Bis zu 2500 Euro brutto für die Heilpraktikerin

Maria, 32, arbeitet als Heilpraktikerin und will nicht mit „Schamanen“ und „Heilern“ in einen Topf geworfen werden.
Protokoll von Franziska Koohestani

Foto: Michaela Albrecht/Wörterfall Bearbeitung: jetzt

Der Alltag

Ich arbeite seit vier Jahren als Heilpraktikerin und habe mich mit meiner Praxis auf Frauenheilkunde spezialisiert. Zu mir kommen Frauen, die an starken Menstruationsschmerzen leiden, an Hitzewallungen oder Gewichtszunahme in den Wechseljahren. Oder auch Frauen, die schwanger werden wollen. Ich behandle zum Beispiel mit Homöopathie, traditioneller Naturheilkunde, Pflanzenmedizin, führe sogenannte therapeutische Frauenmassagen und Gesprächstherapien durch. In meinem Berufsalltag beschäftige mich mit den Beschwerden meiner Patientinnen, kümmere mich aber auch um Organisatorisches, zum Beispiel das Marketing der Praxis. Wichtig ist auch die Nachbereitung, das erledige ich meistens zu Hause: Behandlungspläne schreiben und individuelle homöopathische Mittel raussuchen. Zusätzlich mache ich viele Fortbildungen. 

 Die Ausbildung

„Schamane“ oder „Heiler“ kann sich jeder nennen. Der Begriff „Heilpraktiker“ ist aber gesetzlich geschützt. Das unterscheiden viele Menschen leider nicht. Meine Vollzeit-Ausbildung hat zweieinhalb Jahre gedauert, plus ein Jahr Prüfungsvorbereitung. Zusätzlich habe ich noch eine zertifizierte Homöopathieausbildung gemacht, die zweieinhalb Jahre ging. Das würde ich auch jedem ans Herz legen, der sich dafür interessiert. Von Selbststudium oder Crash-Kursen rate ich ab. Viele denken, dass wir in der Ausbildung nur alternativmedizinische Verfahren lernen. Das stimmt nicht. Es geht vor allem um medizinisches Wissen, das auch dann in der Prüfung abgefragt wird. Die Alternativmedizin ist für mich eine Ergänzung zur Schulmedizin. Wenn eine Patientin zu mir kommt, gehe ich am Anfang immer schulmedizinisch ran: Ich schaue mir die bestehenden Befunde an, schicke sie zu anderen Ärzten, wenn ich merke, dass mögliche Diagnosen ausstehen. Es ist ein Zusammenspiel, kein Entweder-Oder.

Das Geld

Als Freiberuflerin variiert mein Gehalt. Ich verdiene zwischen 2000 und 2500 Euro brutto. Prinzipiell arbeite ich schon viel. Wie man so schön sagt: Selbstständig heißt „selbst und ständig“. In manchen Wochen sind es 50 oder 60, in anderen auch mal normale 40 Stunden. Dafür kann ich mir aber Urlaub nehmen, wann immer ich möchte.

Die Motivation

Vor der Ausbildung habe ich einen Bachelor in Psychologie gemacht. Als ich dann anfing, in der Co-Beratung zu arbeiten, stellte ich fest, dass die meisten Leute nicht nur Gesprächsbedarf, sondern auch körperliche Beschwerden haben. Damals konnte ich ihnen dabei noch nicht helfen. Das frustrierte mich, das wollte ich ändern. Dann begann ich, mich mit dem Beruf der Heilpraktikerin zu beschäftigen. Mir hat das Ganzheitliche in der Gesprächstherapie gefehlt. Durch die Heilpraktiker-Ausbildung konnte ich das ergänzen. Es geht immer noch viel um Einfühlungsvermögen. Deshalb profitiereich von meinem Psychologie-Studium: Da habe ich die „socialskills“ gelernt.

Die Vorurteile

Ich finde es sehr schade, wie undifferenziert die Alternativmedizin in den Medien oft dargestellt wird. Wie in jedem Beruf gibt es natürlich auch unter Heilpraktikern schwarze Schafe. Wenn Menschen mit chronischen Erkrankungen zu mir kommen, achte ich immer darauf, dass eine schulmedizinische Betreuung da ist. Krebs zum Beispiel würde ich nie ganz allein behandeln. Das bedeutet für mich Ganzheitlichkeit. Ich muss ja nachts noch schlafen können. Anders als das in der Schulmedizin leider oft der Fall ist, nehme ich mir Zeit für meine Patienten. Das sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Gerade wenn es mir nicht gut geht, will ich doch, dass mich jemand ernst nimmt und mir zuhört. Wenn das nicht stattfindet, ist das eine schlechte Voraussetzung für die Behandlung.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Heilpraktikerin bin, bekomme ich eigentlich immer nur positive Reaktionen. Die häufigste Frage ist dann: „Ich habe gerade so doll Kopfschmerzen, weißt du da irgendwas?“ Oder mich fragt eine Freundin mit Kind: „Die Kleine hat gerade Durchfall – kannst du mir nicht ein paar Globuli geben?“ Die meisten freuen sich einfach, dass sie jemanden um Rat bitten können.

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