3500 Euro brutto für den Steinmetz in der Denkmalpflege

Schon als Kind hat sich Julian für den Job als Steinmetz interessiert.
Foto: Atelier Lünig / Illustration: Samira Roll

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Was Steinmetz:innen machen

Das Steinmetzhandwerk umfasst vier Bereiche: Grabmäler, Denkmalpflege, Bau und Bildhauerei. Meine Ausbildung habe ich bei einer größeren Firma in Baden-Württemberg absolviert, die auf Denkmalpflege spezialisiert ist. Wir haben auf Montage, also unterwegs, gearbeitet und viele historische Gebäude restauriert, zum Beispiel Kirchen, Burgen oder alte Kongresshallen. Teilweise mehrere Jahre lang und in bis zu 60 Metern Höhe.

Wie ich Steinmetz geworden bin

Schon als Schüler habe ich im Steinmetz-Betrieb meiner Eltern geholfen, um mir etwas dazu zu verdienen. Ich war beim Grabmalsetzen auf dem Friedhof dabei, durfte auch mal eine Säge bedienen. Nach dem Abitur habe ich mich aber für eine Steinmetz-Lehre in der Denkmalpflege entschieden, weil ich doch noch etwas Neues sehen und mich woanders behaupten wollte. Zwölf Wochen pro Jahr hatte ich Blockunterricht in der Berufsschule, den Rest der Zeit war ich im Betrieb. Ich lernte alles, von der Baugeschichte bis zur Steinkonstruktion, über Schriftzeichnungen und Gesteinskunde.

Drei Jahre später habe ich meine Gesellenprüfung als Bester in Baden-Württemberg absolviert und wurde sogar Bundessieger. Mein Ausbilder hat mich damals motiviert, mich als Steinmetz für die WorldSkills in Russland, die Berufs-Weltmeisterschaft, zu qualifizieren. Da habe ich 2019 teilgenommen. Vergangenes Jahr konnte ich Bronze bei der Europameisterschaft in Graz holen. Nach der Ausbildung habe ich noch zwei Jahre in meiner Ausbildungsfirma gearbeitet. Gerade mache ich eine Weiterbildung als Steinmetzmeister und -techniker an einer staatlichen Schule im Fichtelgebirge.

Wie der Arbeitsalltag als Steinmetz aussieht

Auf Montage habe ich vier bis fünf Tage in der Woche von sieben bis 18 Uhr gearbeitet. Eine halbe Stunde hatten wir jeweils für die Frühstücks- und Mittagspause. Morgens richtet man das Werkzeug her, das an der Baustelle in Containern gelagert wird: Winkelschleifer, Meißelhämmer, Wasserwaage und Handwerkzeug. Weil bei der Bearbeitung von Sandstein gefährlicher Quarzstaub entsteht, der zu einer Staublunge führen kann, ist Schutzkleidung sehr wichtig. Dazu zählen: Staubmaske, Schutzbrille, Gehörschutz, Handschuhe und Sicherheitsschuhe. Mit dem Lastenaufzug geht es dann aufs Gerüst.

Wenn ein Stein ausgetauscht werden soll, messen wir diesen erst aus und erstellen eine Schablone, damit die Steinmetz:innen in der Werkstatt eine Kopie klopfen können. Danach bauen wir den kaputten Stein in Zweierteams aus und den neuen ein. Das Denkmalamt macht die Vorgaben, welches Gestein und welche Farbe wir verwenden sollen.

Welche Eigenschaften man für den Job braucht

Wichtig für die Ausbildung als Steinmetz:in in der Denkmalpflege ist Interesse am Handwerk allgemein. Noch besser ist es, wenn man sich für historische Gebäude und Gestein interessiert. Außerdem ist Durchhaltevermögen hilfreich, weil der Umgangston auf der Baustelle rauer und lauter ist als in der Schule. Und da man aus einem Steinblock Formen schaffen soll, braucht man ein räumliches Vorstellungsvermögen. Körperlich fit wird man automatisch. Immerhin hebt man auch mal Steine, die etwa 80 Kilogramm wiegen. Teamwork ist da unerlässlich. Deswegen ist es auf jeden Fall gut, wenn man aufgeschlossen ist.

Was die größten Herausforderungen sind

Wie viele andere Steinmetz:innen neige ich zu Perfektionismus. Für mich ist es meistens eine Herausforderung, irgendwann zu sagen: „Der Stein ist jetzt gut genug.“ Manchmal ist es schwierig, sich auf der Baustelle zu überlegen: Wie bekomme ich den Stein an die Stelle, wo er hinmuss? Aber auch beim Bearbeiten der Steine können Fehler passieren und eine Kante bricht ab, die eigentlich an das Stück gehört. Dann muss man improvisieren und schnell eine Lösung dafür finden. Da viele Aufträge an die Betriebe vergeben werden, die die günstigsten Angebote machen, sind die Arbeitszeiten außerdem knapp kalkuliert.

Wie es ist, auf Montage zu arbeiten

Wir hatten Baustellen deutschlandweit, aber auch in Österreich und der Schweiz. Gerade als junger Mensch sammelt man auf Montage wichtige Erfahrungen. Man kommt viel herum, knüpft neue Kontakte und bildet sich fachlich weiter. Vor allem ist es eine Lebensschule, weil man manchmal zu viert in einem Hotelzimmer schlafen muss. Da wächst man mit den Kolleg:innen zusammen.

Für meine Familie und meine Freundin, die ich während der Ausbildung kennengelernt habe, war die Montage kein Problem. Wir kennen das nicht anders. Aber ich habe viele Kolleg:innen getroffen, die entweder mit dem Beruf aufgehört haben, oder deren Beziehungen deshalb leider zerbrochen sind. Aus diesem Grund ist die Montage nicht so beliebt.

Was mein Job mit dem Privatleben macht

Mein Beruf beeinflusst mein Privatleben sehr. Ich kann nicht in den Urlaub fahren, ohne Kirchen und Friedhöfe zu besuchen und neue Ideen zu sammeln. Wenn ich in der Nähe von einem Steinbruch wandern bin, schaue ich dort vorbei. Ich interessiere mich eben sehr für Geschichte und Steine. Ansonsten fragen meine Freund:innen manchmal, ob ich ihnen mal eine Fensterbank austauschen, oder beim Neubau helfen kann. Da unterstütze ich gerne.

Was ich auf Partys immer gefragt werde

Die erste Reaktion, wenn ich mein Gegenüber noch nicht kenne und wir auf meinen Beruf zu sprechen kommen, ist Verwunderung: „Wow, echt? Du bist Steinmetz? Gibt es den Beruf noch?“ Einige sagen dann: „Du könntest mal mein Abbild in Stein klopfen.“ Oder: „Du machst mal meinen Grabstein.“ Darauf antworte ich scherzhaft: „Der Preis muss stimmen.“ Die meisten zeigen sich interessiert, weil mein Beruf mittlerweile sehr selten ist; aber es kam auch schon vor, dass ich als Handwerker abgestempelt wurde.

Wie viel man als Steinmetz:in verdient

Wenn man 40 Stunden die Woche arbeitet, kann man als Steinmetz:in mit etwa 3000 Euro brutto rechnen. Ich habe noch Montageauslöse dazu bekommen; das waren nochmal 480 Euro zusätzlich – dafür war ich allerdings unter der Woche von meiner Familie getrennt.

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