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Foto: Sebastian Becker / Collage: jetzt.de

Der Job

Ich bin jetzt im zweiten Monat als selbstständige Pferdebereiterin und Reitlehrerin beschäftigt. Dazu fahre ich mehrmals die Woche zu verschiedenen Pferdehöfen, momentan sind es vier. Dort habe ich mehrere Kunden, denen ich Reitunterricht gebe und ihre Pferde reite oder weiter ausbilde. Außerdem trainiere ich Pferd und Mensch. Das hört sich erstmal profan an, aber es gibt viele Pferdebesitzer, die nicht wissen, wie man mit einem Pferd umgeht beziehungsweise lernen müssen, wie so ein Pferd funktioniert. Das ist ganz normal. Dafür investieren viele Menschen sehr viel Geld – Pferdebesitzer sind meistens sehr vernarrt in ihre Tiere. Ich gehöre da natürlich auch dazu. Momentan bin ich noch dabei, meinen Kundenstamm aufzubauen. Das funktioniert nur, wenn ich gute Arbeit leiste und meine Kunden mich weiterempfehlen.

Das Ziel

Mir geht es darum, wichtiges Wissen über und mit dem Tier weiterzugeben: Wie geht man mit Pferden um? Wie denkt das Pferd? Wie kann ich Pferde verstehen? Wie lernen sie? Viele haben ein Pferd, aber können es nicht verstehen. Pferde ticken anders als andere Tiere. Zum Beispiel erkläre ich oft, unabhängig von der Reitweise, wie man sein Tier zum Training motiviert. Anders als beispielsweise bei Hunden konditioniert man ein Pferd nicht mit Futter, sondern mit Pausen und Lob. Das heißt: Pferde lernen, wenn man einen aufgebauten Impuls löst, also Druck wegnimmt, nicht Druck aufbaut. Wenn das Pferd einen Schritt in die richtige Richtung geht, dann muss das Ziehen sofort aufhören. Das Timing ist dabei wirklich super wichtig. Ich bin überzeugt, dass es in dem Bereich viel zu lernen gibt. Auf jeden Fall sehe ich im Pferde-Business viel Potenzial zur Verbesserung.

Der Arbeitsalltag

Momentan sind meine Tage noch nicht proppenvoll – was ich sehr genieße, weil die letzten zwei Jahre, in denen ich die Ausbildung zur Pferdewirtin absolviert habe, sehr anstrengend waren. Trotzdem versuche ich, Struktur in meinen Tag zu bekommen. Ich stehe gegen sieben Uhr auf, mache meinen Sport – was bewusst nicht reiten ist – erledige dann Bürokram und arbeite neue Trainingskonzepte aus. Erst am Nachmittag, wenn meine Kunden Feierabend haben, fahre ich zu den Höfen.

Wie es dazu kam

Eigentlich wollte ich nie etwas mit Pferden machen. Schon seit ich drei bin, verbringe ich viel Zeit auf dem Pferderücken, doch die meisten Menschen in meinem Umfeld, die mit Pferden arbeiten, rieten mir davon ab. Es sei zu hart und zu aufwendig, damit Geld zu verdienen. Davon war ich abgeschreckt. Deshalb studierte ich nach meinem Abi und einem Auslandsaufenthalt erstmal Englisch und Spanisch. Das Jahr an der Uni war schön: Das Leben war entspannt, ich lernte nette Leute kennen und das Lernen fiel mir leicht. Aber irgendwann fragte ich mich: Wo will ich eigentlich hin? Sehe ich mich wirklich in dem Bereich? Die Antwort war: nein. Studieren war damals die bequeme Variante. Aber nicht jene, die mich wirklich zufriedenstellte.

Heute bin ich froh, dass ich die Angst abgelegt und ich mich für den Beruf als Pferdebereiterin und Trainerin entschieden habe. Die Arbeit macht mich sehr glücklich. Ich habe schon früh gelernt, dass das Business nicht auf einem rosaroten Pferdehof stattfindet. Da ich mir nie ein eigenes Pferd finanzieren konnte, habe ich in dem Dorf, wo ich aufwuchs, immer im Tausch gegen das Reiten gearbeitet. Später verdiente ich eigenes Geld, um Zeit mit Pferden zu verbringen. Mir ist bewusst, dass wenn man sich für einen Job mit Pferden entscheidet, einen Lebensstil wählt – nicht einen Beruf.

Die Ausbildung

Nach meiner Zeit an der Uni habe ich ein Praktikum auf einem Gestüt gemacht und entschied mich für eine Ausbildung als Pferdewirtin. Das fiel mir nicht leicht: In der Gesellschaft ist studieren natürlich das Nonplusultra. Für die Ausbildung hätte ich nicht mal einen Realschulabschluss gebraucht. Dennoch absolvierte ich zwei Jahre lang eine Ausbildung im Westernreiten. Ich habe dafür mein Leben in Bonn aufgegeben und bin aufs Land gezogen. Der Umzug fiel mir damals nicht so schwer, weil ich in einem Dorf aufgewachsen bin. Während der Ausbildung wuchs dann aber doch meine Sehnsucht nach der Stadt – die ich heute zum Glück durch meine Selbstständigkeit stillen kann.

Rückblickend war das Studium im Gegensatz zur Lehre ein Spaziergang. Einen Tag in der Woche ging ich zur Berufsschule, den Rest der Zeit wohnte und arbeitete ich auf dem Hof. Im Winter fingen wir um halb acht an, im Sommer um sechs oder sieben Uhr. Dann ging es ans Stallausmisten und Füttern. Die Auszubildenden kümmern sich quasi um den normalen Betrieb auf dem Pferdehof: die Tiere auf die Wiese bringen, Reitunterricht geben, Pferde reiten. An einem gewöhnlichen Tag arbeitete ich, mit Frühstücks- und Mittagspause, circa bis 18 Uhr. Bei Notfällen waren wir immer zur Stelle – bei Tag und bei Nacht. Wenn ein Pferd zum Beispiel Koliken bekommt, muss man es so lange in Bewegung halten, bis der Tierarzt kommt. Darauf war ich eingestellt, es sind eben Pferde, keine Autos.

Dennoch wurde mir schnell bewusst, dass ich nicht auf einem Hof angestellt sein möchte. Als klassische angestellte Pferdewirtin bleibt oft die Stallarbeit an einem hängen. Natürlich gehört das zum Beruf, aber mir würde die Arbeit direkt an Pferd und Mensch zu sehr fehlen. Ich sehe die Gefahr, den Spaß am Job zu verlieren, wenn ich an einen Hof und an eine Routine gebunden bin. Außerdem ist es mir wichtig, Zeit für mich zu haben, um neue Ideen und Methoden zu entwickeln, die ich in meinem Job selbstständig anwenden kann. Deshalb habe ich mich selbstständig gemacht.

Das Geld

Für 30 Minuten Reitunterricht nehme ich 30 Euro. Ich gebe generell nur kurze Einheiten, weil das Training sowohl für das Pferd als auch für den Menschen mental sehr anstrengend ist. Nach einer halben Stunde ist man kaum mehr aufnahmefähig. Für Reiten inklusive Rundumversorgung der Pferde nehme ich 40 Euro. Für eine längere Anfahrt kommt ein kleiner Aufpreis dazu. Das sind viele kleinere Beträge, die sich läppern. Letzten Monat hatte ich beispielsweise zehn bis zwölf Kunden pro Woche und habe 1600 Euro brutto verdient – bei sehr viel Freizeit, die ich mir gerade bewusst nehme. Tendenziell möchte ich natürlich mehr Kunden gewinnen.

Das Arbeitsumfeld

Reiten ist ein sehr teures Hobby. Das heißt aber nicht, dass die Pferdebesitzer abgehoben sind. Im Gegenteil: Ich verstehe mich mit allen sehr gut. Dennoch kann es passieren, dass man mit den Pferdebesitzern aus verschiedenen Gründen nicht klarkommt. Mir ist das zum Glück noch nicht passiert. An dem Beruf und dem Umfeld schätze ich das persönliche Feedback sehr, das man bekommt, wenn Fortschritte bei Mensch und Pferd zu erkennen sind.

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