich dafür ein, dass große Vermögen höher besteuert werden.
Foto: Nils Schwarz; Bearbeitung: jetzt

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Wie ich Millionär geworden bin

Ich habe geerbt. Meinem Opa gehörte zum Teil eine Pharma-Firma, die verkauft wurde, als ich 18 war. Dadurch kam ich zu dem Erbe. Bis dahin hatte ich eigentlich eine relativ normale Kindheit, weil die Gewinne der Firma zum großen Teil reinvestiert wurden. Ich bin zum Beispiel auf eine öffentliche Schule gegangen. Uns ging es schon gut, aber wir sind eher unter dem Radar geflogen. Gehobene Mittelschicht. Als dann die Firma verkauft wurde, sind wir in ein größeres Haus gezogen und waren auf einmal jemand

Vorstellung vs. Realität

Dadurch, dass ein bestimmter Wohlstand in der Familie herrschte, wusste ich früh, dass ich mit meinen Geschwistern eines Tages ein größeres Erbe haben würde. Wahrscheinlich habe ich davor beim Stichwort „Millionär“ wie die meisten Menschen an ein sorgenfreies Leben gedacht, an Dinge wie Luxusyachten und Privatjets. Die habe ich heute zwar nicht, aber ich leiste mir schon ein bisschen Dekadenz, wenn ich etwa auf Reisen gehe. In schönen Hotels oder einem guten Restaurant. Da kommt schon mal was zusammen. Und meine Wohnung ist auch ganz ordentlich. Obwohl ich mir auch ein großes Haus leisten könnte. Ich gehe also nicht jeder Laune nach. Ich habe zum Beispiel auch kein Auto. Was das sorgenfreie Leben angeht: Geld kann glücklich machen, muss es aber nicht. Manchmal stelle ich mir auch vor, welcher Mensch ich gewesen wäre, wenn ich nicht geerbt hätte. Vielleicht hätte ich mehr Drive, wenn ich mir meine Existenz hätte sichern müssen und mir selbst etwas hätte aufbauen müssen.

Was macht ein Millionär?

Ich arbeite oft in unserem Family Office in der Münchner Innenstadt. Dort gehe ich dann im Wesentlichen drei Tätigkeiten nach: Zum einen kümmere ich mich um mein Portfolio, also darum, wie mein Geld investiert wird. Ich investiere zum Beispiel viel in sogenannte Impact Investing Fonds, die neben einer finanziellen Rendite einen messbaren sozialen und/oder ökologischen Impact haben. Außerdem habe ich eine Stiftung namens Guerrilla Foundation gegründet, die Aktivist:innen und soziale Bewegungen in Europa  unterstützt, und gehe diversen anderen Projekten nach, zum Beispiel der Gründung einer Energie-Kooperative auf der Insel Samos, wo meine Mutter ein Sommerhaus besitzt. Und das dritte, ich nenne es mal „Advocacy“, ist, meine Stimme als Vermögender in der Öffentlichkeit zu nutzen. Das tue ich vor allem für die Initiative „Taxmenow“, wo Vermögende sich zusammengetan haben, um eine höhere Besteuerung von hohen Vermögen zu fordern. Vermögen ist wahnsinnig ungleich verteilt und Deutschland ist eigentlich ein Steuerparadies für Vermögende.

Das Geld

Ich möchte nicht sagen, wie viel Geld ich genau habe, aber mir stehen im Monat schon so 50 000 Euro zur Verfügung. Es ist auch so, dass mein Vermögen durch Aktiengewinne jährlich im Schnitt um acht Prozent wächst. Da sind zwar auch nachhaltige und soziale Investitionen dabei und ich investiere auch nicht in grob schädliche Dinge wie fossile Energien. Aber das meiste ist schon eher konservativ angelegt, mit dem Ziel, möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften und die zu spenden. 

Was das mit dem Privatleben macht

Ich habe das Glück, dass ich enge Freundschaften habe, die auch nach meinem Erbe das geblieben sind, was sie davor waren. Und die, die sich als Freund:innen ausgeben, aber eigentlich irgendwas wollen, die durchschaut man ziemlich schnell. Aber ich bekomme sehr viele Anfragen von anderen Leuten, die Geld von mir wollen. Und das ist dann schon ziemlich krass, wenn ich an meinen Arbeitstisch komme und da liegen dann teilweise 20 Seiten handgeschriebene Briefe von Menschen, die kurz davor sind, wohnungslos zu werden oder Ähnliches. Auf der einen Seite berührt mich das natürlich, auf der anderen Seite denke ich mir: Okay, ich bin ja auch nicht das Arbeitsamt und es sollte nicht meine Aufgabe sein, Almosen zu verteilen. Oft ist es nämlich so, dass man jemandem zum Beispiel tausend Euro spendet und dann wird gleich nach vier, fünf oder zehntausend gefragt. Da zahle ich lieber mehr Steuern.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Die Menschen, die mich schon kennen, sind relativ diskret und fragen nicht nach Details, was mein Geld angeht. Und wenn ich gefragt werde, was ich mache, sage ich meistens, dass ich bei einem Fonds arbeite oder sowas in der Art. Weil es mir manchmal einfach unangenehm ist, zu sagen, dass ich Philanthrop (Anm. d. Red.: unter Philanthropie versteht man menschenfreundliches Denken und Verhalten) und Impact Investor mit einem Erbe im Rücken bin. Auf der anderen Seite möchte ich auch mit dem Tabu brechen, dass man als Vermögender generell nicht über sein Vermögen spricht und zum Beispiel keine Interviews gibt. 

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