Horror-Nebenjob: Protein-Shakes und Langeweile

Kein spannender Job: Proteinshakes mischen im Fitnessstudio.
Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Horrorstufe: 3 von 10

Chef: gefühlt gab es da nur Vorgesetzte 

Bezahlung: Mindestlohn (damals 7,50 Euro pro Stunde)

Erlernte Skills: Zeit totschlagen

„In meiner Studienzeit arbeitete ich nebenbei für drei Monate in einem Fitnessstudio, um mir etwas dazuzuverdienen. Ich stand dafür an einem Tresen, direkt neben der Rezeption und bereitete Proteinshakes zu. Dabei musste ich ein zitronengelbes T-Shirt mit einem ebenfalls gelben Logo darauf tragen. Ich fühlte mich in dem Outfit überhaupt nicht wohl. Rückblickend haben es dann allerdings nicht sehr viele Menschen gesehen, da kaum Kundschaft vorbeikam.

Ähnlich wie in einer Eisdiele standen auf dem Tresen mehrere große Proteinbehälter aus Plastik, gefüllt mit verschiedenen Pulversorten. Meine Aufgabe bestand darin, immer eine genau vorgegebene Menge herauszuholen, in Wasser anzurühren und in einen Shaker zu geben. Kulinarisch war das also auch nicht wahnsinnig aufregend.

Ich war außerdem mit meiner Aufgabe alleine, es gab also auch keine Kolleg*innen, mit denen ich meine einsamen Stunden hätte teilen können. Generell hatte ich den Eindruck, unter den anderen Mitarbeiter*innen des Fitnessstudios nur Vorgesetzte zu haben. Niemand sprach mit mir, niemand erkundigte sich wie es mir ging und wie ich mich in meine Arbeit eingefunden hatte. Es wurde dementsprechend sehr schnell sehr langweilig.

Nach drei Monaten wusste ich gar nicht mehr, wie ich mir die Zeit vertreiben sollte

Wenn doch mal Kundschaft kam, waren es oftmals die gleichen Leute. Keine Pumper und Muskelmänner, wie ich es mir anfangs vorgestellt hatte. Vermutlich hatten die ihre Eiweißshakes bereits vor dem Training zubereitet. Es kamen eher die Normalos. Und die blieben auch nie lange.

Proteinshakes sind nichts, das man besonders genießt. Man trinkt sie flott zwischendurch, um dann weiter zu trainieren. Noch dazu war der Tresen kein einladender Aufenthaltsort. Er war sehr schlicht und klein und kaum dekoriert. Kein Ort, an dem man sich es gemütlich machen wollte.

Es gab leider auch keine Mischungen. Das hätte die Aufgabe zumindest noch etwas abwechslungsreicher gemacht, doch bestellt wurde immer nur eine bestimmte Sorte – am häufigsten war das tatsächlich ganz klassisch: entweder Vanille oder Schokolade. Kreativ austoben konnte ich mich nur, wenn ich alleine war. Manchmal blieben Reste im Shaker übrig. Die habe ich dann vermischt und selbst gekostet. Schokolade mit Mandarine kann ich auf jeden Fall empfehlen. Diese Kombination schmeckt richtig gut und ist vielleicht ein kleiner Geheimtipp, der dort aus der Langeweile entstand. Irgendwann kamen allerdings auch meine Ideen zum Pulver-Kombinieren zu einem Ende. Ich hatte meinen „Proteingrenzwert“ in den vergangenen Monaten gefühlt für mein Leben gesättigt. Nach drei Monaten wusste ich gar nicht mehr, wie ich mir die Zeit vertreiben sollte. Ich habe dann gekündigt und einen anderen Job begonnen. Proteinshakes habe ich nach meiner Zeit im Fitnessstudio nie wieder getrunken.“

  • teilen
  • schließen