1140 Euro brutto für den Seilbahntechniker

David ist im dritten Lehrjahr und kümmert sich darum, dass im Skigebiet am Arber alles läuft. Dabei gibt es den Beruf, den er lernt, hierzulande eigentlich gar nicht.
Protokoll von Jonas Kraus
jobkolumne seibahn techniker cover

David ist 21 und macht in Bayern eine Ausbildung zum Seilbahntechniker – dabei gibt es den Beruf in Deutschland gar nicht.

Foto: Privat / Bearbeitung: jetzt

Wieso willst du Seilbahntechniker werden?

Bei mir war es die Liebe zum Skifahren, die mich dazu gebracht hat. Mein Vater ist Skilehrer, ich stehe schon seit ich klein bin auf Skiern. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich die Skilifte genauso interessieren wie das Skifahren an sich. Ich finde Seilbahnen einfach imposant. Ein Beförderungsmittel das schwebt. Schon als 12-Jähriger war mir klar: Ich will unbedingt mal in diesem Bereich arbeiten. Ich probierte und tüftelte damals schon viel rum und baute einen kleinen Schlepplift im eigenen Garten. Nach dem Abitur studierte ich dann zunächst Maschinenbau in München. Vorher absolvierte ich unter anderem ein Praktikum beim Lifthersteller Leitner, ich kam vom Thema Seilbahnen also nie ganz los. Ich merkte dann beim Studium, dass ich lieber etwas Praktischeres machen will, viel draußen sein und handwerklich arbeiten. Weil ich mich mit dem Thema immer wieder beschäftigt habe, kam ich dann auf die Idee, eine Ausbildung zum Seilbahntechniker zu machen. Ich informierte mich ein wenig und mir war klar: Das ist genau das Richtige für mich.

Wie kamst du zu deinem Ausbildungsplatz zum Seilbahntechniker?

Weil ich sehr heimatverbunden bin, habe ich einfach mal bei den Arber-Bergbahnen im Bayerischen Wald nachgefragt, ob ich bei ihnen diese Ausbildung machen könnte. Das ist eigentlich gar nicht so einfach, weil es diese Ausbildung in Deutschland leider gar nicht gibt. Das Unternehmen griff meinen Wunsch aber sofort auf und ermöglichte mir eine länderübergreifende Ausbildung.

Jetzt kann ich meine Ausbildung in Österreich absolvieren, an der Landesberufsschule Hallein in der Nähe von Salzburg. Dort bin ich einer von ganz wenig Deutschen. Insgesamt dauert die Ausbildung etwas mehr als drei Jahre, an der Schule sind wir pro Jahr neun Wochen am Stück.

In Deutschland wird diese Ausbildung aktuell nicht anerkannt, was für mich nicht nachvollziehbar ist. Um trotzdem in Deutschland einen Abschluss zu haben, absolviere ich parallel noch eine Ausbildung zum Industriemechaniker.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Das kommt total auf die Jahreszeit an. Die Hauptarbeitszeit ist der Sommer. Dann machen wir das Skigebiet wieder flott. Wir reparieren die Lifte, bessern Schäden an den Schneeerzeugern aus oder kümmern uns um die Pistenraupen, die ja im Winter jeden Tag im Einsatz sind. Da gibt es immer was zu tun. Im Winter ist das total anders. Da kontrollieren wir am Morgen oft, ob die Piste sicher ist und die Markierungen und Zäune alle in Ordnung sind. Zum Alltag im Winter gehört auch der Seilbahndienst. Vereinfacht gesagt sitzen wir dann da und beobachten die Skifahrer beim Ein- und Aussteigen im Lift. So einfach ist das aber nicht. Es ist wichtig, die ganze Zeit konzentriert zu sein, um Unfälle zu vermeiden. Wenn zum Beispiel ein Kind beim Einstieg aus dem Sessellift fällt, müssen wir sofort reagieren und den Lift stoppen.

Was ist das Schönste am Beruf?

Dass er so unfassbar abwechslungsreich ist. Vor allem im Sommer ist kein Tag gleich. An einem Tag stehe ich in luftiger Höhe auf einer Seilbahnstütze und tausche die Rollen aus, am nächsten Tag repariere ich einen kleinen Schlepplift und wieder einen Tag später kümmere ich mich um eine Pistenraupe oder einen Schneeerzeuger. Es wird nie langweilig und ich bin jeden Tag an der frischen Luft. Im Sommer sind am Arber immer richtig viele Wanderer unterwegs, die von weit herkommen. Dann wird mir erst wieder bewusst, was für einen schönen Beruf ich habe. Ich kann da arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Muss man ein guter Skifahrer sein, um Seilbahntechniker zu werden?

Nicht zwangsläufig, aber es schadet nicht. Im Winter muss man sich ja im Skigebiet sicher bewegen können. Wichtiger ist aber, dass man sich für Technik begeistern kann, schwindelfrei ist und handwerklich begabt ist. Und dass man kein Problem damit hat, auch bei schlechtem Wetter draußen zu arbeiten. Schließlich scheint am Berg nicht jeden Tag die Sonne.

Wie beeinflusst Corona deinen Alltag?

Die Pandemie hat eigentlich alles verändert. Normalerweise wäre jetzt am Arber Hochsaison, doch bislang dürfen die Lifte nicht öffnen. Wir haben im Herbst alles so weit vorbereitet, dass wir jederzeit öffnen hätten können. Doch bislang ist nicht absehbar, ob es noch eine Skisaison 2020/21 geben wird in Deutschland. Deshalb sitze ich seit Dezember weitestgehend zuhause, die Mitarbeiter sind alle in Kurzarbeit.

Was wollten die Leute von dir wissen, wenn du (vor Corona) auf einer Party von deinem Beruf erzählt hast?

Ich weiß nicht, wie oft ich schon gefragt wurde, was ich eigentlich im Sommer mache. Ich zähle schon lange nicht mehr mit. Alle denken immer, wir arbeiten nur im Winter, wenn die Seilbahnen laufen und liegen im Sommer auf der faulen Haut. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Unsere Hauptarbeit findet im Sommer statt, wenn die Seilbahnen still stehen. Dann müssen wir alles reparieren und auf Vordermann bringen, im Winter ist dafür ja keine Zeit. In der Skisaison muss alles reibungslos laufen.

Was verdient ein Seilbahntechniker?

Ich bin im dritten Ausbildungsjahr. Meine Ausbildungsvergütung ist an die des Industriemechanikers angelehnt und da kann ich mich absolut nicht beschweren. Aktuell verdiente ich 1140 Euro brutto im Monat. Was ich danach verdienen werde, kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Aber die Aufstiegschancen sind gut, ich will auf jeden Fall langfristig in diesem Beruf arbeiten.

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