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Bis zu 7000 Euro brutto für den Privatkoch

Marius, 30, hat auch schon auf Yachten für seine Kund:innen gekocht.
Foto: Independent-Light GmbH/Bearbeitung: SZ Jetzt

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Marius Mutschinski, 30, ist Privatkoch. Er arbeitet etwa fünfzig Stunden in der Woche und fährt zu seinen Kunden nach Hause. Diskret zu sein und ein Gespür für Situationen zu haben ist dabei ein wichtiger Teil seines Berufs.

Was ich als Privatkoch mache

„In erster Linie schenke ich wohlhabenden Menschen Zeit. Die fehlt ihnen nämlich oft. Statt vor oder nach der Arbeit in der Küche zu stehen, möchten sie zum Beispiel Zeit mit ihrer Familie verbringen. Dafür buchen sie sich einen Privatkoch wie mich. Ich bereite bei ihnen zuhause dann entweder ein Frühstück vor, koche zu Mittag oder zu Abend. Dafür muss ich mir natürlich auch Gerichte überlegen, die ich meist im Vorfeld abspreche, und auch einkaufen. In der Regel habe ich maximal zehn Kunden über das Jahr verteilt, für die ich dafür aber regelmäßig arbeite. Zu einigen von ihnen fahre ich mehrmals die Woche. Vereinzelt koche ich auch für Geschäftsessen, das kommt aber eher selten vor.“

Wie ich zu dem Job gekommen bin

„Ich habe mich schon immer für das Kochen interessiert, deshalb habe ich nach der Schule eine Ausbildung zum Koch gemacht. Gelernt habe ich im Fünf-Sterne-Hotel Vier Jahreszeiten in München. Im Anschluss habe ich in verschiedenen Sterne-Küchen gearbeitet, etwa auf Sylt oder in Bergisch Gladbach. Danach habe ich in einem Restaurant als sogenannter ,Service-Supervisor‘ das Service-Team geleitet und war mehrere Monate als Butler auf einem Luxuskreuzfahrtschiff unterwegs – der MS Europa 2. Schließlich habe ich an der Hotelfachschule gelernt.   

Mit all diesen Erfahrungen bin ich sehr breit ausgebildet. Das wird auf dem luxuriösen Niveau, auf dem ich arbeite, auch erwartet. Doch oft reicht das noch nicht, um als Privatkoch arbeiten zu können. Wohlhabende Leute lassen nicht jeden in ihr privates Zuhause, da muss man schon bestimmte Referenzen vorweisen können oder empfohlen werden. Da ich schon als Butler, im Service und in Sterneküchen gearbeitet habe, standen meine Chancen ganz gut. Trotzdem habe ich während der Coronapandemie erst einmal hinter der Fleischtheke bei Rewe gearbeitet – die Pandemie hat den Arbeitsmarkt auch in der Gastronomie massiv beeinflusst. Zu meiner eigenen Überraschung wurde ich dann von einem Privathaushalt gefragt, ob ich als Privatkoch arbeiten wolle. Wie genau das ablief, darf ich nicht sagen. In meinem Beruf herrscht absolute Diskretion. Diese erste Anstellung hat meine Karriere als Privatkoch ins Rollen gebracht und zu Weiterempfehlungen geführt: Mittlerweile habe ich ein Ein-Mann-Unternehmen in München gegründet und bin für das ganze Jahr bereits gut gebucht.“  

Wie mein Arbeitsalltag aussieht

„Einen richtigen Arbeitsalltag habe ich nicht, in meinem Job sieht jeder Tag anders aus. Manchmal werde ich nur für ein Frühstück gebucht, ein anderes Mal nur für das Abendessen oder auch für mehrere Tage. Es kann auch vorkommen, dass ich an einem Tag bei zwei Kunden bin. Das ist aber eher selten. Ein beispielhafter Arbeitstag sieht etwa so aus: Um neun Uhr fahre ich mit dem Auto los zum Einkaufen. Ich schlendere über den Viktualienmarkt und kaufe dort Gemüse. Die meisten meiner Kunden möchten nämlich sehr gesund essen. Dann geht es weiter zum Fleischhändler und anschließend noch zu einem Pralinenladen. Um zwölf Uhr stehe ich dann in der Küche meines Kunden und bereite ein Fünf-Gänge-Menü für das Abendessen vor. Um 18 Uhr serviere ich den ersten Gang, bediene sie den Abend über und mache schließlich die Küche sauber. Erst dann habe ich Feierabend und fahre nach Hause.“ 

Was der Job mit dem Privatleben macht

„Als Privatkoch habe ich lange Tage und bin viel unterwegs, manchmal auch mehrere Tage am Stück. Oft haben meine Kunden mehrere Häuser in verschiedenen Ländern. Da kommt es schon mal vor, dass ich nach Frankreich oder Italien reisen muss und für einige Tage in deren Gästehäusern oder in Hotels lebe. Ich bin auch schon im Privatjet mitgeflogen oder habe auf Yachten gekocht. So aufregend das ist, bedeutet es auch, dass ich weit weg von meiner Frau und meiner Tochter bin. Als Vater wünsche ich mir natürlich, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu haben. Als Selbstständiger möchte ich aber auch meine Kunden zufriedenstellen – und die haben nicht nur hohe Erwartungen, sondern auch mal spontane Wünsche. Da ich keine klaren Arbeitszeiten habe, ist es wichtig, Grenzen zu setzen. Zum Beispiel nehme ich mir jeden Sonntag frei und gehe da mittlerweile auch nicht mehr ans Telefon. Auch Heiligabend verbringe ich immer mit meiner Familie. Auch wenn ich teilweise viel Geld geboten bekomme, um anderswo ein Weihnachtsessen zu kochen.“ 

Welche Frage ich auf Partys gestellt bekomme

„Am häufigsten werde ich gefragt, ob ich Zuhause auch so aufwendig koche. Die Antwort: Nein, denn das ist für mich Arbeit. Wenn ich in der Küche stehe, mache ich meistens etwas ganz Simples: morgens ein belegtes Brot für meine Tochter, zwischendurch eine schnelle Pasta. Selbst an Heiligabend gibt es bei uns Raclette, wie bei vielen anderen auch. Generell kocht meine Frau bei uns häufiger als ich. Für mich ist es wichtig, meinen Job so gut wie möglich von meinem Privatleben zu trennen. Dazu gehört auch, möglichst wenig über die Arbeit zu reden. Freunde oder Bekannte wollen häufig wissen, für wen ich arbeite. Da auch prominente Namen unter meinen Kunden sind, verstehe ich diese Neugier. Dennoch gehe ich jeglichen Fragen zu meiner Arbeit möglichst aus dem Weg. Zum einen, weil ich mit Informationen absolut diskret umgehen muss. Zum anderen brauche ich diese klare Grenze.“

Was ich an meinem Job mag und was nicht

„Mit meinem Job lebe ich den Traum vieler Köche: in Feinkostläden einkaufen, über den Markt spazieren und nur die besten Zutaten aussuchen. Es ist wie im Bilderbuch. Das schätze ich natürlich sehr. Was ich außerdem mag, ist die Abwechslung: Ich koche in verschiedenen Küchen und habe mit vielen interessanten Menschen zu tun, die ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben. Auf diese individuellen Wünsche muss ich eingehen. Das bedeutet aber auch viel Stress. Und der stört mich an meinem Job. Auf diesem Luxus-Niveau kann ich zu meinem Kunden nicht einfach ,Nein‘ sagen. Es kommt vor, dass ein Kunde Gebäck aus einem bestimmten Laden haben will. Oder ich gefragt werde, ob ich noch ein Mittagessen vorweg kochen kann, obwohl ich nur für ein Abendessen gebucht wurde. Um auch für solche Situationen vorbereitet zu sein, kaufe ich aber ohnehin immer etwas mehr als notwendig.“

Welche Eigenschaften man als Privatkoch braucht

„Zu Diskretion sollte man auf jeden Fall fähig sein. Natürlich braucht man als Koch ein kulinarisches Know-how, um seine Kunden zu verwöhnen. Als Privatkoch sollte man das aber auch gut verkaufen können. Vor allem, wenn man selbstständig ist. Meine Kunden wollen das Gefühl haben, einen Sternekoch bei sich zu Hause zu haben. Dafür reicht es nicht, bloß gut kochen zu können. Das Gesamtpaket zählt: die Interaktion mit den Kunden, der Service und die Kreativität. 

Vor allem aber braucht es Feingefühl: Ich halte mich in privaten Haushalten auf und muss die Bedürfnisse meiner Kunden wahrnehmen. Wenn jemand nicht reden möchte, muss ich das merken. Mit meiner Kochkunst kann ich auf gewisse Situationen auch etwas Einfluss nehmen. Bei einem Geschäftsessen etwa sollte das Essen nicht im Mittelpunkt stehen, da bereite ich etwas zu, das nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, eine einfache Platte mit Tomate-Mozzarella zum Beispiel. Wenn es sich um ein Treffen handelt, bei dem die Kommunikation angeregt werden soll, koche ich ein Gericht, das in der Tischmitte steht und geteilt wird. In manchen Situationen braucht es hingegen ein extravagantes Essen, das der Star des Abends ist.“

Mein Verhältnis zu Luxus

„Ich persönlich führe kein luxuriöses Leben. Nur einmal im Jahr, an Weihnachten, kaufe ich mir und meiner Familie eine Dose Kaviar. Das ist mittlerweile bei uns Tradition. Mehr Luxus brauche ich auch nicht. Trotzdem urteile ich nicht über Menschen, die auf der ganzen Welt Häuser haben und mit dem Privatjet fliegen. Hätte ich damit ein Problem, wäre ich falsch in dem Job. Ich finde, jeder Mensch muss für sich selbst entscheiden, was er für einen Lebensstil führen möchte.“ 

So viel verdiene ich als Privatkoch

„Durchschnittlich verdient ein Privatkoch in Deutschland zwischen 4000 und 6000 Euro brutto im Monat. Ich bekomme pro Stunde bis zu 90 Euro – das ist aber auch die Obergrenze. Als Selbstständiger variiert mein monatlicher Bruttogehalt. Maximal liegt es bei 7000 Euro.“

Was ich am liebsten esse

„Ich persönlich mag eher schlichtes und dafür hochwertiges Essen. Das perfekte Abendbrot ist für mich ein frisches Brot mit gutem Käse oder Schinken mit einem französischen Rotwein. Am liebsten trinke ich Bordeaux-Weine von kleinen Winzern. Mit der Zeit bin ich zu einem richtigen Weinliebhaber geworden. Das hat sicherlich auch mit meinem Beruf zu tun, denn dadurch bin ich mit guten Weinen erst in Kontakt gekommen. Mittlerweile informiere ich mich gerne über Weine, bestelle bei verschiedenen Weingütern und lagere die Flaschen auch mal für mehrere Jahre.“

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