3000 brutto für die Social-Media-Managerin

Influencerin möchte Maike nicht werden, sie macht lieber Social-Media-Marketing für andere.
Foto: Vera Horstmann; Grafik: jetzt

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Was man als Social-Media-Managerin macht 

Ich arbeite in einer eher kleinen Kreativ-Agentur. Wir betreuen die Social-Media-Auftritte von etwa 20 Kund:innen. Mein Job ist vielseitig, dennoch gibt es ein paar feste Routinen. Morgens gehen wir im Büro die Termine des Tages durch, bereiten uns vor und ziehen Tarotkarten, das ist unsere Agentur-Tradition. Außerdem checke ich jeden Account auf neue Nachrichten und hochgeladene Postings und update die Instagram-Storys. Generell ist es wichtig, auf Nachrichten oder Kommentare schnell zu reagieren.   

In der Regel habe ich auch Termine außerhalb des Büros, Shootings zum Beispiel. Wir drehen dann Reels oder machen Fotos. Für einen guten Überblick besprechen wir uns vorab innerhalb des Social-Media-Teams, erstellen Konzepte und brainstormen. Um genau zu wissen, was für Erwartungen die Unternehmen haben, arbeiten wir eng mit ihnen zusammen und tauschen uns oft aus. Es ist nicht immer einfach, alle Wünsche zu erfüllen, aber die Herausforderung macht Spaß. Gibt es am Ende gutes Feedback von den Kund:innen, bin ich happy.   

Was der Job mit dem Privatleben macht  

Ich habe weniger Lust, privat Social Media zu nutzen, weil ich beruflich sehr viel am Handy bin. Wenn ich doch durch meinen eigenen Feed scrolle, sehe ich auch die Postings von Freund:innen durch die Brille einer Social-Media-Managerin. Da fällt mir dann sofort Optimierungspotential auf. Unsere Kund:innen habe ich auch privat abonniert. Am Anfang hatte ich immer Panik, dass Fehler in den Postings sind. Das hat mich belastet. Mittlerweile bin ich da entspannter. Außerdem muss man aufpassen, dass man sich nicht komplett durch soziale Medien beeinflussen lässt. Wenn man ein gesundes Mittelmaß für sich findet, zum Beispiel durch bewusste Offline-Zeiten, können Instagram und Tiktok bereichernde Tools sein. Dennoch würde ich die Plattformen gerne mal für zwei Wochen löschen und gucken, wie sich das so anfühlt. Das geht nur leider mit dem Job nicht. 

Für wen ich kein Marketing machen würde 

Generell würde ich für Unternehmen, die unauthentisch sind oder ihre Kund:innen abzocken, nicht arbeiten. Wir wurden aber auch mal von einem Stripclub angefragt, das haben wir auch abgelehnt.

Wie ich Social-Media-Managerin geworden bin 

Nach dem Abi hatte ich keinen Plan, was ich machen soll. Ich wusste nur, dass ich medienaffin bin. Deswegen habe ich Medienmanagement im Bachelor studiert. Das Studium war eher theoretisch, dennoch war es naheliegend, danach in eine Werbeagentur zu gehen. Über eine Freundin bin ich vor zwei Jahren zu meinem jetzigen Arbeitgeber gekommen. Dafür bin ich wieder zurück in die Heimat gezogen. Es ist schön, dass man in dieser Branche ziemlich frei ist und fast überall arbeiten kann. Während es für die Gehaltsverhandlung gut ist, einen Bachelor oder Master in der Richtung zu haben, braucht man das – meiner Meinung nach – für den Job selbst nicht. Quereinsteiger:innen können genauso gut in einer Agentur oder einem Unternehmen starten und dabei alle Skills erlernen.

Welche Fragen man auf Partys gestellt bekommt

Ich werde oft gefragt, ob ich irgendein bekanntes Unternehmen betreue und ob ich handysüchtig bin. Meistens wird noch hinterhergeschoben: „Ich könnte ja nicht immer den ganzen Tag am Handy sein.“ Da muss ich immer schmunzeln. Manche wollen auch wissen, ob ich automatisch auch Fotografin bin. Und ja: In einer kleinen Agentur kann es gut sein, dass man da in mehrere Rollen schlüpft.

Einer meiner absurdesten Social-Media-Momente

Ganz am Anfang meiner Berufslaufbahn wurde ich mal von einer Schönheitsklinik beauftragt. Da habe ich dann einen Termin für ein Shooting ausgemacht und bin dort vorbeigefahren. Erwartet habe ich ästhetische Vorher-Nachher-Fotos. Auf einmal stand ich aber mitten in einer Nasen-OP und war total überfordert. Eigentlich kann ich sowas überhaupt nicht gut sehen, aber irgendwie habe ich das durchgezogen und weiter Fotos und Videos für Instagram gemacht.

 Welche Eigenschaften man für den Job braucht  

Das Wichtigste ist, dass man kreativ ist. Du musst dir immer etwas Neues überlegen, um die Follower:innen zu catchen. Es hilft, wenn man um die Ecke denken kann. Generell sollte man natürlich medienaffin sein und sich viel mit Instagram und Tiktok beschäftigen. Und es ist wichtig, dass man texten kann. Bei unterschiedlichen Kund:innen muss man den Überblick behalten können, organisiert, spontan und auf Zack sein. Dafür sollte man mit Stress gut umgehen und sich in die unterschiedlichen Unternehmen einfühlen können. Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Skills sind genauso wichtig. Es kommt oft auf Eigeninitiative an. Zudem sollte man kritikfähig sein. 

Vorstellung vs. Realität

Die meisten Leute sehen den Aufwand hinter dem Content nicht. Sie denken, dass ich einfach nur Fotos mache, am Handy chille und ab und zu mal was poste. Als wäre der Job keine richtige Arbeit. Dabei mache ich einen ganz normalen Marketing-Job, der sich eben auf das Handy verlagert hat. Unternehmen authentisch zu repräsentieren, ist komplex. Da gibt es viele Bausteine, die eingebracht werden müssen. 

Wie viel man als Social-Media-Managerin verdient

Als Einstiegsgehalt habe ich 2500 Euro brutto verdient, das ist ziemlich normal für unsere Branche. Nach zwei Jahren in der Agentur habe ich mehr Aufgaben und Verantwortung übernommen. Mittlerweile verdiene ich, wenn ich Vollzeit arbeite, brutto 3000 Euro. Das ist ein durchschnittliches Gehalt. Je nach Größe der Agentur, Erfahrung und je nachdem, wie viel Verantwortung man übernehmen möchte, kann man auch mehr verdienen. Unternehmen zahlen oft nochmal besser als Agenturen. Ich komme mit meinem Geld aber gut aus.

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