3000 Euro brutto für den Supply Chain Manager eines großen Kaffeeherstellers

Franck, 30, vergleicht seine Arbeit mit dem Backen eines Kuchens.
Protokoll von Caroline Bergwinkl
jobkolumne supply chain

Foto: privat; Illustration: jetzt

Wie sieht dein Alltag als Supply Chain Manager aus?

Für einen Kuchen braucht man verschiedene Zutaten, damit er schmeckt. Man muss Mehl, Butter und Eier in einer bestimmten Reihenfolge hinzugeben und den Teig ordentlich kneten, bevor man ihn ausrollt. Das beschreibt ziemlich gut meine Arbeit als Supply Chain Manager eines großen Kaffee Herstellers. Meine Kollegen und ich arbeiten in einer Produktionskette, in der jeder für eine ganz bestimmte Aufgabe zuständig ist. Passiert ein Fehler, müssen wir sofort reagieren. Wie beim Kuchenbacken hängt unser Erfolg vom genauen Einhalten des „Rezepts“ ab. Unser Kaffee wird unter anderem in Kolumbien, Brasilien und Äthiopien angebaut und nach Europa verschifft. Im Zentrallager in Deutschland wird er gereinigt und je nach Bedarf an verschiedene Fabriken zur Weiterverarbeitung geschickt. Genau das ist meine Aufgabe: Ich sorge dafür, dass der Kaffee reibungslos geliefert wird und dem Produktionsteam in der richtigen Menge und zur richtigen Zeit zur Verfügung steht. Anschließend wird der Kaffee geröstet, gemahlen, abgefüllt und eingepackt.

Meistens sitze ich den ganzen Tag im Büro, stehe mit Lieferanten und Spediteuren aus der ganzen Welt in Verbindung und prüfe, ob unsere Bestellungen richtig ausgeführt wurden oder koordiniere sie in unserem Werk. Wenn unsere Qualitätsansprüche bei einer Ware nicht eingehalten wurden, reklamiere ich diese beim Lieferanten. Gibt es Transportschäden in einem Werk, fahre ich manchmal direkt hin oder bestelle einen Sachverständigen. Ich habe keinen Kundenkontakt, dafür sind andere Abteilungen im Unternehmen zuständig. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht aus administrativen Tätigkeiten, ich analysiere unsere Lieferprozesse, um sie immer wieder zu verbessern.

Was hat sich durch die Corona-Krise verändert?

An meiner Arbeit selbst hat sich wenig verändert, meine Kollegen und ich haben im März und April teilweise im Homeoffice gearbeitet, damit sich weniger Menschen gleichzeitig im Büro aufhalten. Für die internationale Produktionskette ist die Corona-Krise aber eine große Herausforderung, besonders wenn Landesgrenzen geschlossen sind. Für eine bestimmte Zeit gab es beispielsweise überhaupt keine Garantie mehr, dass wir Waren von italienischen Lieferanten bekommen. Das war ganz schön nervenaufreibend und wir mussten uns eine neue Bestandspolitik überlegen. 

Wie ist dein Verhältnis zu den Kolleg*innen?

Mit einigen Kollegen bin ich privat befreundet, die meisten sehe ich aber nur im Büro. Das hängt auch vom Standort ab, in Großstädten bietet unser Unternehmen Afterwork-Partys und Team- Events nach Feierabend an, bei uns gibt es das eher selten. Das Geschlechterverhältnis ist ausgewogen, es arbeiten etwa gleich viele Männer und Frauen als Supply Chain Manager bei uns.

Wie bist du Supply Chain Manager geworden?

Ich komme aus Kamerun und habe in Douala einen Bachelor in Logistik gemacht. Es war schon immer mein Traum, einen Master im Ausland zu machen, um meine beruflichen Chancen zu verbessern. Für mich wäre es relativ einfach gewesen in Frankreich zu studieren, da meine Muttersprache Französisch ist und das Bildungssystem in Kamerun dem französischen sehr ähnlich. Ich wollte aber eine Herausforderung und habe mich deshalb für Deutschland entschieden. 

Während meines Masters in Logistik habe ich ein Praktikum bei meinem jetzigen Arbeitgeber absolviert und verschiedene Abteilungen kennengelernt. Mit hat es von Anfang an super gefallen, da ich schon als Praktikant Verantwortung für kleine Projekte übernehmen konnte und sogar an Meetings mit Abteilungsleitern teilnehmen durfte. Nach meinem Abschluss haben sie mich übernommen und mittlerweile arbeite ich seit fünf Jahren dort. Für meinen Job braucht man nicht unbedingt einen Master-Abschluss, viele meiner Kollegen haben eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich gemacht und konnten nach einigen Berufsjahren als Supply Chain Manager arbeiten. 

Was gefällt dir an deinem Job?

Mir gefallen besonders die Internationalität und das gute Arbeitsklima im Büro. Es macht mir sehr viel Spaß, verschiedene Sprachen zu sprechen und mich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Es kommt nie Langeweile auf und es motiviert mich zu wissen, dass ich einen kleinen Teil dazu beitrage, dass wir unseren Kaffee hier in Deutschland trinken können. Ich trinke selbst gerne Kaffee und sitze durch meinen Job direkt an der Quelle. In unserem Büro haben wir eine Kaffeemaschine und können neue Kaffeesorten ausprobieren, bevor sie auf den Markt kommen. 

Welche Herausforderungen stellen sich dir als Supply Chain Manager?

Kommt es beispielsweise zu einem Streik in einer Kaffeeplantage in Brasilien, muss ich mit Hochdruck daran arbeiten, einen anderen Lieferanten für die Bestellungen zu finden. Manchmal passiert es auch, dass Lieferanten die Ware nicht rechtzeitig verschiffen und im schlimmsten Fall das Produktionsteam keinen Kaffee zur Weiterverarbeitung hat. Da muss ich sofort reagieren und eine Lösung finden, die möglichst wenig Schaden anrichtet. 

Wie viel verdienst du?

Ich verdiene 3000 Euro brutto im Monat. Von diesem Gehalt kann ich zwar gut leben, wünsche mir aber zukünftig trotzdem mehr Geld. Das Gehalt eines Supply Chain Managers hängt von der Größe des Unternehmens sowie der Berufserfahrung ab. 

Welche beruflichen Pläne hast du?

Ich kann mir gut vorstellen, langfristig bei meinem Arbeitgeber zu bleiben und noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Eine Stufe über mir ist der Produktionsplaner, der einen größeren Überblick über die gesamte Produktion hat und die Verträge mit den Kaffeeplantagen verhandelt und abschließt. Mein Unternehmen hat viele Standorte in Europa und deshalb wäre es auch möglich, dass ich zum Beispiel in der Schweiz oder Frankreich arbeite. 

Welche Frage wird dir immer gestellt, wenn du von deinem Beruf erzählst?

Die meisten wissen nicht genau, was ein Supply Chain Manager den ganzen Tag so macht. Wenn ich erkläre, dass ich für die Lieferungen von Kaffee aus der ganzen Welt zuständig bin, reagieren die meisten positiv. Ich habe aber auch schon mitbekommen, dass Leute die Arbeit in Großkonzernen verurteilen, weil sie ihnen Ruchlosigkeit vorwerfen. Ich kann das schon verstehen, für mich überwiegen aber die positiven Seiten, da mir die Arbeit einfach Spaß macht.

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