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Foto: junge norddeutsche philharmonie

Der Job

Als Geschäftsführer der jnp (junge norddeutsche philharmonie) bin ich vom Vorstand des Orchesters eingestellt, um alles Administrative zu regeln – Anträge stellen, Stellenausschreibungen koordinieren und so weiter. So heißt es offiziell. Inoffiziell bin ich quasi Mädchen für alles. Ich organisiere Events, treffe potentielle Kooperationspartner und funktioniere als inhaltlicher Richtungsweiser der jungen norddeutschen Philharmonie – einem Haufen junger Musiker und Musikerinnen, die neben ihrem Musik-Studium bei uns ehrenamtlich praktische und inhaltliche Herausforderungen suchen. Das bedeutet: Mein Handy vibriert regelmäßig und mein Postfach steht nie still. Außerdem bin ich viel mit Menschen aus Politik und Wirtschaft in Kontakt, weil ich ständig Geldgeber für neue Projekte akquiriere. 

Der Arbeitsalltag

In der Regel stehe ich gegen 7.30 Uhr auf und bin um 9.00 Uhr im Büro. Meistens bin ich dann noch alleine – das sind die produktivsten Stunden meines Tages, weil ich nicht abgelenkt bin. Ich checke Mails, verfasse Pressemitteilungen oder schreibe Anträge an Stiftungen oder andere Fonds. Nach und nach kommen dann weitere Bürokräfte, wie zum Beispiel unsere Finanzreferentin und meine Stellvertreterin dazu. Zusammen besprechen wir Projekte, brainstormen, planen Kampagnen. Die letzten Monate haben wir zum Beispiel eine Art Summerschool für unsere Musiker organisiert. Spätestens 19 Uhr verlasse ich das Büro. Mindestens einmal die Woche bin ich außerhalb Berlins unterwegs, um wichtige Partner zu treffen oder Spielstätten, wie zum Beispiel die Elbphilharmonie in Hamburg zu besichtigen. Ich studiere zwar auch noch – aber das schiebe ich so zwischen meine Termine oder auf die Wochenenden.

Die Ausbildung

Meine Eltern sind beide Musiker. Die Frage war damals also nicht: Wird unser Kind ein Instrument spielen? Sondern: Welches Instrument wird Konstantin spielen? Mit fünf Jahren kam ich in den Knabenchor und mit sieben Jahren fing ich an, Geige zu spielen. Das Geige-Üben machte mir überhaupt keinen Spaß. Trotzdem ging ich sechs Jahre zum Unterricht, bis ich mich mit dreizehn Jahren endlich dazu durchrang, meiner Mutter zu sagen: „Mama, ich habe kein Bock mehr." Also sollte ich mir ein anderes Instrument aussuchen: die Posaune. Es waren dann eher gesellschaftliche Gründe, die mich zum regelmäßigen Üben motivierten: Ich spielte in einem Quintett und war Teil eines Orchesters. Es hätten genauso gut die Pfadfinder sein können – ich wollte einfach mit netten Leuten rumhängen.

Mit 21 Jahren fing ich an in Hannover bei einem sehr renommierten Professor Posaune zu studieren, der schnell verstand, dass ich nicht Posaunist werden wollte. Nach zwei Jahren musste ich mir eingestehen, dass ich nicht wusste, wohin ich mit diesem Studium wollte. Also brach ich ab und zog nach Berlin, um mit 24 Jahren das zu studieren, was ich eigentlich wollte: Politikwissenschaften an Freien Universität zu Berlin. Nebenher war ich immer in der jnp engagiert. Erst als Posaunist, dann als Vorstandsmitglied und seit diesem Jahr als Geschäftsführer.

 

Die Motivation

Aus der professionell beruflichen Perspektive ist es mein Ziel, die Strukturen in der jnp so zu bauen und zu stärken, dass in Zukunft auch ein Mensch Anfang zwanzig dazu in der Lage ist, das Projekt zu leiten. Persönlich betrachtet – und das rührt wahrscheinlich auch aus meiner Vergangenheit – möchte ich jungen Musikern Orientierung im harten Feld des Musik-Business geben. Klassischer Musiker zu werden ist wie Lotto spielen. Man braucht ein Quäntchen Talent und ein riesiges Stück Glück. Man muss dafür gewappnet sein, auf den Punkt beste Leistungen abzuliefern. Das ist ähnlich wie beim Elfmeterschießen.

Beim Vorspielen muss der Geiger perfekt spielen. Alles muss in diesen Moment passen. Und am besten hat er noch Kontakte zum Orchester – sonst wird es schwierig, einen Platz zu bekommen.

Das Geld

Seit 2014 bin ich in der jnp aktives Mitglied – und bis vor einem Jahr habe ich keinen Cent dafür bekommen. Heute verdiene ich 1350 Euro brutto, das sind 1200 Eruo netto, im Monat für offiziell 20 Stunden die Woche. Inoffiziell sind es dann doch eher 40 bis 50 Stunden. Aber das ist okay – denn ich arbeite mit tollen Leuten zusammen und mache das, was mir Spaß macht.

Das Arbeitsumfeld

Meine Kollegen und Kolleginnen und ich arbeiten stark idealistisch. Die meisten sind jung, motiviert und haben eine ausgeprägte Leidenschaft für Kultur und Musik. Sie engagieren sich auch für wenig Geld, weil sie an die Idee glauben, jungen Musikern eine Ergänzung zu dem herkömmlichen Musikbetrieb zu bieten. Und zum anderen, weil sie wissen, dass sich ihr Engagement irgendwann für sie auszahlen wird. Die jnp arbeitet partizipativ: Jeder Musiker darf mitreden und mitentscheiden. Einmal im Jahr fahren wir mit allen Musikern auf ein Sommercamp nach Mecklenburg-Vorpommern, auf dem wir unter anderem ein Konzert vorbereiten, aber auch Referenten einladen. Das sind sowohl professionelle Musiker, als auch Kulturmanager, die Input geben. So erfahren die Musiker, dass man auch abseits des Orchesterplatzes in der klassischen Musik-Szene Karriere machen kann.

Die Frage, die auf Partys immer kommt

„Oh krass. Und was machst du dann so?" Die meisten Menschen können mit den Schlüsselbegriffen Orchester, Elbphilharmonie und Geschäftsführer was anfangen – Namedropping funktioniert in der Regel gut. Immerhin ist der Ex-Bundespräsident Joachim Gauck unser Schirmherr. Den kennt wohl jeder. Aber was dahintersteht, ist den wenigsten bewusst. Wenn ich dann sage, dass ich im Büro auch mal Bilder an der Wand anbringe oder zu Sommerfesten den Grill anschmeiße, sind die meisten Menschen ziemlich verwirrt.

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