Bis zu 2500 Euro brutto für den Perückenmacher

Max, 32, fertigt in Handarbeit medizinische Perücken an – für Menschen, die aufgrund einer Krankheit ihre Haare verloren haben.
Protokoll von Maike Frye
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Foto: Privat / Bearbeitung: jetzt

Wie bist du zum Beruf des Perückenmachers gekommen?

Mit meinem Bruder zusammen bin ich tatsächlich in fünfter Generation Perückenmacher, es ist also eine familiäre Tradition. Die Freude am Beruf wurde uns früh beigebracht und seit 16 Jahren sind mein Bruder Nils (32) und ich daher schon Perückenmacher. Begonnen haben wir damals mit einer Friseurausbildung, danach haben wir uns auf Perücken spezialisiert. Auch wenn eine Friseurausbildung nicht unbedingt notwendig ist, so ist sie doch sinnvoll, weil man eben im späteren Beruf auch viel mit Haaren zu tun hat und so ein besseres Frisurenverständnis bekommt.

Perückenmacher ist ursprünglich ein uralter Beruf, der mal ein ganz normaler Ausbildungsberuf mit einer Dauer von drei Jahren war. Seit circa 15 Jahren kann man diesen allerdings nicht mehr so erlernen. Stattdessen ist es heute nur noch möglich, sich die Perückenmacher-Techniken bei einer Ausbildung zum Maskenbildner anzueignen. Ich selbst habe viel von meiner Familie gelernt und durch einige Zeit, die ich in Asien verbracht habe. Auf den Philippinen und in China sind die Hauptproduktionsstätten für Perücken. Da habe ich mir vieles abgeschaut.

Welche Perücken fertigst du an und für wen?

Wir sind in der Zweithaar-Manufaktur, die ich mit meinem Bruder und meinem Vater zusammen führe, auf den medizinischen Haarersatz spezialisiert. Unsere Hauptkundschaft kommt also aufgrund der Folgen einer Krankheit zu uns. Die Leute haben zum Beispiel eine Chemotherapie oder kämpfen mit kreisrundem Haarausfall, Verätzungen, Verbrennungen und vielem mehr. Jedes Jahr stellen wir rund 400 Perücken her. 95 Prozent der Kund*innen sind Frauen. Ein paar Männer und leider auch Kinder kommen ebenfalls zu mir. Die meisten von ihnen wollen letztlich mit der Perücke ihr vorheriges Aussehen kopieren. Alles soll möglichst so aussehen wie vor dem Haarverlust, damit niemand bemerkt, dass es sich um eine Perücke handelt. Vereinzelt gibt es aber auch Leute, die gleich mehrere Perücken nehmen, damit sie mal in der Länge variieren können, und mal blonde, mal rote oder mal schwarze Haare tragen können. Das ist aber nicht die Regel.

Was gefällt dir an deinem Beruf?

Besonders schön ist es, Menschen helfen zu können. Viele von ihnen kommen traurig in den Laden, schließlich ist es belastend, wenn man seine Haare verliert. Viele gehen aber fröhlich und mit einem Lächeln wieder bei uns heraus. Die Perücken geben den Menschen oft ihr Selbstbewusstsein zurück, sie normalisieren die Situation, die durch die Krankheit ausgelöst wurde, wieder ein wenig. Diesen Menschen auf ihrem schwierigen Weg irgendwie helfen zu können, motiviert mich jeden Tag weiterzumachen.  

Wie entsteht eine Perücke?

Mein Berufsalltag sieht so aus, dass ich mich zunächst um die Materialbeschaffung kümmere, schließlich brauche ich immer passende Haare für die Perücken. Meist werden Haare gespendet, es werden aber auch Haare dazugekauft – zum Beispiel bei Theaterauflösungen, da gibt es immer einige Perücken. Die Haare zu waschen, zu desinfizieren und unterschiedliche Haarfarben zu einer neuen zusammen zu mischen, gehört ebenfalls dazu. Entscheidend ist aber letztendlich die Arbeit an den Kund*innen: Ich messe dafür den Kopf ab, nehme Schädelabdrücke mit einem Glasfaser-Tape und schaue, wie groß der Bereich der Haare ist, der mit der Perücke wieder aufgefüllt werden muss. Die Haare suche ich natürlich immer mit der betroffenen Person aus. Die Perücke wird anschließend in Handarbeit geknüpft. Bei Kunsthaar arbeite ich zudem mit viel Hitze und Dampf, um es zu glätten oder zu locken. Wenn die Perücke fertig ist, gestalte ich dann noch eine Frisur am Kopf des Kunden oder der Kundin.

Was kostet eine Perücke?

Es gibt Kunst- und Echthaarperücken, die Preise sind da unterschiedlich. Kunsthaar ist günstiger. Das fängt bei 300 Euro an und geht dann bis zu 950 Euro hoch. Durchschnittlich kostet so eine Perücke um die 650 Euro. Echthaar hält länger als Kunsthaar und kostet 2000 bis 4500 Euro pro Perücke. Zwei Jahre kann man diese in der Regel dann tragen. Mit der Zeit bleicht das Haar dann aus und muss irgendwann durch eine neue Perücke ersetzt werden. Die Krankenkassen zahlen in der Regel einen Zuschuss zur medizinischen Perücke. Dafür muss der Arzt nur ein Rezept ausstellen, wenn das Haar krankheitsbedingt ausfällt. Je nach Krankenkasse ist der Betrag unterschiedlich. Von 300 bis 1000 Euro Zuschuss sind etwa die Norm. In Einzelfallentscheidungen kann es aber auch mal mehr sein. Bei Kindern sagen wir hingegen, dass wir nur den Krankenkassenzuschuss nehmen. Wir wollen die Familien nicht noch finanziell belasten. Kindern zu helfen macht besonders viel Spaß.

Was verdient ein Perückenmacher?

Man kann den Beruf am ehesten mit einem Maskenbildner vergleichen, denn die Arbeit ist tatsächlich sehr ähnlich. Daher verdient man so um die 2000 bis 2500 Euro brutto im Monat.

Wie reagieren andere, wenn du von deinem Job erzählst?

Immer sehr interessiert! Die Leute fragen viel nach, weil es kein Beruf ist, den viele haben. Ich wurde  schon vom Friseur bis hin zum Orgelbauer auf alles Mögliche geschätzt.

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