Horror-Nebenjob: Überfordert im Café

In dieser Serie geht es um schräge Nebenjobs. Diesmal erzählt Leser Constantin von Planlosigkeit und einer Befreiungsaktion aus dem Klo.
Protokoll von Mayank Sharma
horrornebenjob kellner cover

Bedienen als bequemer Nebenjob? Eher nicht.

Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

Horror-Stufe: 5 von 10 

Chef: Der jung-reiche Immobilienmakler Daniel. Ab und zu kam er mit dem Porsche vorbei, um die Umsätze abzuholen.

Bezahlung: Mindestlohn plus Trinkgeld

Erlernte Skills: Gastroerfahrung und die Liebe zum Kaffeekochen

„Mit 16 Jahren begann ich als Aushilfe in einem Café zu jobben. Gerade an Tagen mit gemäßigten, mittleren Temperaturen war das Café gut besucht, sodass sowohl drinnen als auch draußen auf dem Platz alle Tische belegt waren. Das bedeutete für mich vor allem: komplette Überforderung, weil ich nachmittags immer alleine in der Schicht war. Mein Verantwortungsbereich war einfach viel zu groß. Ich musste bedienen, abräumen, abkassieren, Geschirr abspülen, Kuchen schneiden und servieren, Sandwiches machen. All das musste ich gleichzeitig und alleine bewältigen.  

Einmal, als ich eine ruhige Minute hatte, ging ich aufs Klo. Das befand sich in einem Holzverschlag im Hinterhof. Als ich die Kabine verlassen wollte, hielt ich plötzlich die Klinke in der Hand. Die war wohl zuvor schon häufiger abgefallen, aber das wusste ich nicht. Ich wurde unruhig, versuchte die Tür mit irgendwelchen anderen Mitteln zu öffnen. Das hat aber auch nicht geklappt. Ich war eingesperrt. Im Nachhinein würde ich sagen, hätte ich mich einfach gegen die Tür werfen sollen. Dann wäre die schon aufgegangen. Ich bin nämlich 1,90 Meter groß.

In diesem Moment aber dachte ich nur an eine Fluchtmöglichkeit: das Fenster. Der Holzverschlag hatte so ein typisches, kleines Klofenster, das über Kopfhöhe angebracht war. Also stieg ich auf die Kloschüssel, stützte mich auf das Fensterbrett und bugsierte mich mit dem Kopf voran aus dem Fenster heraus. Dabei hatte ich schon die gestapelten Müllsäcke im Blick, über die ich mich schließlich umständlich herunterlassen musste. Während ich noch halb feststeckte, dachte ich mir: Das war’s jetzt. Tatsächlich: An diesem Tag arbeitete ich zum letzten Mal dort. 

Danach dauerte es nur noch wenige Monate, bis das Café schloss und den Besitzer wechselte

Kurz danach war noch eine Mitarbeiterversammlung mit dem Chef. Ich war nämlich bei weitem nicht der Einzige, der Probleme mit der Arbeit im Café hatte. Auch im Klo hatten sich schon andere vor mir versehentlich eingeschlossen. Bei der Besprechung zeigte der Chef aber keine Einsicht. Er meinte, dass wir nicht effizient und effektiv genug arbeiten würden. Er wollte uns außerdem noch ein paar Sachen zeigen, um die Arbeitsabläufe zu verbessern. Dann würde das schon gehen. 

Nach dieser Besprechung kündigte mehr als die Hälfte der Belegschaft. Auch meine Vorgesetzte, die für den Betrieb verantwortlich war, hörte auf, dort zu arbeiten. Danach dauerte es nur noch wenige Monate, bis das Café schloss und den Besitzer wechselte.“

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