2500 brutto für die Drehbuchautorin

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Wie man Drehbuchautor:in wird

Eigentlich gibt es zwei klassische Wege, wie man Drehbuchautor:in (da Karla beim Sprechen gendert, haben wir das auch in die Schriftform übernommen, Anm. d. Redaktion)  wird. Entweder, man besucht wie ich eine Filmhochschule. Oder man versucht mit ganz viel Eigeninitiative Kontakte in die Filmbranche zu bekommen und rutscht so rein. Das Studienfach Drehbuch ist in Deutschland noch relativ neu. Heute kann man an verschiedenen staatlichen und privaten Hochschulen Drehbuch studieren. Ich studiere an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München. Fast alle Hochschulen haben ein Auswahlverfahren, das auch oft anspruchsvoll ist. Hat man es dann aber geschafft, stehen die Chancen gut, dass man in der Branche Fuß fasst. Ich habe wahnsinnig interessante Menschen während meines Studiums an der HFF kennengelernt, seien es Kommiliton:innen oder Menschen aus der Filmbranche. Von diesen Kontakten profitiere ich immer wieder. Neben einem theoretischen Grundbau, wie beispielsweise Dramaturgie oder Filmgeschichte, geht es während des Studiums an einer Filmhochschule vor allem darum, sich praktisch als Filmemacher:in auszuprobieren.

Ich kenne aber auch Kolleg:innen, die Quereinsteiger:innen sind und vorher etwas ganz anderes gemacht haben. Es gibt zum Beispiel die Drehbuchwerkstatt München, in der erfahrene Filmemacher*innen mit Autor:innen, die das nicht studiert haben, ein Drehbuch entwickeln. Für die Drehbuchwerkstatt sind keine großen Vorerfahrungen nötig und es sind schon Kinofilme, wie zum Beispiel „Vincent will Meer“, dabei herausgekommen. Die Filmbranche sucht gefühlt momentan sehr stark nach neuen Autor:innen, das liegt vor allem an den Streaminganbietern, die immer mehr werden und auch immer mehr Content brauchen. Aber auch die öffentlich-rechtlichen Sender wollen mit ihren Angeboten mithalten können. Wenn man wirklich Drehbuchautor:in werden will, findet man auch seinen Weg.

Diese Eigenschaften sollte ein:e Drehbuchautor:in haben

Das Wichtigste, und das gilt für alle künstlerischen Berufe, ist eine gewisse Schamlosigkeit. Man sollte keine Angst vor den Dingen, die man schreibt und entwickelt, haben - auch nicht vor der eigenen Geschichte. Ich bekomme immer wieder mit, dass Menschen Angst haben, persönlich zu erzählen, weil sie denken, sie seien zu langweilig oder ihr Leben zu irrelevant. Ich glaube aber, dass viele gute Geschichten persönliche Geschichten sind. Diesen Mut, sein Inneres nach Außen zu tragen und das auch ehrlich zu tun, ist sehr wichtig als Drehbuchautor:in.

Wie der Berufsalltag aussieht

Ich arbeite erst seit zwei Jahren als Drehbuchautorin, bin also noch am Anfang. Neben meinem Studium an der HFF entwerfe ich Illustrationen für Exposés anderer Autor*innen. Parallel arbeite ich an verschiedenen Stoffen, für die ich Konzepte entwickle. Meistens sind das Serienkonzepte für unterschiedliche Firmen. Es sind oft Komödien, aber auch Dramen. Momentan ist auch ein Thriller dabei. Ich bin da sehr offen. Ich habe es mir, nach einer langen Zeit des Chaos, zur Angewohnheit gemacht, immer vor 8 Uhr morgens aufzustehen und mich jeden Tag zwischen 8 und 10 Uhr hinzusetzen und zu schreiben. Das hilft mir, mich selbst zu strukturieren. Außerdem bin ich viel alleine, das ist auch etwas, was ich lernen musste. Ich arbeite zwar auch mit anderen Autor:innen zusammen, trotzdem gibt es viele Tage, wo ich einfach stundenlang alleine in der Wohnung sitze. Irgendwie ist das schön und furchtbar. Die Arbeit kann auch einsam sein. Damit muss man als Autor:in aber klarkommen. Der Kampf des Tages ist es eigentlich, sich einfach hinzusetzen. Das Schreiben ist ein Job, da darf man nicht auf Inspiration warten, sondern muss einfach arbeiten. Diese Motivation muss alleine von dir kommen. Da gibt es niemanden, der dich dazu zwingt. Es gibt kein Büro, in das du jeden Tag gehen musst. Außer die Deadlines hast du nichts - deshalb bin ich auch sehr dankbar um jede Deadline!

Was der Job mit dem Privatleben macht

Die meisten meiner Freund:innen kommen mittlerweile aus der Filmbranche. Ich habe sehr wenig Zeit außerhalb meiner Projekte, das ist wirklich ein Problem. Man hat Deadlines und wahnsinnig arbeitsintensive Phasen. Ein großer Teil des Jobs als Drehbuchautor:in ist es auch, neue Leute aus der Filmbranche auf Partys oder beim Kaffee trinken kennenzulernen. Das ist natürlich schön, aber vielleicht geht man dann nicht mehr auf so viele andere Partys.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Eine Frage, die mir sehr oft auf Partys gestellt wird: Woher nimmst du deine Ideen? Lange hatte ich darauf keine Antwort und habe einfach irgendwas gesagt. Aber letztens ist mir endlich eine befriedigende Antwort eingefallen: Es gibt gar keine Ideen! Ich beobachte einfach nur die Welt und habe Interesse an verschiedenen Dingen und Menschen. Es gibt Dinge, die mich faszinieren und begeistern. Die muss ich finden und das sind dann vielleicht Ideen. Eigentlich hat es nur damit zu tun, ein aufmerksamer Mensch zu sein und wertzuschätzen, in welcher Welt man selbst lebt. Und aus dieser Wertschätzung heraus dann zu sagen: Guck mal, das könnte man sich doch 90 Minuten lang anschauen. Es geht darum, diese Momente zu finden. Das kann aber glaub ich jeder.

Vorstellung vs. Realität

Am Anfang hatte ich gar keine richtige Vorstellung von dem Beruf. Trotzdem bin ich jetzt erstaunt, dass es beim Schreiben auch oft um Konstruieren und Analysieren geht. Oft besteht die Arbeit darin, die Dinge richtig zu rücken und viel nachzudenken. Gerade bei Unterhaltungsformaten sind es fast mathematische Gleichungen, das hätte ich so nicht gedacht. Hinter erfolgreiche Serien, wie beispielsweise „The Queen‘s Gambit“, stehen wirklich gut durchdachte Bücher, die genau wissen, wie man die Zuschauer:innnen an die Hand nimmt.

Außerdem dauert es sehr lange, bis Dinge umgesetzt werden und viele Projekte werden gar nicht umgesetzt - man schreibt also auch viel für die Tonne.

Das Schönste am Job

Ich darf so viele unterschiedliche Sachen machen, das ist so schön! Mittlerweile könnte ich mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Ich bin in nichts Expertin, aber finde alles interessant. Als Drehbuchautorin habe ich die Möglichkeit, mich immer wieder total in eine Materie zu vertiefen, das ist richtig toll!

Warum Drehbücher schreiben und keine Romane?

Mit zwölf Jahren habe ich beschlossen, dass ich Filme machen will. Seitdem habe ich diesen Plan verfolgt und bin sehr froh, dass das auch so funktioniert hat. Aber es gibt durchaus viele Drehbuchautor:innen, die auch Prosa schreiben und umgekehrt. Letztendlich geht es um die Geschichten. Vielleicht ist es ein bisschen wie mit Instrumenten. Man mag Musik und sucht sich dann sein Instrument. Wir Autor:innen wollen Geschichten erzählen und suchen uns auch unser Medium. Bei mir ist es eben der Film. Das heißt aber nicht, dass man kein anderes Instrument spielen könnte oder will.

Das Gehalt

Wie gesagt, ich arbeite erst seit zwei Jahren als Drehbuchautorin und bin deshalb noch ganz am Anfang. Momentan komme ich durchschnittlich in etwa auf 2.600 Euro brutto im Monat. Aber auch das ist schwer zu sagen, da ich kein festes monatliches Gehalt habe. Bis jetzt habe ich vorwiegend mit Konzepten gearbeitet. Wenn man in einem Writers Room sitzt, also zusammen mit anderen Drehbuchautor:innen eine Serie entwickelt, geht es nochmal um ganz andere Beträge. Grundsätzlich kann man als Drehbuchautor:in echt gutes Geld verdienen. Für eine Serienfolge kann es schon mal 25.000 Euro geben, für einen Film auch viel mehr. Das hängt natürlich stark von den Erfahrungen und den bisherigen Projekten ab.

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