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Foto: Privat / dap / Collage: jetzt.de

Der Alltag

Ich arbeite im Raum Leipzig für die Deutsche Post DHL in der Abendzustellung. Das heißt, ich liefere zwischen 18 und 21 Uhr Pakete aus. Ich mag die späte Schicht, weil ich so vormittags viel Freizeit habe. Momentan arbeite ich 25 Stunden pro Woche, langfristig werde ich aber wieder aufstocken.

Mein Arbeitstag beginnt um 16 Uhr in der Zentrale, da hole ich mir zwei Scanner ab. Im Lager kommen währenddessen Zustellungen an, die wir dann mithilfe der Scanner auf verschiedene Touren verteilen. Dann kriegen wir Zulieferer jeweils eine Tour zugewiesen. Die Touren sind genau vom System berechnet, ein Navi gibt die Route vor. Die Anzahl der Pakete auf einer Tour ist ganz unterschiedlich – das können mal nur zehn sein, manchmal aber auch bis zu 60.

Die Zustellzeit für den Abend ist offiziell zwischen 18 und 21 Uhr. Wenn viel los ist und ich es nicht schaffe, alle Pakete bis 21 Uhr zu den Kunden zu bringen, liefere ich auch bis 21.30 Uhr. Alles, was ich bis dahin nicht ausgeliefert habe, wird dann entweder am nächsten Tag zugestellt oder kommt in eine Packstation oder Filiale in der Nähe. Das ist natürlich ärgerlich, aber wenn viel los ist, noch der Verkehr dazukommt oder mal ein Aufzug nicht funktioniert und ich in den 18. Stock laufen muss, dann hinkt man schnell mal dem Zeitplan hinterher. Wenn ein Kunde nicht zuhause ist, versuche ich immer, das Paket bei den Nachbarn abzugeben, das klappt zum Glück meistens.

Wenn einer von uns mal besonders viel zu tun hat und ein anderer Kollege früher fertig ist, dann helfen wir uns aus. Wir sind ein sehr starkes Kollektiv, darüber bin ich froh.

Der Weg dahin

Meine Mama und meine Schwester arbeiten auch bei der Post und haben mich auf die Idee gebracht, mich dort zu bewerben. Nach meinem Realschulabschluss habe ich dann hier eine Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen gemacht. Die Ausbildung dauert zwei Jahre, man wechselt alle drei Monate zwischen Berufsschule und Zustellung. Ich bilde mich gern weiter und will hier im Unternehmen Karriere machen – deshalb habe ich direkt danach noch eine kaufmännische Ausbildung im gleichen Bereich gemacht. Dabei schaut man mehr hinter die Kulissen und lernt zum Beispiel, wie der Fuhrpark bei der Post organisiert wird. Heute bin ich Kaufmann für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen.

Die körperliche Belastung

Die ersten Wochen in der Zustellung waren hart für mich. Ich bin ein sportlicher Typ, spiele Fußball und gehe ins Fitnessstudio. Aber ich habe den Beruf echt unterschätzt. Wenn man dreimal hintereinander mit mehreren schweren Paketen in den sechsten Stock gelaufen ist, merkt man das am ganzen Körper. In der ersten Zeit hatte ich schlimmen Muskelkater, aber nach ein paar Wochen geht das vorbei. Ich mache weiter meinen Sport und achte besonders darauf, meinen Rücken zu trainieren. Es gibt für uns Zusteller aber auch ganz klare Vorgaben wie wir die Pakete am besten tragen sollen und wie wir die Autos rückenschonend be- und entladen.

Die Vorurteile

Die meisten unterschätzen meinen Job. Ich höre oft: „Ist ja nichts weiter als nur ein paar Briefe und Pakete zustellen“ – dabei gehört zu unserem Beruf viel mehr als das. Sachen im Internet zu bestellen ist heute so einfach, zwei Klicks und schon ist ein Paket auf dem Weg. Das ist mittlerweile selbstverständlich geworden. Aber an jedem Paket hängt ein riesiger logistischer Aufwand und es braucht komplexe Prozesse, damit die Lieferungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort landen. Ich würde mir wünschen, dass die Kunden das ein bisschen mehr hinterfragen und unsere Arbeit mehr wertschätzen. Und vielleicht auch mehr Verständnis aufbringen, wenn das Paket mal nicht rechtzeitig ankommt, der Zusteller in der zweiten Reihe parkt, oder man ein Päckchen in der Filiale abholen muss. Manche Kunden denken auch, dass wir Zusteller gar nicht klingeln und das Paket sofort bei der Packstation oder beim Nachbarn abgeben. Da kann ich nur sagen: Vielleicht gibt es schwarze Schafe, aber ich kenne niemanden, der das macht. Bei uns fährt jeder hin, jeder klingelt und jeder bemüht sich.

Das Geld

Ich bin mit meinem Gehalt zufrieden, für unsere Region ist der Stundenlohn fair. Das Leben kostet hier ja auch nicht so viel wie zum Beispiel in München. In Vollzeit wäre es noch einmal deutlich mehr Gehalt, aber ich habe mich aus persönlichen Gründen entschieden, jetzt erst einmal weniger zu arbeiten. Für mich zählt auch die Perspektive: Ich kann mich langfristig entwickeln, mehr verdienen und mein Job hier ist sicher.

Die Motivation

Ich bin sehr extrovertiert und finde es toll, jeden Tag ganz viele, ganz unterschiedliche Menschen zu treffen. Wenn es geht nehme ich mir die Zeit, mich kurz mit den Kunden zu unterhalten. Dann höre ich mir natürlich auch an, was die Leute stört; in den meisten Fällen sind das aber sehr schöne Begegnungen. Im Sommer bekomme ich schon mal eine Bratwurst oder ein Bier angeboten, wenn die Leute gerade im Garten grillen.

Bei meinen Touren habe ich schon fast alles gesehen: Frauen mit Joghurtmaske und Gurkenscheiben auf den Augen, Leute die im Schlafanzug oder sogar komplett nackt die Tür aufmachen.

Die harte Zeit

In der Weihnachtszeit liefern wir zweieinhalb Mal mehr Pakete aus als im übrigen Jahr. Das ist schon eine Herausforderung. Mich spornt das aber auch an: Drei bis fünf Wochen Zähne zusammenbeißen. Wenn’s brennt, dann brennts – und wir versuchen einfach unseren Job so gut wie möglich zu machen.

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