2700 bis 3000 Euro brutto für den Personal Trainer

Foto: Christian Hofer; Bearbeitung: jetzt

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Wie der Arbeitsalltag eines Personal Trainers aussieht

„Ich arbeite 32 Stunden pro Woche in einem Fitnessstudio und gebe dort hauptsächlich Personal Trainings. Das heißt, ich arbeite nur mit einem Kunden, die Trainingseinheiten sind individuell auf dessen Wünsche oder Beschwerden zugeschnitten. Das Eins-zu-Eins-Training ist zwar unser Hauptgeschäft, aber wir haben auch einen Fitnessbereich mit Cardio- und Kraftgeräten, in denen die Kunden alleine trainieren können. Zum Job im Studio gehören außerdem Rezeptionstätigkeiten, also telefonieren, Termine vereinbaren und Verkaufsgespräche führen. Meine Arbeitszeiten sind in Früh- und Spätschichten aufgeteilt, die jeweils sieben bis acht Stunden dauern und zwischen sieben und 22 Uhr liegen. Mindestens zwei Tage im Monat muss ich auch am Wochenende arbeiten. 

Nebenbei gebe ich selbstständig Online-Personal-Trainings. Der Kunde muss dabei nirgends mehr hin, sondern kann von zuhause aus über den Laptop oder die Handykamera trainieren. Alle Workouts, die ich erstelle, sind theoretisch mit dem eigenen Körpergewicht zu machen und dauern immer eine halbe Stunde. Ich achte darauf, dass die Ausführungen richtig gemacht werden und motiviere die Leute. Meistens mache ich die Online-Trainings abends, aber das hängt natürlich davon ab, wie ich im Studio eingeteilt bin. Solange ich Internet und ein Handy oder einen Laptop habe, bin ich ortsunabhängig, meistens sitze ich aber zuhause am Schreibtisch. Da habe ich auch mein Equipment und genug Platz, wenn ich mal eine Übung vormachen muss. Meine Kunden trainieren auch alle in ihren eigenen vier Wänden, in der Küche, im Wohnzimmer, im Schlafzimmer oder bei den Eltern zuhause im ehemaligen Kinderzimmer. Es gibt sogar Kunden, die einen voll ausgestatteten Fitnesskeller haben. 

Wie Corona meine Arbeit beeinflusst

Als im ersten Lockdown die Fitnessstudios schließen mussten, wurden meine Kollegen und ich auf Kurzarbeit angemeldet. Wir haben im Studio gestrichen, geputzt und alles auf Vordermann gebracht, haben Online-Kurse gegeben und uns Konzepte für die Wiedereröffnung überlegt. Als das Wetter im Sommer 2020 schöner wurde, sind wir auch mal rausgegangen, weil Outdoor-Training erlaubt war, Indoor-Training aber noch nicht. Viele Kunden sind uns geblieben. Trotzdem hat das eingeschränkte Angebot natürlich nicht jeden angesprochen und vor allem die älteren Kunden waren nach der Wiedereröffnung im Sommer sehr vorsichtig. 

Im zweiten Lockdown hatten wir insgesamt fünf Monate geschlossen. Anfangs haben wir noch vereinzelt Online-Kurse gegeben. Anschließend wurde wirklich alles eingestellt. Letzten Endes mussten wir uns einfach eingestehen, dass sich das für den Betrieb nicht rechnet, wenn die Angestellten für eine halbe Stunde Online-Training in die Arbeit fahren müssen. Außerdem hatte man im zweiten Lockdown Anspruch auf staatliche Hilfen, wenn man in der Zeit als Betrieb überhaupt kein Geld erwirtschaftet. Ich habe also ungefähr drei Monate gar nicht gearbeitet, abgesehen von meinen privaten Online-Trainings.

Inzwischen arbeite ich in einem anderen Studio. Wir durften im April durch eine Sondergenehmigung öffnen, weil wir als medizinische Einrichtung gelten. Bei uns dürfen also aktuell nur Kunden trainieren, die eine ärztliche Bescheinigung oder Überweisung haben, weil sie aus gesundheitlichen Gründen trainieren müssen, zum Beispiel wegen Rückenschmerzen oder Bluthochdruck. Weil wir dabei viel mit älteren Menschen und Risikogruppen zu tun haben, haben wir schon unsere erste Impfung bekommen.

Wie viel man als Personal Trainer verdient

Im Studio verdiene ich mit 32 Stunden knapp 2000 Euro brutto. Beim Online-Training schwankt mein Einkommen je nachdem, wie viele Trainings ein Kunde macht. Für eine halbe Stunde Online-Training verlange ich 40 Euro. Offline würde ich durchschnittlich 90 bis 100 Euro pro Stunde bekommen. Wenn ein Kunde im Urlaub ist oder krank ist, bricht auch mal das Geld weg. Aber grob sind das bei mir 700 bis 1000 Euro brutto im Monat.

Wie ich zum Job gekommen bin 

Ich bin früher selbst sehr gerne ins Fitnessstudio gegangen, vier- bis fünfmal die Woche mit meinem damaligen besten Freund. Dadurch habe ich meine Leidenschaft für das Krafttraining und Ernährung entwickelt. Nachdem ich mein vorheriges Studium abgebrochen habe, hatten meine Eltern die Idee, dass ich doch etwas mit Fitness machen könnte. Ich habe dann ein duales Studium zum Fitnessökonom angefangen, das sieben Semester gedauert hat. Seitdem war ich in verschiedenen Positionen in Fitnessstudios angestellt. Grundsätzlich bin ich dem Sport immer treu geblieben, wollte aber vom typischen Fitnessstudio hin zum Personal Training. Mir macht das einfach mehr Spaß, weniger Leute intensiver betreuen zu können. 

Das Online Personal Training habe ich 2019 mit meiner Schwester angefangen. Nach und nach sind dann mehr Interessenten dazugekommen. Seit Anfang 2020 verdiene ich mit dem Online-Training Geld. Irgendwann würde ich gerne komplett in die Selbstständigkeit übergehen. Deshalb bin ich gerade dabei, meine Webseite und meine Instagram-Präsenz auszubauen. Mit meinem Blog und Instagram-Posts versuche ich, meine Kunden und potenzielle Kunden beim Thema Fitness, Gesundheit und Ernährung zu unterstützen. 

Was das mit dem Privatleben macht 

Ich habe mich auch schon vor meinem Studium mit Training und Ernährung beschäftigt und mich in meiner Freizeit gerne mit Menschen darüber unterhalten. Das ist also ein Hobby, das ich zum Beruf machen konnte. Ich trainiere nach wie vor genauso viel und genauso gerne. Für mich ist das nicht mit Stress verbunden.

Die Öffnungszeiten im Studio könnten schöner sein. Daran habe ich mich aber mittlerweile, nach mehr als acht Jahren in diesem Beruf, gewöhnt. Es ist ja zwischendurch auch mal ganz schön, auszuschlafen und erst nachmittags arbeiten zu müssen. Mir bleiben trotzdem immer zwei bis drei Abende die Woche, an denen ich Zeit für meine Freunde und Freundin habe. Es wäre mir natürlich lieber, wenn ich am Wochenende nicht arbeiten müsste, aber ab und an kann man das schon mal in Kauf nehmen.

 

Was ich auf Partys (vor der Pandemie) dazu gefragt werde

Ich werde häufig gefragt, wie ich mich ernähre. Mir wird dann oft vorgeworfen, dass ich mein Essen gar nicht genießen würde, weil ich mich nur von Reis, Hähnchen und Brokkoli ernähren würde. Dabei schmeckt mir das – und noch dazu geht es schnell. Und wenn man seinen Körper bewusst verändern will, muss man auch mal in der Lage sein, beim Essen auf Geschmack zu verzichten. Das ist aber dann schon eher im Leistungssport-Bereich.

 

Ein weiteres Klischee, mit dem ich manchmal konfrontiert werde, ist der junge, gutaussehende Personal Trainer, der zur Bespaßung von reichen Hausfrauen und von Gutverdienern engagiert wird. Man muss natürlich genug verdienen, um sich zweimal die Woche ein Personal Training leisten zu können. Ich würde aber schon sagen, dass das Ganze professionell abläuft und es nicht nur um Bespaßung geht. 

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