2500 Euro brutto für die Werbe-Konzepterin

Sophie, 23, mag die Kreativität an ihrem Beruf – auch wenn ihr eigentlicher Traum ein anderer ist.
Protokoll von Caroline Bergwinkl

Foto: Victoria Jungblut; Illustration: jetzt

Der Job

Ich arbeite in einer Werbeagentur in München. Im Gegensatz zu vielen anderen Agenturen bieten wir dem Kunden einen Rundum-Service an und begleiten das Projekt von der Idee bis zur Umsetzung. Im Büro gibt es Kameramänner, Designer, Projektmanager und Konzepter, zu denen auch ich gehöre. Als Konzepterin ist es meine Aufgabe, mir eine Idee auszudenken, sie aufzuschreiben und dann weiterzugeben. In der Agentur arbeiten wir in einem Team zu dritt und brainstormen zusammen. Häufig finden auch Meetings statt, in denen wir über neue Projekte ,,gebrieft“ werden. Aktuell arbeite ich an einem Auftrag für eine große Automesse und überlege mir, wie wir am besten einen Image-Film konzipieren, der möglichst viele Menschen aus der Automobilbranche anspricht und sie motiviert, auf diese Messe zu gehen. Generell bedeutet die Arbeit in der Werbebranche, dass man aktuelle Trends verfolgen und sich Strategien überlegen muss, wie man am besten seine Zielgruppe erreicht. Von außen werde ich häufig mit dem Stereotyp konfrontiert, die Werbung sei oberflächlich. Das stimmt schon. Man muss sich schließlich darauf fokussieren, etwas gewinnbringend zu verkaufen. Mich stört das aber nicht. Ich empfinde es als spannend, bei diesem Spiel dabei zu sein und hart dafür zu arbeiten, dass meine Idee letztlich erfolgreich umgesetzt wird.

Die Herausforderungen

Generell kann man als Berufsanfänger nicht so die große Klappe aufmachen, sondern muss sich eher anpassen. Ich habe zum Beispiel erlebt, dass ich nicht in eine Sitzung mit einem Kunden mitgenommen wurde, obwohl meine Ideen da präsentiert wurden. Als Konzepterin bin ich in der Hierarchie relativ weit unten. Wenn man ein Projekt hat, dann werden die Aufgaben vom Chef verteilt, der hat das Zepter in der Hand. Als nächstes kommt der Projektmanager, der die Deadline setzt. Und dann kommen die Konzepter, die den Auftrag ausführen. Aber das Gute ist auch: Wenn man eine super Idee hat, kann man sehr herausstechen und sich ganz schnell hocharbeiten.

Die Ausbildung

Nach meinem Bachelorabschluss in Theaterwissenschaft war ich im Urlaub auf Sri Lanka und habe mich bei einem Ausflug zufällig mit einer Deutschen unterhalten, die im Sportmanagement arbeitet. Ich habe mit ihr darüber gesprochen, dass ich gerade einen Job im Medienbereich suche und sie hat mir von einer Werbeagentur erzählt, mit der sie viele Kampagnen umgesetzt hat. Über Linkedin hat sie mir einen Kontakt der Firma weitergeleitet und ich habe einfach meinen Lebenslauf hingeschickt. Zurück in Deutschland wurde ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen und dann hat es gleich geklappt. Schon während des Studiums habe ich viel Arbeitserfahrung in der Medienbranche gesammelt. Ich habe beispielsweise eine Ausbildung zur Videojournalistin bei der Mediaschool Bayern gemacht. Ohne diese Erfahrung hätte ich mit Sicherheit keinen Job in der Agentur bekommen, sondern hätte zuerst ein Praktikum absolvieren müssen. Mein Studium hat mir auch viel gebracht, da man in der Theaterwissenschaft um die Ecke denkt und und das brauche ich jetzt in meinem Job. Je origineller und innovativer eine Idee, desto besser. 

Die Zukunft

Eigentlich ist es schon lange mein Traum, Schauspielerin zu werden. Die Arbeit in der Werbeagentur ist mein erstes Berufsjahr nach meinem Bachelor-Abschluss. Ich will Erfahrungen sammeln und Geld ansparen, damit ich mich nächstes Jahr bei Schauspielschulen bewerben kann. Aber wenn ich diesen Traum nicht hätte, könnte ich mir gut vorstellen, später in der Werbung zu bleiben und beispielsweise einmal die Regie von Werbespots zu übernehmen.

Das Geld

Ich verdiene im Monat 2500 Euro Brutto. Ich habe jetzt erst mal einen Vertrag für drei Monate bekommen. Wenn die Agentur mit mir zufrieden ist, bekomme ich danach 2700 Euro brutto, das habe ich so verhandelt. Ich habe mich ein bisschen umgehört und mein Verdienst ist ganz okay für die Branche. Bei 2500 Euro bekomme ich 1600 Euro netto und das reicht mir schon ganz gut zum Leben. Ich kann etwa 300 Euro monatlich für den Urlaub wegsparen und bin damit unabhängig, da ich keine Unterstützung von meinen Eltern mehr bekomme. Bei meinem ersten Job war es mir deshalb wichtig, wie viel ich verdiene. Es ist mir aber auch wichtig, dass mir der Job Spaß macht und er mich weiterbringt. In der Werbeagentur ist das optimal, weil ich immer wieder neue Leute kennenlerne und so viele Kontakte knüpfe.

Das Privatleben

Manchmal ist die Arbeit sehr stressig, wenn der Projektmanager beispielsweise etwas schusselig arbeitet oder Termine verwechselt. Dann sitzen wir schonmal bis um 21 Uhr im Büro. Das ist erst vor kurzem passiert, weil wir ein Projekt fertigstellen mussten. Insgesamt ist meine Arbeit sehr stark vom Projekt, beziehungsweise der Deadline abhängig. Das ist teilweise schwer mit meinem Privatleben vereinbar und ich muss häufig Treffen mit Freunden kurzfristig verschieben.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Die meisten reagieren sehr positiv auf meinen Job. Bei meinem Studium war das anders, da kamen immer blöde Fragen und häufig Unverständnis für die Studienwahl. Aber wenn man in einer Werbeagentur arbeitet, ist das keine so große Sache. Ich werde eher interessiert gefragt, was man denn genau als Konzepter so mache.

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