2500 Euro brutto für den Besitzer eines Foodtrucks

Daniel, 35, hat nie Koch gelernt. Trotzdem verkauft er jetzt Maultaschen.
Protokoll von Niko Kappel

Daniel hat zwar keine Ausbildung als Koch, aber ein BWL-Studium, das ihm auch weiterhilft.

Foto: privat; Illustration: jetzt

Die Idee

„Ich habe lange in einer Unternehmensberatung gearbeitet – bis ich vor sechs Jahren mit einem Kollegen mal ein paar Bier zu viel hatte. Da haben wir uns überlegt, dass wir gerne mal was in der Gastronomie machen würden. Wir sind jetzt beide nicht so die mega Köche, deshalb musste es etwas einfaches sein. Wir sind beide Schwaben und damals kam auch gerade so ein bisschen dieser Regionalität-Trend auf. Da lag dann ein Foodtruck mit Maultaschen ziemlich nahe. Dann haben wir den ersten Truck gekauft und haben angefangen, verschiedene Maultaschengerichte zuzubereiten und zu verkaufen.

Die Vorteile des Trucks

Bei einem Foodtruck ist das Risiko betriebswirtschaftlich gesehen viel geringer, als bei einem Restaurant oder einem Imbiss. Man ist nicht an einen Ort gebunden und muss keine Miete bezahlen. Wir sind viel freier in der Gestaltung unserer Arbeitszeiten, wenn wir mal einen Monat im Urlaub sind, steigen uns die Kunden nicht direkt aufs Dach. Weil wir nie am gleichen Standort sind, wird es außerdem nie langweilig. Man sieht immer andere Gegenden und hat auch mit den unterschiedlichsten Kunden zu tun. Außerdem können wir, wenn es mal an einem Standort nicht läuft, einfach wo anders hinfahren. Generell ist so ein Truck einfach viel stressfreier: Wir fahren irgendwo hin, schmeißen unsere Grills an und machen Maultaschen.

Der Alltag

 

Morgens starten wir meistens um 9 Uhr im Lager. Dann wird der Truck mit den Lebensmitteln, Menütafeln und dem Geschirr beladen. Wir fangen dann meistens schon mal an, das Essen vorzubereiten: Maultaschen schneiden oder Kartoffelsalat machen. Wir haben je nach Saison 20 bis 40 Aushilfen. Am Standort treffen wir dann ein bis zwei von ihnen, machen den Herd an und fangen an, zu brutzeln. Meistens gibt es dann mittags einen großen Ansturm. Am Abend steht das Putzen an, was natürlich manchmal nervig, aber in der Gastro halt unverzichtbar ist.

Die Ausbildung

Ich habe Betriebswirtschaft studiert, was natürlich immer hilfreich ist, wenn man sein eigenes Unternehmen gründet. Meine Diplomarbeit habe ich damals über ein gastronomisches Konzept geschrieben, weil mich das Thema schon immer interessiert hat. Oft fehlt betriebswirtschaftliches Verständnis in der Gastronomie, ich finde das aber unglaublich wichtig, weil man ja auch Geld verdienen will. BWL habe ich halt gelernt, aber Menschen mit Essen zu versorgen, macht mehr Spaß – deshalb ist der Foodtruck für mich eine ziemlich geile Kombination aus beidem.

Die Herausforderungen

Das ganze Personal zu managen, ist schon manchmal schwierig. Man braucht viel Ruhe und auch Flexibilität, damit alle Mitarbeiter zufrieden sind, zum Beispiel bei der Einteilung der Schichten. Denn wir arbeiten direkt am Kunden – da ist es wichtig, dass alle Mitarbeiter immer freundlich und gut drauf sind. Dadurch, dass wir immer an unterschiedlichen Orten mit unseren Trucks sind, tauchen manchmal auch Probleme auf, die man nicht kommen sieht. Wenn zum Beispiel eine Aushilfe krank ist, muss man den Truck auch mal alleine schmeißen.

Das Gehalt

Ein Schichtleiter im Foodtruck verdient bei uns monatlich so um die 2500 Euro brutto. Bei den Schichtleitern im Truck ist das Gehalt auch von Saison zu Saison unterschiedlich, da wir unsere Mitarbeiter nach Stundenlohn bezahlen und wir nicht immer gleich viel Arbeit haben. Im Sommer sind wir natürlich mehr unterwegs, weil wir da auch viel Catering-Jobs, zum Beispiel auf Hochzeiten, übernehmen.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Die Leute fragen erstmal, wo ich Koch gelernt hab. Ich bin aber zum Glück nicht der einzige Foodtruckbesitzer, der da passen muss: Ich kenne in der Szene fast keine Köche. Das sind meistens irgendwelche Quereinsteiger, die Bock auf was Neues hatten. Selten fragen die Leute auch, ob sie mal umsonst Maultaschen bekommen. Wenn Freunde von mir zum Truck kommen, bestehen die aber meistens darauf, ihr Essen zu bezahlen, weil sie das Projekt cool finden und mich unterstützen wollen.“

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